Die neue Vikarin in St. Tönis heißt Anne Wellmann. Sie kommt mit Freund, Dackel – und Krokodil.

Die neue Wirkungsstätte von Anne Wellmann: Sonntag hält sie ihren ersten Gottesdienst in der Christuskirche.
Die neue Wirkungsstätte von Anne Wellmann: Sonntag hält sie ihren ersten Gottesdienst in der Christuskirche.

Die neue Wirkungsstätte von Anne Wellmann: Sonntag hält sie ihren ersten Gottesdienst in der Christuskirche.

Lübke

Die neue Wirkungsstätte von Anne Wellmann: Sonntag hält sie ihren ersten Gottesdienst in der Christuskirche.

St. Tönis. Karl heißt der kleine Rauhaardackel von Anne Wellmann. Karl? „Ja, nach Karl Barth“, sagt die 26-Jährige. „Das ist mein Lieblingstheologe.“ Das Wirken des Schweizers (1886 bis 1968) begleitet sie schon lange. Sie habe sich an ihm orientiert, aber auch an seinen Auffassungen gerieben. Mit dem vierbeinigen Karl wird sie vermutlich bald auf den Straßen von St. Tönis unterwegs sein: Anne Wellmann ist die neue Vikarin in der evangelischen Gemeinde.

Am kommenden Sonntag hält sie ihren ersten Gottesdienst in der Christuskirche. Ihr Vikariat hat sie bereits vor drei Monaten angetreten. Doch zunächst ging es in die Grundschule: An der Grundschule „Hülser Straße“ hat sie Religion unterrichtet. Sechs Stunden pro Woche hat sie jeweils hospitiert und sechs Stunden alleine unterrichtet.

„Ich habe gelernt, die komplexe Sprache an der Uni theologisch ganz einfach zu formulieren.“

Anne Wellmann hat schon erste Erfahrungen mit Grundschülern gesammelt

„Es hat viel Spaß gemacht“, sagt Wellmann. Allerdings: „Zu Beginn habe ich ein wenig damit gehadert. Ich war gerade durchs Ziel gelaufen, hatte mein Studium abgeschlossen und dann sollte ich einen Arbeitsbereich übernehmen, den ich noch nie gemacht hatte.“

Inzwischen aber ist sie froh, dass sie ihr Vikariat in der Grundschule begann. So fühlt sie sich in St. Tönis bereits ein Stück weit zuhause; die Kinder kennen sie. Und, fügt Wellmann hinzu: „Ich habe gelernt, die komplexe Sprache an der Universität theologisch ganz einfach zu formulieren. Jetzt bin ich bereit für alles andere.“ Sie hat dabei zudem gelernt, direkt zu formulieren und Prioritäten zu setzen, klar und deutlich auch mal „Nein“ zu sagen. „Kinder machen es einem leicht“, so die Vikarin, „sie sagen, was sie wollen.“ Unterstützt wurde sie auch von Klaus, dem Krokodil. Diese Handpuppe hat die Moerserin in ihrer Heimatgemeinde zum Abschied bekommen.

Als Jugendliche hat sie dort auch gerne eine Puppe im Umgang mit Kindern genutzt. Und in ihrer Heimatgemeinde Moers liegt auch der Grund, warum Wellmann Pfarrerin werden will. „Wir hatten eine wunderbare Jugendarbeit“, erklärt sie. „So bin ich nach der Konfirmation in die Gemeindearbeit hineingewachsen.“

Im Vikariat befinden sich evangelische Theologen in der praktischen Ausbildung. Diese folgt nach dem ersten Examen.

Am Sonntag, 10 Uhr, wird es im Gottesdienst in der Christuskirche um die beiden Gleichnisse zum Reich Gottes gehen – den Schatz im Acker und von der Perle.

Studiert hat Anne Wellmann in Münster, Bonn und Wuppertal. „Ich habe in Münster auch als Assistentin in der evangelischen Studierendengemeinde gearbeitet. Aber ich hatte nie wirklich Anschluss an eine Gemeinde. Danach habe ich mich immer gesehnt.“

Jetzt ist sie bei ihrer Mentorin Pfarrerin Daniela Büscher-Bruch auch wieder in einer Gemeinde mit einer aktiven Jugendarbeit angekommen und kann mitgestalten. „Ich freue mich aber auch auf alles andere“, sagt Wellmann. „Seniorenarbeit zum Beispiel konnte ich früher als Jugendliche nie machen, denn vormittags hatte ich ja Schule.“ Zudem wird sie weiterhin zwei Stunden Religion unterrichten.

In zwei Wochen zieht sie von Moers nach St. Tönis – mit ihrem Freund und ihrem kleinen Hund. Passend zum Vikariat hat ihr Freund zum Wintersemester einen Studienplatz in Wirtschaftsingenieurwesen an der Hochschule Niederrhein bekommen. Sie wohnen dann gegenüber dem Gemeindehaus. „Ein ganz neues Gefühl, dass ich dann keine lange Anfahrt mehr habe“, sagt Anne Wellmann.

Der Talar ist ein Erbstück

Jetzt freut sie sich auf Sonntag. „Die Predigt soll so frei sein, wie es geht“, meint sie. Es ist jedoch nicht ihre erste Predigt. Ab dem sechsten Semester dürfen die Theologiestudenten auch bereits in Talar predigen, wenn ein Pfarrer oder eine Pfarrerin dabei sind. Wellmanns Talar ist etwas ganz besonderes. Er stammt von der Mutter ihrer besten Freundin. Diese war ebenfalls Pfarrerin, starb aber bereits vor vielen Jahren. „Meine Freundin wollte, dass ich ihn bekomme“, sagt die junge Vikarin. „Es ist ein wunderbares Erbstück.“ Red

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