Alfred Josef Antonius Haurand, kurz Ali, hat alle Hände voll zu tun: Das nächste Festival will vorbereitet sein.

Ali Haurand und sein Instrument. Der Bass wird mit einem Violinenöl gepflegt.
Ali Haurand und sein Instrument. Der Bass wird mit einem Violinenöl gepflegt.

Ali Haurand und sein Instrument. Der Bass wird mit einem Violinenöl gepflegt.

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Ali Haurand und sein Instrument. Der Bass wird mit einem Violinenöl gepflegt.

Viersen. Das Telefon klingelt. "Nein, ist gut, wir können noch mal drüber sprechen." Der Mann am Hörer, in Jeans und dunklem Shirt, macht sich fleißig Notizen. Kaum hat er aufgelegt, geht die Bimmelei schon wieder los. Ein erneutes kurzes Gespräch folgt.

Aber dann: "Alle wollen beim Viersener Jazz Festival dabei sein. Die Anfragen gehen in die Hunderte. Aber dafür reicht der Platz beileibe nicht", sagt Ali Haurand und lacht.

Der "Ali aus Viersen", der nicht nur die künstlerischen Fäden für das örtliche Jazz-Ereignis in den Händen hält und die Düsseldorfer Jazz Rallye mit ihren 90 Gruppen als künstlerische Leiter managt, sondern der auch selbst einer der ganz großen Bass-Musiker in der Jazz-Welt ist.

"Der Name Ali Haurand verbindet sich mit zahlreichen Gruppen, Projekten und internationalen Tourneebesetzungen. Als Bassist und Bandleader, als unermüdlicher Initiator und Inspirator hat der aus Viersen stammende Jazzmusiker auf sich aufmerksam gemacht", heißt es in einem bekannten Internet-Lexikon.

Und das trifft den Nagel auf den Kopf. Dabei kam Alfred Josef Antonius Haurand, wie er mit vollen Namen heißt, erst spät zur Musik. "Ich war 15 Jahre alt, als meine Freunde anfingen Dixieland zu spielen.

Für Ali Haurand heißt es wieder Koffer packen: Anfang Februar ist er in Wiesbaden, Passau, Linz und Wien zu hören. Danach wird in Österreich eine neue CD aufgenommen, bevor es wieder nach Viersen geht. Dann stehen Konzerte in Japan an. Für das Jazz Festival, 19. bis 21.September, hat Haurand schon einige Größen gebucht. So werden unter anderem der gebürtige Viersener Till Brönner und Uri Caine zu hören sein.

In der "Zwiebel", dem einzigen Jazzclub in Dülken, stand hinter der Türe ein alter Bass mit drei Seiten. Den habe ich mir genommen und daran gezupft", erinnert sich Haurand.

Es folgte Musikunterricht und etwas später die Aufnahmeprüfung für die Musikhochschule in Essen. Dort ging es klassisch zu und erst durch einen Zufall entdeckte Haurand den Jazz für sich.

"Ich traf amerikanische Musiker, die nicht nur nach Noten spielten, sondern improvisierten. Ich war fasziniert. Der Jazz hatte mich gepackt. Er ist eine Musik, die eine wahnsinnige Toleranz hat. Er geht über Religionen und Hautfarben hinweg und schafft Verbindungen", schwärmt der 65-Jährige.

Haurand gründete 1967 den VHS-Jazz-Club im Viersener Festhallenkeller. Schon zwei Jahre später folgte das europäische Jazz Festival in Viersen. Doch dann sollte es für Viersen etwas ruhiger werden, bis 1987 das erste Jazz Festival startete und eine Dauereinrichtung wurde.

Untrennbar mit Haurand ist das European Jazz Ensemble verknüpft, das er 1976 ins Leben rief. Tourneen durch die ganze Welt ("Ich war in über 63 Ländern"), über 60 Platten- und CD-Aufnahmen: Der Name Ali Haurand hat Musikgeschichte mitgeschrieben und schreibt sie noch.

Denn er ist immer noch auf Tour und das seit 40 Jahren mit ein und demselben Bass. Ein Instrument aus Südfrankreich, das liebevoll mit Violinenöl gepflegt wird, wie Haurand berichtet.

Das Tour-Leben hat aber auch seine Schattenseiten. So war Haurand 1989 in Vancouver und erfuhr zehn Minuten vor seinem Auftritt, dass seine Mutter Luise gestorben war.

"Es kam ein Mann und rief ,Fax-message from germany for Mr. Haurand. Your mother died’", erinnert sich Haurand. Er wollte nicht spielen, aber er hat gespielt - und zwar für seine Mutter.

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