Reimer Martens vom Naturschutzbund (l.) und Yossouf Charaf haben am Donnerstag die Saat für eine blühende Wiese an der Kirche St. Cornelius in St. Tönis verteilt. Schon in 14 Tagen sollen die ersten Blüten zu sehen sein.
Reimer Martens vom Naturschutzbund (l.) und Yossouf Charaf haben am Donnerstag die Saat für eine blühende Wiese an der Kirche St. Cornelius in St. Tönis verteilt. Schon in 14 Tagen sollen die ersten Blüten zu sehen sein.

Reimer Martens vom Naturschutzbund (l.) und Yossouf Charaf haben am Donnerstag die Saat für eine blühende Wiese an der Kirche St. Cornelius in St. Tönis verteilt. Schon in 14 Tagen sollen die ersten Blüten zu sehen sein.

Friedhelm Reimann

Reimer Martens vom Naturschutzbund (l.) und Yossouf Charaf haben am Donnerstag die Saat für eine blühende Wiese an der Kirche St. Cornelius in St. Tönis verteilt. Schon in 14 Tagen sollen die ersten Blüten zu sehen sein.

St. Tönis. Gut ein Kilogramm Samen ist entlang des Kirchenschiffs von St. Cornelius in St. Tönis gesät worden. Auf einer Fläche von circa 300 Quadratmetern soll eine wilde Blumenwiese entstehen. Die Notwendigkeit dafür steht für Reimer Martens vom Naturschutzbund (Nabu) außer Frage: „80 Prozent der Insektenpopulation in unserer Region gibt es nicht mehr. Wir wollen Wildbienen und Schmetterlingen Nahrung bieten“, sagt Martens, der auch als Landschaftswächter in Tönisvorst aktiv ist.

Insektenschwund ist auch in ländlichen Regionen massiv

Der Naturfreund verweist auf die erschreckende Studie des Krefelder Entomologischen Vereins, die Anfang letzten Jahres veröffentlicht wurde und bundesweit für Aufsehen sorgte. Demnach ist ein unheimlicher Insektenschwund auch in den Naturschutzgebieten der Region zu verzeichnen. Ohne Fluginsekten gerate die gesamte Nahrungskette in Gefahr, Blumen und Bäume würden nicht mehr bestäubt und Vögeln und Fledermäusen fehle die Nahrung, so die Studie. „Es gibt bei uns zwar viel Grün, aber zu wenig Blüten“, unterstreicht Martens. Ein Hauptproblem sei das „Sommerloch“. „Da fehlt es den Bienen einfach an Nektar.“ Dabei sei es so einfach, die summenden Zeitgenossen zu unterstützen. Die jetzt entstehende Blumenwiese an der Kirche könne auch Anwohner ermutigen, auf blühende Flächen in den eigenen Gärten zu setzen. „Die Fläche dafür vorzubereiten ist überhaupt nicht schwer. Sie fräsen einmal und lockern ein bisschen auf“, sagt Martens. Bei der Wahl der Samen rät er von den kleinen Päckchen aus dem Supermarkt ab. „Da wissen Sie nie, was wirklich drin ist, wie alt die Samen sind oder woher sie kommen.“ Besser sei es, sich etwa im Raiffeisen-Markt beraten zu lassen. Auch die Nabu-Ortsgruppe berate Interessierte gerne. Die Nabu-Gruppe hat am Donnerstag eine extra zusammengestellte Samen-Spezialmischung auf der langgezogenen Fläche entlang des Kirchenschiffs verteilt. „Da es zurzeit warm und feucht ist, könnte schon in zehn bis 14 Tagen etwas zu sehen sein“, sagt Martens.

Die Wiese soll Startschuss-Wirkung zeigen

In welchem Maße Insekten angezogen werden, sei in der heutigen Zeit schwer zu sagen. Die ersten Effekte müssten die St. Töniser aber schon in zwei Wochen erleben können: „So eine Wiese ist natürlich auch was fürs Auge und die Nase“, sagt Martens. Ganz wichtig sei dem Naturschutzbund, mit dieser Aktion zu zeigen, wie es funktionieren kann, innerorts eine Blumenwiese zu etablieren. Die Zusammenarbeit mit der Kirche sei ein Glücksfall für die Naturschützer. Pfarrer Ludwig Kamm habe das Gelände zur Verfügung gestellt. „Es ist wie ein Startschuss für uns, weil es sonst kaum Blumenwiesen in St. Tönis gibt“, sagt Reimer Martens.

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