Ein Praxistest des Kreissportbundes offenbart alarmierende Zahlen im Kreis Viersen.

28 Prozent der Zweitklässler an Viersener Schulen können nicht schwimmen.  Archiv
28 Prozent der Zweitklässler an Viersener Schulen können nicht schwimmen. Archiv

28 Prozent der Zweitklässler an Viersener Schulen können nicht schwimmen. Archiv

Ahlen

28 Prozent der Zweitklässler an Viersener Schulen können nicht schwimmen. Archiv

Kreis Viersen. Die Stadt Viersen ist trauriger Spitzenreiter bei den Nichtschwimmern in zweiten Schulklassen. Der Kreissportbund hat im Frühjahr einen Sporttest durchgeführt. „24 Grundschulen des Kreises mit 1100 Zweitklässlern haben acht Übungen zu ihren motorischen Fähigkeiten gemacht. Zugleich wurde die Schwimmfähigkeit abgefragt“, sagte Gregor Krolewski von der Nachwuchsförderung des Kreissportbunds. „Ich finde 28 Prozent Nichtschwimmerquote im Kreis noch zu hoch.“ Ursachenforschung habe man beim Kreissportbund nicht betrieben, aber im Zweifelsfall sei das auch ein politisches Argument, wenn es einmal wieder um Bäderschließungen gehe.

In der Stadt Viersen gibt es die meisten jungen Nichtschwimmer

Beispiel Brüggen: Die Ergebnisse dieses Sporttests hat die Gemeinde Brüggen zum Anlass genommen, an ihren Grundschulen nachzufragen. An der Gemeinschaftsgrundschule Brüggen würden gut 58 Prozent der Erstklässler im Schwimmerbecken untergehen, an der Katholischen Grundschule in Bracht sind es 40 Prozent. In der Burggemeinde können gut 25 Prozent der Zweitklässler nicht schwimmen. Das bestätigt auch die Nachfrage bei den Schulen. Durch den konsequenten Schwimmunterricht sinkt in den dritten und vierten Klassen die Nichtschwimmerquote deutlich: Born gab für die Viertklässler fünf Prozent Nichtschwimmer an, für Bracht sind es zehn Prozent, für die Gemeinschaftsgrundschule Brüggen acht Prozent.

„Man hat den Eindruck, dass weniger Kinder als früher schwimmen können, wenn sie zu uns kommen. Früher brachten viele Eltern ihren Kindern das Schwimmen vorher bei“, sagt Heinz Houbertz, Leiter der Katholischen Grundschule Bracht. Schwimmen bedeute Aufwand. Möglicherweise könnten viele berufstätige Eltern das heute nicht mehr leisten, mutmaßt Houbertz. Brüggen habe das Glück, zwei Hallenbäder zu haben. Allerdings sind auch in Brüggen die Wartezeiten für Schwimmkurse lang. Das bestätigt auch Andrea Rißdorf vom DLRG Brüggen-Bracht. „Die Bewegungsfähigkeit der Kinder hat insgesamt abgenommen“, sagt Claudia Nölkes, Leiterin der Katholischen Grundschule in Born. Seitdem der Einschulungsstichtag auf den 30. September verlegt wurde, würden die Kinder oft sehr jung eingeschult.

Schulleiter: „Schwimmunterricht ist die härteste Arbeit“

Alle drei Grundschulen in Brüggen setzen vier Jahre lang durchgängig Schwimmen auf den Stundenplan, in der Regel alle 14 Tage. Die Lehrer können Abzeichen wie Seepferdchen abnehmen. „Wir haben zum Glück keine weiten Wege. Das ist toll in Brüggen“, sagt Nölkes. Noch besser haben es die Brachter. In ihrem Schulzentrum befindet sich ein Hallenbad. Das jedoch war 2015 nicht nutzbar. „Der Betrieb soll jetzt wieder anlaufen“, sagt Heinz Houbertz.

Beispiel Nettetal: Auch dort steht Schwimmen regelmäßig auf dem Stundenplan. „Wir haben in Breyell das Glück, noch das Lehrschwimmbecken nutzen zu können“, sagt Horst Gerlach, Leiter der Gemeinschaftsgrundschule. Schwimmunterricht sei die härteste Arbeit. Durch die Flüchtlingskinder, die Schwimmen selten kennen würden, würde die hohe Zahl der Nichtschwimmer weiter steigen. Doch Gerlach hat Grund, optimistisch zu sein: Nach vier Jahren Grundschule könnten alle seine Schüler schwimmen.

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