Die Mehrheit der Nettetaler Ratsmitglieder sieht durch das geplante Wertstoff- und Logistikzentrum Risiken für eine Vermarktung des Geländes.

Die Mehrheit der Nettetaler Ratsmitglieder sieht durch das geplante Wertstoff- und Logistikzentrum Risiken für eine Vermarktung des Geländes.
Zahlreiche Besucher kamen zur Sitzung im Lobbericher Rathaus.

Zahlreiche Besucher kamen zur Sitzung im Lobbericher Rathaus.

Franz-Heinrich Busch

Zahlreiche Besucher kamen zur Sitzung im Lobbericher Rathaus.

Nettetal. Bekannt war es im Vorfeld, nun ist es offiziell: Die Stadt Nettetal trägt den Bau des Wertstoff- und Logistikzentrums (WLZ) auf dem Venete-Areal in Kaldenkirchen nicht mehr mit. In der Ratssitzung stimmte die Mehrheit der Mitglieder für eine Neubewertung der Ansiedlung. „Wir sorgen uns um einen unbelasteten Neustart für die Vermarktung des Geländes“, sagte Bürgermeister Christian Wagner (CDU).

CDU-Ratsherr Jürgen Boyxen verteidigte die gerade in den sozialen Medien kritisierte Kehrtwende der Politik. „Die Bedenken gegen das WLZ kommen nicht nur aus Teilen, sondern aus der gesamten Bevölkerung. Daran kann man als Politiker nicht vorbeigehen“, sagte er: „Warum soll man denn nicht einsichtig werden?“

Guido Gahlings von den Grünen sagte: „Die Sorgen der Bürgerinitiative sind in weiten Teilen berechtigt.“ Seine Partei empfinde die Kehrtwende aber als „nicht ehrlich und wahrhaftig“. „Die Vorlage weckt Hoffnungen, das WLZ sei abzuwenden“, sagte er, obwohl es dafür keine realistischen Ansatzpunkte gebe.

AfD-Politiker Manfred Schmitz kündigte an, „alles zu tun, um die Müllumlade-Station zu verhindern“.

Landrat Coenen teilt die Bedenken der Nettetaler Politiker nicht

Einzig die WiN- und die FDP-Fraktionen schlossen sich dem Votum nicht gänzlich an. Hajo Siemes (WiN) sah nach eigener Aussage „keine wesentlichen Veränderungen der Ausgangslage“. Die Neubewertung sei eine „Volksveräppelung“, sagte er. „Sie dient der Gesichtswahrung.“ Denn rechtlich liege die Entscheidung zum Bau jetzt nur noch beim Kreis Viersen. „Man muss davon ausgehen, dass das WLZ kommen wird“, sagte Siemes.

Hans-Willy Troost (FDP) erklärte, dass laut Expertenmeinung die Anwohner keine Nachteile im Bereich Lärm, Geruch, Feinstaub und Verkehr zu befürchten hätten. Nachteilige Vermarktungschancen seien bei potenziellen Investoren zu Venete nicht geäußert worden. „Wir bitten Sie, Herr Bürgermeister, beenden Sie die Geisterfahrt gegen das WLZ“, sagte Troost.

Claus Albrecht, Sprecher der Bürgerinitiative „Venete – so nicht“, äußerte sich verhalten zum Ausgang der Ratssitzung. „Es gab nicht viel Neues“, sagte er: „Wir haben es wohlwollend zur Kenntnis genommen und werden weitermachen.“ Besprechen will die Initiative nun die Antwort des Landrats Andreas Coenen (CDU) auf ihren offenen Brief vom 7. Dezember. „Wir finden es positiv, dass er so kurzfristig reagiert hat“, sagte Albrecht: „Aber ich glaube, dass nicht alle Fragen beantwortet sind, gerade hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit und des Bio-Abfalls.“

In seinem Antwortschreiben kündigt Coenen auch einen baldigen weiteren Verkauf auf dem Venete-Areal an. Zudem schreibt er, dass mit der Entscheidung zur Ansiedlung des WLZ die Anzahl der Interessenten für Grundstücke nicht zurückgegangen. „Im Gegenteil, aktuell liegen mehrere Anfragen vor, ein größerer Teil der Flächen ist sogar reserviert. In naher Zukunft wird es sogar zu einem weiteren Verkauf kommen“, schreibt Coenen.

Damit teilt nicht er die Bedenken der Nettetaler Politiker, die befürchten, dass sich die Müllumladestation negativ auf die Vermarktung des Geländes auswirkt. Deshalb hatten sie für die Neubewertung der WLZ-Ansiedlung gestimmt.

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