Das Junge Theater "Kaschlupp!" aus Detmold zeigte das Stück "Tschick" in St. Tönis.

Szene aus „Tschick“ auf der Bühne des Schulzentrums.
Szene aus „Tschick“ auf der Bühne des Schulzentrums.

Szene aus „Tschick“ auf der Bühne des Schulzentrums.

Georg Salzburg

Szene aus „Tschick“ auf der Bühne des Schulzentrums.

St. Tönis. Maik, über beide Ohren verliebt, schüchtern, ein wenig linkisch, noch weniger selbstbewusst, ein von Klassenkameraden gemiedener Langweiler: Maik bekommt von seinem Familien- und Alltagsleben die Stirn geboten. Seine Mutter ist alkoholkrank, die Ehe der Eltern zerrüttet, der Vater am Sohn desinteressiert. Maik, 14, ein Junge aus Berlin, hat’s nicht leicht.

Alle Michael-Ende-Schüler aus Stufe 8 kennen Maik. Aus „Tschick“, einem Roman von Wolfgang Herrndorf, den sie als Ganzschrift im Deutschunterricht gelesen haben. Aus dem gleichnamigen Film, in dem Tristan Göbel 2016 den Außenseiter mimte.

Und nun also live, lebendig, direkt vor der eigenen Nase, zum Greifen nah – Maik, gespielt von Thomas Ehrlichmann vom Jungen Theater „Kaschlupp!“, der Kinder- und Jugendbühne des Landestheaters Detmold.

Es muss an diesem Vormittag im Forum des Schulzentrums auf die Schüler so wirken, als sei der problembeladenen Protagonist aus der Lektüre gestiegen, um hier, in St. Tönis, allen endlich seine Geschichte erzählen zu können.

Das Gastspiel des Ensembles ist eine ebenso geglückte wie gewollte Ergänzung zum aktuellen Unterrichtsblock der Stufe. Lehrerin Julia Faßbender und ihre Kollegen freuen sich, dass „den Schülern vor Ort ein kulturelles Erlebnis“ eröffnet werden kann. „Tschick“ greife die Probleme und Gedanken junger Menschen auf. Der Roman sei gleichermaßen auf das Interesse von Jungen und Mädchen getroffen. Motiviert und kreativ seien die Themen aus der Erlebniswelt der Jugendlichen besprochen worden.

Dass die Detmolder wieder ein Gastspiel in St. Tönis gaben, ist dem Stadtkulturbund zu verdanken. Er hat die Kontakte und die Theateraufführung finanziell mit unterstützt.

Die Umsetzung kam bei den Schülern gut an. Sie quittierten die Idee, Maiks Eltern als hochgehaltene Portrait–Fotos auftauchen und abgehen zu lassen, hörbar anerkennend, reagierten amüsiert auf Tschicks russischen Akzent, den Neuen in der Klasse (gespielt von Adrian Thomser) oder auf die quirlige Wenja Imlau (später in die Rolle der Isa). Als die beiden Außenseiter das Sofa kippen, um in dem „geliehenen“ Auto durch die deutsche Provinz zu fahren, werden die Michael-Ende-Schüler zu Beifahrern im Gefühl von Freiheit und der Sehnsucht nach Abenteuer.

Tschick und Maik werden die Achtklässler nach dem Wochenende in der nächsten Deutschstunde wieder begegnen. Dann allerdings wieder nur zwischen den Zeilen. Ree

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