Politik: Der Landratskandidat der SPD ist vorzeitig aus dem Urlaub zurückgekehrt. Die Staatsanwaltschaft Krefeld ermittelt gegen den Rechtsanwalt wegen Untreue.

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Auf den Homepages der SPD Tönisvorst und des Kreises ist die Werbung für den Landratskandidaten Lothar Vauth schon zurückgefahren worden. In der St. Töniser Geschäftsstelle hängt das Plakat noch im Fenster.

Auf den Homepages der SPD Tönisvorst und des Kreises ist die Werbung für den Landratskandidaten Lothar Vauth schon zurückgefahren worden. In der St. Töniser Geschäftsstelle hängt das Plakat noch im Fenster.

Auf den Homepages der SPD Tönisvorst und des Kreises ist die Werbung für den Landratskandidaten Lothar Vauth schon zurückgefahren worden. In der St. Töniser Geschäftsstelle hängt das Plakat noch im Fenster.

Kreis Viersen. Silberne Klebestreifen kaschieren seinen Namen: Auf allen Schildern und Tafeln am Bürogebäude der Krefelder Kanzlei, für die er fast 15 Jahre tätig war, ist der Name Lothar Vauth am Wochenende überklebt worden. Gegen den Rechtsanwalt hat die Krefelder Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen Untreue eingeleitet; die Kanzlei trennte sich wegen dieser Vorwürfe von Vauth.

Auch seine Partei hat reagiert. Nachdem die Ermittlungen gegen Vauth am Freitag bekannt geworden waren, hat die SPD das aggressive Online-Werben für ihren Landratskandidaten gestoppt.

"Lothar Vauth macht einen Eindruck, der erwarten lässt, dass er mit der Situation fertig wird."

Uwe Leuchtenberg, SPD-Landtagsabgeordneter

Auf der Homepage der Tönisvorster Sozialdemokraten ist das Wahlplakat mit dem Slogan "Den Menschen verpflichtet" verschwunden. Wer seit Samstag versucht, die Seite www.landrat2009.lothar-vauth.de anzuklicken, bekommt nur noch den Hinweis: "Vorübergehend nicht erreichbar".

Auf den Seiten der SPD im Kreis Viersen werben Chef Udo Schiefner und die Landtagsabgeordneten Uwe Leuchtenberg und Monika Ruff-Händelkes nun alleine. Das Vauth-Banner ist durch den Hinweis auf die "Norwegisch-Deutsche Willy-Brandt-Stiftung" ausgetauscht worden.

Vauth, Rechtsanwalt, Chef der Tönisvorster SPD, stellvertretender Kreisvorsitzender, Landratskandidat für seine Partei, außerdem Vorsitzender des Deutschen Roten Kreuzes in Tönisvorst - er war das Gesprächsthema des Wochenendes.

Ehepaar Vauth kehrt eher aus dem Ägyptenurlaub zurück

Vor gut einer Woche waren Vauth und seine Frau Jessica nach Ägypten gereist, um sich von den Anstrengungen der Sessionswochen zu erholen, in denen beide als Tönisvorster Prinzenpaar allgegenwärtig waren. Das Ehepaar hat den Urlaub vorzeitig beendet und ist wieder in der Stadt. Auf die Bitte der WZ um Rückruf reagierten die Vauths aber nicht.

"Wir haben Kontakt", sagt Udo Schiefner, Kreisvorsitzender der SPD. Man werde jetzt die entsprechenden Gespräche führen; für heute wird eine Erklärung von Lothar Vauth zu den Vorwürfen erwartet. Erwartet wird, dass Vauth von seiner Kandidatur für das Landratsamt zurücktritt. "Vauth war jahrzehntelang führend in der SPD. Er wird politischen Schaden von der Partei abwenden", so Schiefner.

Am Dienstag tagt die SPD-Fraktion Tönisvorst zum Thema Haushalt

Ob Lothar Vauth auch in Tönisvorst politisch kürzer tritt, wird abzuwarten sein. Als Fraktionsvorsitzender hätte er schon Dienstagabend einen Pflichttermin: Dann ist SPD-Fraktionssitzung, an der Kämmerin Nicole Wassen teilnehmen wird. Der Entwurf der Haushaltssatzung für 2009 steht an.

"Meine persönliche Betroffenheit ist noch da", sagt Landtagsabgeordneter Uwe Leuchtenberg, wie Vauth Spitzenmann der Tönisvorster Sozialdemokraten, auch zwei Tage nach Bekanntwerden der Vorwürfe gegen seinen Parteigenossen. In der jetzigen Situation gelte es, die Person Lothar Vauth und die SPD zu schützen. Es stünden viele Vorwürfe im Raum, aber "Gott sei Dank" keine, die die Politik beträfen, so Leuchtenberg. Er selber werde sich in der Bewertung der Vorwürfe zurückhalten. "Ich traue mir nicht zu, diese komplizierten Sachverhalte zu bewerten." Auf die Frage, welchen Eindruck Lothar Vauth zurzeit auf ihn mache, sagte Leuchtenberg: "Einen Eindruck, der erwarten lässt, dass er mit der Situation fertig wird."

"Ich habe bisher keine Informationen und hatte auch noch keinen Kontakt zu Lothar Vauth", sagte Hans Joachim Kremser, stellvertretender SPD-Ortsvereinsvorsitzender am Sonntagnachmittag. Die Vorwürfe gegen Vauth seien eine "rein privatrechtliche Geschichte". Die Partei warte nun seine Erklärung ab. "Lothar hat das erste Wort. Erst danach können wir reagieren."

Auch für Lukas Siebenkotten, Fraktionsvorsitzender der SPD im Kreistag und langjähriger Kollege Vauths in der Krefelder Rechtsanwaltskanzlei, gilt die Unschuldsvermutung. "Eine schnelle Aufklärung ist jetzt wichtig, für ihn und für die Partei."

"Ich war erschrocken, als ich das gelesen habe. Das kam aus heiterem Himmel", sagte Tönisvorsts Bürgermeister Albert Schwarz. Mehr wolle er angesichts des laufenden Verfahrens aber nicht sagen.

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