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Das Baugerüst ist auf den Schulhof gekippt. Glück im Unglück: Verletzt wurde niemand.

Das Baugerüst ist auf den Schulhof gekippt. Glück im Unglück: Verletzt wurde niemand.

Heike Ahlen

Das Baugerüst ist auf den Schulhof gekippt. Glück im Unglück: Verletzt wurde niemand.

Dülken. Freitag, 11.26 Uhr. Mit einem lauten Krachen und Knirschen stürzt das Baugerüst, das die Paul-Weyers-Schule seit Anfang Januar umgibt, ein. An der Grundschule werden die Fassade und das Dach mit Mitteln aus dem Konjunkturpaket II saniert. Eine Minute nach dem Unglück ist die Feuerwehr zur Stelle. Hausmeister Klaus Peeren hat sie alarmiert, noch bevor das Unglück geschehen war - denn er hat es im wahrsten Sinne des Wortes kommen sehen.

Etwa zwanzig nach elf: Peeren holt die grauen Müllcontainer von der Straße zurück, denn die Müllabfuhr war da. Aus dem Augenwinkel nimmt er wahr, dass irgendetwas am Gerüst anders ist als in den letzten sieben Wochen, seit es da steht. "Es schwankte oben hin und her", hat er beobachtet. In Sekundenbruchteilen erfasst er, dass es gefährlich ist. Zuerst versucht er, die Gerüstbaufirma zu erreichen. Aber deren Monteure sind in Düsseldorf, können nichts ausrichten.

Peeren gibt Rektor Karl-Heinz Jacobs Bescheid. Der beginnt mit seinen Kollegen, die 290 Schüler zu evakuieren. Vor dem Tor stehen schon erste Eltern, die ihre Sprösslinge abholen wollen, denn für viele ist um 11.30 Uhr Schulschluss. Die anderen wären dann in die Pause gegangen - auf den Schulhof, wo nun das Gerüst liegt.

Im Fallen hat es die Bäume, die dort stehen, regelrecht geköpft. Bretter und Stangen sind in die Kronen geschlagen, die Äste heruntergebrochen. Niemand wagt, sich vorzustellen, was mit den Kindern hätte passieren können. Als das Gerüst einstürzt, sind die Kinder schon aus ihren Klassenräumen hinaus in den Flur gegangen. Selbst wenn Gerüstteile durch die Fenster geschlagen wären, hätten sie niemanden mehr treffen können.

Auch im Flur läuft alles wie am Schnürchen. Viele Male haben die Kinder eine Evakuierung geübt. Sie reagieren auf Klatschsignale, sind mucksmäuschenstill, lassen sich dann von ihren Lehrern durch den Hinterausgang hinausbringen. Keine Arbeit mehr für die Feuerwehr. "Das wäre sicher eine der schwersten Aufgaben für uns gewesen, die Kinder da alle zu evakuieren", sagt Wehrchef Frank Kersbaum später. "Das Krisenmanagement hat gut geklappt", fügt er hinzu.

"Das war kein kleiner Betriebsunfall", macht Bürgermeister Günter Thönnessen deutlich, dass allen die Tragweite des Unglücks bewusst ist. "Es ist unstrittig, dass so etwas nicht passieren darf." Was passiert ist, hat sich bei der ersten Begehung mit der Berufsgenossenschaft herausgestellt: Die Haken, mit denen das Gerüst in der Fassade verankert ist, haben sich aus den Verdübelungen gelöst. Unklar ist allerdings noch, ob sie unsachgemäß befestigt wurden oder ob es sich um ein tragisches Unglück gehandelt hat.

Am Montag wird an der Paul-Weyers-Schule kein Unterricht stattfinden. Erst wenn Gebäudemanagement und Berufsgenossenschaft die Sicherheit des Gerüsts, das im Laufe des Wochenendes ab- und teilweise wieder aufgebaut werden soll, abgenommen haben, dürfen die Kinder wieder hinein. "Die Sicherheit geht vor", sagt Thönnessen.

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