Auf der Autobahn 52 trainieren deutsche und niederländische Rettungskräfte den Ernstfall. Nicht alles läuft reibungslos.

Rettungskräfte aus Deutschland und den Niederlanden arbeiteten zusammen.
Rettungskräfte aus Deutschland und den Niederlanden arbeiteten zusammen.

Rettungskräfte aus Deutschland und den Niederlanden arbeiteten zusammen.

Heike Ahlen

Rettungskräfte aus Deutschland und den Niederlanden arbeiteten zusammen.

Grenzland. Es ist das, wovon die Wehrleute hoffen, dass es niemals passiert: Auf der Autobahn Richtung Roermond, kurz hinter der Grenze, rast ein Auto in die Mittelleitplanke aus Beton. Danach geschehen zwei Folgeunfälle. Einmal sind drei, einmal zwei Wagen beteiligt. Ein Auto liegt auf dem Dach, eins auf der Seite. Dieses Szenario haben sich die Übungsleiter der Roermonder Feuerwehr ausgedacht, um erstmals gemeinsam mit den deutschen Kollegen zu üben. Denn in diesem Bereich gilt zwischen den Ausfahrten Elmpt und Roermond: Im Falle eines Unfalls sollen Rettungskräfte von beiden Seiten aus helfen.

Dienstagabend, 19 Uhr: Die Übungsleiter bauen das Szenario auf. Die ersten Schauspieler treffen ein. Nell, Martine und Paul mimen mit drei anderen die Verletzten. Auch zwei "Dummies", lebensgroße Puppen, kommen zum Einsatz. Eine stellt ein Kind dar, das nicht angeschnallt ist und mit dem Kopf die Windschutzscheibe durchschlägt und dort stecken bleibt. Hier werden die Retter am Ende den "Tod" feststellen müssen.

19.15 Uhr: Die Roermonder Wehr wird alarmiert. Zeitgleich sollte auch die Leitstelle Viersen den Löschzug Elmpt in Marsch setzen. Aber hier hat es ein Missverständnis gegeben, erzählt Übungsleiter Harry Terpelle, als man sich wundert, dass die Elmpter auch zwölf Minuten nach der Alarmierung noch nicht da sind, während die ersten Roermonder Wehrleute sich schon einen Überblick verschaffen.

Dann kommen die deutschen Feuerwehrleute. "Wir machen die zwei hier, die Holländer vorn", hallt es über die Straße. Lichtmasten werden ausgefahren, die Arbeit beginnt. "Die Kompetenzen sind gut aufgeteilt, es ist sinnvoll, Abschnitte zu bilden, dabei die zusammenarbeiten zu lassen, die eingespielt sind", sagt Niederkrüchtens Wehrführer Rudi Mooren.

Zu "Opfer" Nell dringen die Retter schnell vor, sind einfach nur bei ihr, denn es wird dauern, das Auto zu zerlegen, um sie zu befreien. Martine ist bewusstlos, der Rettungsdienst hat entschieden, dass sie zuerst geborgen werden soll. Man kommt kaum ran, das Auto liegt auf der Seite, sie unten drin. Ein Hubschrauber wird geordert. Im Auto, das auf dem Dach liegt, stöhnt der Verletzte: "Mein Bruder, mein Bruder."

Die Einsatzleiter Peter Seelen und Rainer Monnix besprechen die Lage - sechs Verletzte, ein totes Kind, ein Vermisster, eben jener Bruder, das ist die Situation gegen 19.50 Uhr. Trotzdem dauert es weitere zehn Minuten, bis ein niederländischer Feuerwehrmann den Dummie im Straßengraben entdeckt. Der "Bruder" wurde aus dem Wagen geschleudert und ist "tot".

Diesen Kritikpunkt notieren die Beobachter ganz oben auf ihrer Liste. Dass ein Opfer erst eine Dreiviertelstunde nach Alarmierung entdeckt wird, ist nicht hinnehmbar.

20.08 Uhr: Die Elmpter sind zu Martine vorgedrungen, können sie bergen. Jetzt geht es auch bei Nell weiter. Hier kommt das Ked-System zum Einsatz, eine Art Rettungskorsett. Es dient dazu, einen Verletzten mit Rückenbeschwerden mit der Drehleiter aus dem Fahrzeug zu bergen. Viele Niederländer, die schon fertig sind, schauen interessiert zu. "Wir haben das System zwar auch, bergen aber nicht mit dem Kran."

21.20 Uhr: Die Opfer sind auf dem Weg nach Hause, die Scherben zusammengefegt, die Schrott-Autos verladen. Die Wehrleute treffen sich zur Manöverkritik. Wichtigster Punkt: das viel zu spät entdeckte Opfer.

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