Mahnmal: 14 Männer aus Roermond wurden 1944 bei Elmpt erschossen. Niederländer und Deutsche erinnern gemeinsam.

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Der Niederkrüchtener Bürgermeister Herbert Winzen (r.) und sein Stellvertreter Willi Küppers erinnerten am Mahnmal Lüsekamp an die 14 Männer, die 1944 von der Wehrmacht erschossen wurden.

Der Niederkrüchtener Bürgermeister Herbert Winzen (r.) und sein Stellvertreter Willi Küppers erinnerten am Mahnmal Lüsekamp an die 14 Männer, die 1944 von der Wehrmacht erschossen wurden.

Ahlen

Der Niederkrüchtener Bürgermeister Herbert Winzen (r.) und sein Stellvertreter Willi Küppers erinnerten am Mahnmal Lüsekamp an die 14 Männer, die 1944 von der Wehrmacht erschossen wurden.

Elmpt/Roermond. Es ist kalt im Lüsekamp. Der gefrorene Boden knirscht unter den Stiefeln der Menschen. Viele von ihnen sind von Roermond aus zu Fuß hierher gelaufen. Schweigend und in Gedanken.

Sie sind damit den Weg nachgegangen, den Weihnachten vor 64 Jahren 14 Männer aus Roermond gehen mussten, im Rücken die Gewehre der deutschen Wehrmacht. Sie mussten Schaufeln tragen und wussten genau, dass sie am nächsten Morgen die Sonne nicht mehr aufgehen sehen würden.

"Wir stehen hier als Europäer, als Mitglieder einer Familie."

Henk van Beers, Bürgermeister Roermond

Weil sich diese Jungen und Männer, der jüngste 16, der älteste 48 Jahre alt, der Zwangsarbeit widersetzt hatten, statuierten die deutschen Soldaten an ihnen ein Exempel. Sie mussten sich in dieser eisigen Dezembernacht ihre eigenen Gräber schaufeln und wurden erschossen, ohne Gericht, ohne Urteil.

Vier Tage später, am 30. Dezember 1944, mussten rund 3000 Roermonder den Weg nach Deutschland in die Zwangsarbeit antreten. Viele von ihnen kehrten nie zurück.

Zum zwölften Mal haben sich nun Niederländer und Deutsche am Mahnmal im Lüsekamp, im Niemandsland, getroffen, um der Opfer jener Dezembertage gemeinsam zu gedenken. Die Menschen suchen noch immer nach Worten, sich selbst und den anderen das Unbegreifliche begreifbar zu machen. Sie sprechen Niederländisch, Deutsch, Limburgisch und Platt. Jeder bemüht sich um die Sprache des anderen, um die gemeinsame Basis, die alle verstehen.

"Die Opfer von Krieg und Gewalt haben uns nach wie vor etwas zu sagen. Das können sie jedoch nur tun, wenn wir ihnen zuhören. Wenn die persönliche Erinnerung verblasst, brauchen wir ein öffentliches Gedenken an das, was geschehen ist", sagt Niederkrüchtens Bürgermeister Herbert Winzen in seiner Gedenkrede.

Sein Roermonder Kollege Henk van Beers betonte, dass Erinnerung immer ein Moment der Besinnung sei. "Wir stehen hier nicht als Limburger, Niederländer oder Deutsche, sondern als Europäer, als Mitglieder einer Familie."

Viel Nachdenklichkeit brachte Pierre Bakkes mit, der aus seinem eigenen Leben - er hat das Kriegsende als Vierjähriger im niederländischen Sittard erlebt - und dem Leben des Roermonder Dichters Jan Bremmers berichtete. Bremmers selbst war sonst immer Teilnehmer des Gedenkens, er starb in diesem Frühjahr.

Seine Gedichte beschäftigen sich mit dem Krieg und der Vergebung. Vergebung für die, die ihm Fürchterliches antaten. Vergebung, die er lernen musste, um seinen eigenen Frieden zu finden.

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