Zwei Autos blockieren die Zufahrt zum Betrieb am Maysweg. Wer dort Eigentümer ist, ist völlig unklar.

Damals war die Welt noch in Ordnung: Stephan Bextermöller und Günter Stammes 2011 bei der Übergabe der Druckerei (oben). Diese wird seit Montag durch zwei Autos blockiert (unten).
Damals war die Welt noch in Ordnung: Stephan Bextermöller und Günter Stammes 2011 bei der Übergabe der Druckerei (oben). Diese wird seit Montag durch zwei Autos blockiert (unten).

Damals war die Welt noch in Ordnung: Stephan Bextermöller und Günter Stammes 2011 bei der Übergabe der Druckerei (oben). Diese wird seit Montag durch zwei Autos blockiert (unten).

Damals war die Welt noch in Ordnung: Stephan Bextermöller und Günter Stammes 2011 bei der Übergabe der Druckerei (oben). Diese wird seit Montag durch zwei Autos blockiert (unten).

Lübke; WZ-Archiv, Bild 1 von 2

Damals war die Welt noch in Ordnung: Stephan Bextermöller und Günter Stammes 2011 bei der Übergabe der Druckerei (oben). Diese wird seit Montag durch zwei Autos blockiert (unten).

St. Tönis. Ende 2011 sah alles nach eitel Sonnenschein aus: „Die Nachfolge ist geregelt“, jubelte damals Günter Stammes, nachdem er die 1956 von seinem Vater Norbert gegründete Druckerei an Stephan Bextermöller übergeben hatte. Der Mann aus Pulheim pachtete das Unternehmen für fünf Jahre, Stammes blieb mit Beratervertrag an Bord. Sogar Fachzeitschriften von IHK und Handwerk berichteten damals über diese vorbildliche Übergabe. Heute steht fest: Das Ganze war ein Rohrkrepierer – und hat das Zeug zu einem Wirtschaftskrimi.

Ein Krefelder soll die Immobilie gekauft haben

Seit Montag blockieren zwei Autos – ein BMW und ein Smart, der gestern durch einen Corsa ersetzt wurde – die Zufahrt zum Druckerei-Gelände am Maysweg. Fahrzeuge können nicht durch, Papierlieferungen müssen mühsam auf einem Handwagen von der Straße aus hereingeholt werden. Zu dieser Blockade hat sich bisher niemand bekannt. Einen konkreten Verdacht hat Stephan Bextermöller, der schon seinen Anwalt alarmiert hat, allerdings.

Günter Stammes hat die Immobilie nämlich nach eigenem Bekunden an einen Krefelder Textilkaufmann verkauft. Der handelt mit Motorradkleidung und soll in einem Gespräch mit Bextermöller mit Kontakten zum Rockerclub „Hells Angels“ gedroht haben. „Meine Mitarbeiter und ich leben seitdem in Angst“, sagt Bextermöller.

Der Käufer aus Krefeld hat gestern durch seinen Rechtsanwalt per Fax an Bextermöller eine Frist zur Herausgabe der Druckerei-Räume bis zum 17. April gesetzt. In einem ähnlichen Schreiben vom 11. März wurde die Räumung bis zum 25. März gefordert. Gleichzeitig werden nun Geldforderungen erhoben: „Da Sie sich mit der Herausgabe im Verzug befinden, sind Sie verpflichtet, unserem Mandanten die Kosten für die Inanspruchnahme zu erstatten“, heißt es in dem Fax. 4045 Euro müssten bis zum 17. April auf ein Treuhandkonto überwiesen werden sowie weitere 3570 Euro als Pacht für den Monat März.

Ebenfalls gestern traf eine Rechnung der „Norbert Stammes KG“ in der Druckerei am Maysweg ein. Darin wird für den Monat April die Pacht in Höhe von 3570 Euro plus Nebenkosten in Höhe von 357 Euro eingefordert. All diese Dokumente liegen der WZ vor.

„An wen soll ich denn nun zahlen, wer ist Eigentümer?“, fragt sich Bextermöller. Bis heute habe er keinen Grundbuch-Eintrag gesehen, wonach die Immobilie tatsächlich an den Krefelder verkauft worden sei. Und sollte dies wirklich so sein: Er habe einen gültigen Pachtvertrag bis zum 30. September 2016 mit der Option auf Verlängerung.

Das bestreitet der Rechtsanwalt des Krefelders: Die Norbert Stammes KG sei nie berechtigt gewesen, mit Bextermöller einen Pachtvertrag abzuschließen. Grund: Die Immobilie habe nicht ihr, sondern Günter Stammes und dessen (mittlerweile verstorbenen) Mutter gehört.

Günter Stammes nennt das im Gespräch mit der WZ einen „Streit unter Juristen“: Er selbst habe keinen Unterschied zwischen der von ihm geführten KG und seiner eigenen Person gesehen. Auch in den Streit zwischen dem Krefelder und Bextermöller wolle er sich nicht einmischen. Dem Pulheimer wirft er aber vor, den Zahlungsverpflichtungen für Pacht und Nebenkosten schon lange nicht mehr nachzukommen. Er habe den Pachtvertrag daher zum 30. September 2016 gekündigt.

Stephan Bextermöller weist dies zurück: Er habe die Pacht für die Räume und die Druckmaschinen, die er übernommen hatte, anfangs regelmäßig gezahlt. Dann aber gab es Streit: Stammes habe die Größe der Räume von Anfang an falsch berechnet, die Pacht sei zu hoch gewesen. Auch habe der St. Töniser eine an ihn verpachtete Druckmaschine verkauft, die Pacht aber nicht gesenkt. „Das hat man auch nicht von mir verlangt“, sagte Stammes der WZ dazu.

Eine weitere Maschine, so Bextermöller, sei von Anfang an defekt gewesen. Und Stammes habe teils auf eigene Rechnung gearbeitet. Insgesamt erhebt er Forderungen in Höhe von knapp 50 000 Euro gegen Stammes. Daher zahle er seit dem Vorjahr die Pacht für die Maschinen nicht mehr. Den 2011 abgeschlossenen Beratervertrag hatte er schon im Vorjahr gekündigt.

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