Das traumhafte Wetter haben viele zu einem gefährlichen Abenteuer genutzt: Einem Spaziergang über den Hariksee.

wza_1500x1133_430105.jpeg
Mountainbikes zweckentfremdet: Mit den Fahrrädern ging es über den Hariksee.

Mountainbikes zweckentfremdet: Mit den Fahrrädern ging es über den Hariksee.

Mountainbikes zweckentfremdet: Mit den Fahrrädern ging es über den Hariksee.

Amern/Brempt. Samstagmittag. Die Sonne steht hoch am blauen Himmel und auf dem Hariksee glitzert der Schnee. Die Enten, Schwäne und Wasserhühner halten sich am liebsten auf der Schwalm auf, denn die plätschert unbeeindruckt von der klirrenden Kälte vor sich hin. Außerdem ist der Platz unter der Brücke vor dem Inselschlösschen ein strategisch günstiger für die Wasservögel:

Früher oder später müssen die Spaziergänger an ihnen vorbei. Und nicht wenige kennen das Ritual aus schrillen Schreien, mit denen dann vor allem die Enten kundtun, dass sie Hunger haben. Diese Menschen haben dann vorsichtshalber schon die Brötchenreste vom Frühstück oder das halbe Weißbrot mitgebracht.

Lars Kamphausen ist mit seiner Mutter Petra aus Viersen gekommen, mit Brötchentüte. Die beiden finden den Hariksee und vor allem die Schwäne herrlich, später möchte Lars noch etwas auf dem Eis schliddern. Eine andere Viersener Familie ist enttäuscht:

"Das Eis ist nicht frei, es liegt Schnee drauf, und überhaupt sind zu viele Buckel drin. Wir wollten aber Schlittschuh laufen, deshalb fahren wir jetzt weiter und gucken in Krickenbeck", sagt der Vater.

Ebenfalls aus Viersen kommen Gertrud und Gustav Reiners und Roswitha und Klaus Lentz. Die Damen wagen sich zunächst nur vorsichtig auf den See hinaus. An den Bäumen hängen auch noch die Schilder "Betreten der Eisfläche verboten".

"Wir wollten ja eigentlich rüber", scherzt Gertrud Reiners, "aber dann haben wir festgestellt, dass einer von uns keine Lebensversicherung hat." Alle lachen. Schnee und Eis machen einfach gute Laune. Und ein Stück weit auf den See hinaus gehen sie dann trotzdem noch, fürs Erinnerungsfoto.

Kai Pistel ist einmal bis zur Mitte und wieder zurück gelaufen. "Weit draußen bewegt sich das Eis noch ziemlich", sagt er. Für tragfähig hält er es dennoch "allemal". Dass unter der Schwalmbrücke noch das Wasser sprudelt, irritiert ihn nicht. "Diese Ecke habe ich in den 20 Jahren, die ich hier wohne, noch nie zugefroren gesehen."

Werner van Haut aus Born schon. "So vor 35, 40 Jahren, da war immer nur das letzte bisschen unter der Brücke offen." Er ist mit seiner Frau Christel von Born aus bis zum Hariksee gelaufen. "Gestern haben wir das auch schon gemacht, es ist einfach herrlich", stellen die beiden fest.

"Wir wollten ja eigentlich rüber, aber einer von uns hat keine Lebensversicherung."

Gertrud Reiners, Spaziergängerin

Van Haut weiß genau, wo die Schwalm im See entlang fließt und wo das Eis deshalb dünner ist. "Gestern hat sich sogar ein riesiger Riss gebildet", erzählt Christel van Haut. "Das war ein richtiges Getöse, ein Krachen und Donnern, und dann war der Riss da."

Vorne am Inselschlösschen tummelt sich noch die Familie Westhues aus Dülken. "Wir sind eigentlich regelmäßig hier, auch im Sommer", erzählt Mutter Maggie. Melina und Marcus, acht und neun Jahre alt, können sich aber nicht erinnern, den See schon einmal zugefroren gesehen zu haben. Vater Michael hilft Marcus auf die Sprünge: "Auf der anderen Seite vom See, da warst Du schon einmal drauf, das ist aber auch schon vier oder fünf Jahre her."

Melina nimmt Anlauf und landet nach einigen Metern auf dem Hosenboden. Aber es hat nicht weh getan. Zumindest merkt sie nichts. Denn für Tränen ist das schöne Wetter viel zu schade.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer