80 Jahre alt ist die Firma Peeren aus St. Tönis. Mittlerweile wird der Familienbetrieb in der dritten Generation geführt.

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So sah das 1976 aus: Josef Peeren (links) und Ehefrau Anne während der Eröffnung nach dem Umbau und der Erweiterung.

So sah das 1976 aus: Josef Peeren (links) und Ehefrau Anne während der Eröffnung nach dem Umbau und der Erweiterung.

privat

So sah das 1976 aus: Josef Peeren (links) und Ehefrau Anne während der Eröffnung nach dem Umbau und der Erweiterung.

St. Tönis. Josef Peeren ist ein lebendes Beispiel. In perfekt sitzendem Anzug, Hemd und Krawatte, korrekt gescheiteltem Haar und glänzenden Schuhen verkörpert er den Typus Mann, den er als Herrenausstatter jahrzehntelang bedient hat. In diesem Jahr ist das Geschäft 80 geworden.

1930 gründete sein Vater Josef Peeren die Herren- und Damen-Maßschneiderei mit Sitz an der Vorster Straße 59. Daran erinnert eine gerahmte Eröffnungsanzeige vom 15. März 1930.

Im Jahr 1933 wurde sein Sohn geboren und ebenfalls Josef getauft. "Mein Vater bekommt noch heute Post mit "Josef Peeren Junior", sagt der heutige Inhaber, Ulrich Peeren, lächelnd.

Im Krieg die Bomber über der Stadt beobachtet

Josef Junior erinnert sich an das Ladenlokal an der Hülser Straße 17. "Da haben wir Hausnummer 19 gewohnt. Im Krieg habe er am Dach gestanden, die Flieger über der Schulstraße gesehen. "Am nächsten Tag waren drei Häuser weg und unsere Fensterscheiben kaputt."

Er selbst hat nach dem Krieg ebenfalls Maßschneider gelernt und das Geschäft im Jahr 1967 als 37-Jähriger übernommen. 1972 erfolgte der Umzug in das Ladenlokal an der Krefelder Straße, das damals erst halb so groß war wie heute.

In den 70-er Jahren spielten die Energiekosten kaum eine Rolle

"Wir haben uns gehalten", sagt Josef Peeren Junior stolz. "Während in Krefeld die Herrenausstatter reihenweise zumachen."

Ulrich Peeren begründet den Erfolg in dem Wandel, den er vollzogen hat und in der günstigen Kostenstruktur. "Wir sind rein Inhaber-geführt, haben kein teures Personal, meine Mutter macht die Deko, das Ladenlokal ist Eigentum."

1976 wurde es umgebaut. Fotos von der Eröffnungsfeier zeigen Josef Junior mit der damals aktuellen Prinz Eisenherz-Frisur. Seine Frau Anne als zierliche blonde Schönheit mit einem Tablett voller Sektgläser. "Die Lampen!", sinniert Ulrich Peeren. 400 Watt habe jeder der Deckenleuchter gezogen. "Damals hat man sich um Energieverbrauch noch keine Gedanken gemacht."

Der Wandel von der Maßschneiderei zum Herrenausstatter vollzog sich langsam. "Der Vorteil", sagt Josef Peeren: "Ich konnte die Qualität der Anzüge mit einem Griff beurteilen."

Entsprechend konnte er auch argumentieren, denn er vertrat die Firma Dressler ("die beste Deutsche") so erfolgreich, dass der Firmeninhaber ihm höchstselbst einen Besuch abstattete, weil er sehen wollte, wer es im kleinen St. Tönis zu solchen Umsatzzahlen brachte. "Dressler braucht 300 Arbeitsschritte, die anderen 150" - das sei einer der wesentlichen Merkmale der Qualitätsarbeit. "Der Anzug ist aber auch 200 Euro teurer als andere Markenanzüge."

Sohn Ulrich steht für den Wandel. Im Geschäft wird auch andere hochwertige Herrenkleidung verkauft. "Der Anzug ist leider rückläufig." Habe vor ein paar Jahren beispielsweise noch jeder Bankmitarbeiter Anzug getragen, sei das heute nur noch im Management Pflicht. Lässigere Kleidung sei salonfähig geworden.

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