Die Wohnungsgenossenschaft Tönisvorst rüstet sich für das Älterwerden der Gesellschaft.

AWG-Mieterin Nicole Hausmann freut sich über das neue Bad.
AWG-Mieterin Nicole Hausmann freut sich über das neue Bad.

AWG-Mieterin Nicole Hausmann freut sich über das neue Bad.

Diese Häuser am Corneliusplatz in St. Tönis sollen demnächst komplett renoviert werden.

Walter Schöler ist Vorstand der AWG Tönisvorst.

Kurt Lübke, Bild 1 von 3

AWG-Mieterin Nicole Hausmann freut sich über das neue Bad.

Tönisvorst. Die Zahlen sind ebenso bekannt wie alarmierend: Die Einwohnerzahl wird zurückgehen, in 20 Jahren werden 30 Prozent der Tönisvorster 65 Jahre und älter sein. Gleichzeitig steigt mit der Lebenserwartung auch die Zahl der pflegebedürftigen Menschen – und zwar drastisch. „Wir müssen uns auf den demografischen Wandel einstellen. Deshalb haben wir einen Handlungsrahmen erarbeitet“, sagt Walter Schöler, Vorstandsvorsitzender der Allgemeinen Wohnungsgenossenschaft Tönisvorst (AWG).

Schon bei der Modernisierung auf Barrierearmut achten

Den Bestand an Wohnraum fit machen – das hat sich die AWG auf die Fahne geschrieben. Dabei sind die Ziele der Genossenschaft durchaus hochgesteckt: 25 Prozent aller Wohnungen sollen barrierearm und zehn Prozent barrierefrei gestaltet werden. Was konkret bedeutet: Von 460 Wohnungen wären 115 barrierearm, 46 ganz ohne Hindernisse.

„Wir haben bereits damit begonnen, bei ganz normalen Renovierungen Wohnungen umzubauen, so dass sie seniorengerecht werden“, sagt Schöler. Und nennt ein Beispiel: Wenn im Zuge von Modernisierung etwa ein Bad erneuert wird, achtet die AWG darauf, dass eine ebenerdige Duschtasse eingebaut wird. Oder sie plant breitere Türen, damit Rollatoren und Rollstühle Platz haben. An vielen Stellen müssen auch die berühmten drei Eingangsstufen überbrückt werden, für Behinderte oft ebenso Gräuel wie Ärgernis. Deshalb wurden an den Häusern Corneliusplatz 62, 64 und 65 Rollstuhllifte eingebaut.

„Eine wirkliche Leerstandsquote haben wir nicht. Die Mieter-Fluktuation liegt bei neun Prozent.“
Klaus Müller, Geschäftsführer der AWG Tönisvorst

Gleichzeitig versucht man, Wohnungen attraktiver zu machen: Wo immer es möglich ist, werden Balkone angebaut – für viele potenzielle Mieter ein Muss. Eine größere Investition hat die AWG an der Willicher Straße vor. Dort entsteht ein zweigeschossiges Haus, in dem vier Parteien auf je 80 Quadratmeter wohnen können. Hier investiert die Genossenschaft mehrere hunderttausend Euro.

Auch der Mieter-Mix muss stimmen

Dass die Tönisvorster erfolgreich arbeiten, daran kann’s keinen Zweifel geben. „Eine wirkliche Leerstands-Quote haben wir nicht. Die Mieter-Fluktuation liegt bei neun Prozent“, sagt AWG-Geschäftsführer Klaus Müller. Er macht gleichzeitig darauf aufmerksam, dass das auch mit einem gewissen Risiko behaftet sein könnte. „Es kann dann schneller vorkommen, dass gleichzeitig mehrere Mieter ausziehen“, sagt Müller. Um dagegen zu steuern, müsse man sehr darauf achten, dass der Mieter-Mix stimme.

Um Barrierefreiheit bzw. -armut herzustellen, will die AWG noch mehr in die Ausstattung ihrer Wohnungen investieren. Für 250 Wohneinheiten schätzt die Genossenschaft den zusätzlichen Bedarf auf drei Millionen Euro für die nächsten 30 Jahre. Das entspricht einer jährlichen Investition von 100 000 Euro.

Im Sinne der Mieterbindung denkt die AWG auch darüber nach, vor Ort – etwa in größeren Objekten – eine Anlauf- und Kontaktstelle einzurichten. Wie das genau aussehen soll, ist noch nicht klar. Sie könnte beispielsweise bei einem Hausmeisterpaar angesiedelt sein, das Nebentätigkeiten wahrnimmt.

Bei allem Willen der AWG oder auch anderen Vermietern zum barrierearmen Umbau. In einem Punkt sind die Mieter gefordert. „Auch wenn’s dann vielleicht unbequem ist. Aber wenn im dritten Stock kein Aufzug vorhanden ist, muss die 80-jährige Mieterin dann eben auch bereit sein, ins Erdgeschoss zu ziehen“, sagt Walter Schöler.

Aufsichtsrat und Vorstand sollen den Handlungsrahmen verabschieden, der sich auf die demografische Entwicklung bezieht. Bereits im Wirtschaftsplan 2014 sollen erste Mittel bewilligt werden.

Der Geschäftsführer macht auf einen weiteren Sektor aufmerksam, dem sich die AWG verstärkt widmen will: der Ausbau von Dachgeschosswohnungen. „Wir denken an jüngere Leute, die dort einziehen könnten“, erklärt Müller. Umgesetzt wurden bereits Projekte in Kirchenfeld, Krähenfeld sowie an Elsternweg und Corneliusstraße. „Aber das ist teuer“, sagt Müller.

Stolz sind die AWGler darauf, dass viel Geld zurück in den Kreislauf geht. Wie viel reinvestiert wird, macht Müller unter anderem an folgender Zahl fest: Rund vier Monatsmieten gehen durchschnittlich in den Bestand. Jährlich gibt die AWG für Modernisierung, Instandsetzung und Reparaturen etwa 600 000 Euro aus.

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