Nachbarn hatten sich immer wieder beschwert. Hat die Methode Erfolg, werden die Kunststoffbälle auch in anderen Anlagen eingesetzt.

Nachbarn hatten sich immer wieder beschwert. Hat die Methode Erfolg, werden die Kunststoffbälle auch in anderen Anlagen eingesetzt.
Zwei Becken der Kläranlage sehen aus wie ein Bällebad. Die Kunststoffkugeln sollen verhindern, dass es dort weiter stinkt.

Zwei Becken der Kläranlage sehen aus wie ein Bällebad. Die Kunststoffkugeln sollen verhindern, dass es dort weiter stinkt.

Niersverband

Zwei Becken der Kläranlage sehen aus wie ein Bällebad. Die Kunststoffkugeln sollen verhindern, dass es dort weiter stinkt.

Viersen. Zwei Becken der Kläranlage Dülken sehen aus wie ein riesiges, schwarzes Bällebad. Kein Versehen: Die 33 000 Kunststoff-Kugeln sollen dem Niersverband dabei helfen, ein anrüchiges Problem in den Griff zu bekommen. „Seit mehreren Jahren gibt es immer wieder Beschwerden, insbesondere von Anwohnern an der Boisheimer Straße, über unangenehme Gerüche“, erläutert Ulrich Otto, Leiter der Abteilung Abwasser beim Niersverband. Besonders bei hohen Temperauren stinkt es den Anwohnern.

„Eine solche schwimmende Abdeckung ist Neuland für den Verband. Wir haben uns dies bei zwei Industrieanlagen angesehen und waren überzeugt. Wenn es in Dülken funktioniert, dann könnte dies auch ein Vorbild für andere Kläranlagen sein“, sagt Otto. „Auf die Ergebnisse sind wir sehr gespannt“, ergänzt Ole Kopplow, Fachbereichsleiter für den Betrieb der Kläranlagen.

Die Kosten für den Versuch betragen 45 000 Euro

Die Vorteile: Die Bälle sind billig und können einfach verwendet werden. Die Kläranlage Dülken musste nur mit Gittern nachgerüstet werden, damit die Bälle, deren Durchmesser vier Zentimeter beträgt, nicht durch das System sausen. Der Kostenpunkt für das Experiment: 45 000 Euro.

Dass Kunststoffbälle Gestank bannen können, liegt an der Oberflächenverdunstung. Eine Flüssigkeit, etwa in einem Klärbecken, verdunstet an warmen Tagen. Wird die Fläche verringert, kann auch weniger Flüssigkeit verdunsten. Die Folge: Der Geruch wird reduziert. Und das ist die Aufgabe der Bälle: Sie verringern die Oberfläche.

TÜV-Gutachter bestätigten das Geruchsproblem

Dass es in der Kläranlage Dülken ein Geruchsproblem gibt, hat ein Gutachten des TÜV bestätigt. „Wir haben die Grenzwerte – als die Tage, an denen Emissionen auftraten – knapp überschritten. Wir mussten also handeln“, erläutert Otto. Dabei gehe es nicht um einen bestimmten Stoff, der für Belästigungen sorge. Entscheidend sei die Anzahl der Tage gewesen, an denen üble Gerüche auftraten.

Um die Beschwerden zu überprüfen, hat der TÜV selbst Schnüffler zur Kläranlage nach Dülken geschickt: Die Probanden bestätigten das Problem. In dem Gutachten wurden dem Verband Maßnahmen vorgeschlagen, um die Gerüche einzudämmen. „Endgültig lösen wird sich das Geruchsproblem aber erst durch bauliche Maßnahmen“, erklärt der Abteilungsleiter.

Diese sind langfristig geplant, doch einen genauen Zeitplan gibt es zurzeit noch nicht. Das Problem: Dabei muss die Anlage zeitweise stillgelegt werden, um die Becken mit einer neuen Beschichtung zu versehen. Für die Baumaßnahmen wird der Niersverband voraussichtlich zwei Millionen Euro investieren.

Doch solange muss er noch mehr unternehmen, um das Problem zu lösen: Zeitweise kann die Vorklärung oder die Sandfangbelüftung außer Betrieb genommen werden – insbesondere an heißen Tagen. Außerdem plant der Niersverband laut Sprecherin Margit Heinz „die Abdichtung besonders anrüchiger Kanaldeckel im Umfeld der Kläranlage“.

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