Die Studenten der Hochschule sprechen von Bildungsklau – weil die Gebühren nicht in die Bildung fließen.

wza_1500x969_495033.jpeg
Protest gegen hohe Gebühren: Studentenstreik am Montag auf dem Gladbacher Campus.

Protest gegen hohe Gebühren: Studentenstreik am Montag auf dem Gladbacher Campus.

Jörg Knappe

Protest gegen hohe Gebühren: Studentenstreik am Montag auf dem Gladbacher Campus.

Niederrhein. Der Rektor der Hochschule Niederrhein, Prof. Hermann Ostendorf, hat wahrscheinlich schon erholsamere Mittagspausen erlebt. Unter dem anhaltenden Ausruf "Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut" bewegten sich am Montag etwa 500 Studenten zur Mensa - um dort auf einen überraschten Rektor zu stoßen, der sich provokanten Fragen stellen musste.

"Schmeckt Ihnen die Bildung", fragten die Studenten. Erst, nachdem die Studenten den Saal mitsamt Ausgängen blockiert hatten, ließ sich Ostendorf auf ein Gespräch über die umstrittenen Studiengebühren ein. "Ein vernünftiges Gespräch kann nicht über Sprechchöre erfolgen", sagte Ostendorf am Montagnachmittag gegenüber der WZ und verwies auf einen Termin am Freitag, an dem er sich mit dem Vorstand des Allgemeinen Studierendenausschuss (Asta) zusammensetzen will.

"Wenn es 2011 neue Professoren gibt, haben wir nichts davon."

Mareike Morschel, Studentin

Während die Studiengebühren seit Jahren ein Dauer-Aufreger sind, haben aktuelle Erkenntnisse des Astas den Unmut geschürt: Die Vertreter hatten herausgefunden, dass die Hochschule sechs Millionen Euro der Studentenbeitrage nicht ausgegeben hat (die WZ berichtete). Das Fazit der Studenten: Dann werden die Beiträge auch nicht gebraucht.

Geplant war zumindest der Marsch zur Mensa nicht. Ursprünglich hatten sich die Studenten zu einem "Sitzstreik" auf dem Mönchengladbacher Campus getroffen. Dass er nicht vom Asta, sondern spontan von einer Gruppe aus dem Fachbereich Sozialwesen organisiert worden war, spricht für den Unmut unter den Studenten. "Ich beschäftige mich seit Jahren mit dem Thema Studiengebühren und war schon bei vielen Demos", sagt Mareike Morschel.

Am Freitag sei ihr spontan die Idee gekommen, den Sitzstreik zu organisieren. "Dann habe ich mir gedacht, jetzt traust du dich." Über das Internet hatte sie am Wochenende ihr Vorhaben publik gemacht, Flyer wurden entworfen und gestern Morgen kopiert. Um 12 Uhr startete der Streik unter dem Motto "Bildung ist ein Menschenrecht" und "Wir kaufen nicht, was uns gehört".

Bis Freitag muss sich die Hochschule dem Ministerium gegenüber erklären, wie sie die bereits eingenommen Studiengebühren verwenden möchte. "Wir arbeiten an einem Konzept mit Nachhaltigkeit. Es geht nicht darum, möglichst schnell möglichst viel Geld auszugeben", sagt der Hochschul-Rektor Prof. Hermann Ostendorf gegenüber der WZ. Rechtlich gäbe es keine Vorschriften, wann man das Geld investiere. Allerdings habe man den Studenten gegenüber eine moralische Verpflichtung. Im Laufe des Studiums müssten sie von ihren Beiträgen profitieren, sagt Ostendorf. Geplant seien unter anderen neue Professorenstellen. "Für die müssen wir die Ausstattung stellen, schließlich sollen sie nicht auf der Grünen Wiese sitzen."

Nicht äußern wollte sich der Rektor zu verschiedenen Anträgen in der vergangenen Sitzung des Senats. Laut Asta wurden drei Anträge abgewiesen: Den des Astas, nach dem die Studiengebühren von 500 Euro pro Semester auf 250 Euro reduziert werden sollen, den des Rektors, die Gebühren sollten um 50 Euro reduziert und den eines Professors, die Gebühren sollten um 150 Euro reduziert werden.

Nachdem sich zirka 100 Studenten zusammengefunden hatten, zogen sie durch die verschiedenen Fachbereiche, in denen sich immer mehr Studenten anschlossen. "Als wir dann hörten, dass der Rektor in der Mensa ist, sind wir hin und haben sie dicht gemacht", sagt Morschel. "Das war eine Wahnsinns-Stimmung."

Nach der aus ihrer Sicht gelungenen Veranstaltung hofft die 24-Jährige jetzt auf das Gespräch zwischen Asta und Rektor am Freitag. "Mein Traum ist es, dass die Beiträge zunächst einmal auf 350 Euro gekürzt werden." Prinzipiell gehe es aber um die komplette Abschaffung der Studienbeiträge, betonen die Studenten.

Von der Erklärung der Hochschule, die Beiträge seien nicht ausgegeben worden, weil man das Geld in Professorenstellen investieren wolle, halten Morschel und ihre Kommilitonen nichts. "Das ist auch nicht rechtens. Die Studiengänge sollen verbessert werden - und zwar jetzt, nicht erst für die Generationen danach. Wenn es 2011 neue Professoren gibt, haben wir davon nichts."

Der Asta freute sich über das Engagement der Studenten. Ob’s hilft, wird vielleicht schon der Freitag zeigen. Das Ziel "Abschaffung der Beiträge" habe man zwar klar vor Augen, eine Verhandlungsbasis sei es aber zunächst nicht, sagt Dennis Gläser vom Asta. "Wir sind schon wohlgesonnen, wenn es erst einmal zu einer Senkung kommt."

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer