Die Arbeit ist seit der Flüchtlingskrise auch für die Tafeln im Kreis Viersen schwieriger geworden.

Die Arbeit ist seit der Flüchtlingskrise auch für die Tafeln im Kreis Viersen schwieriger geworden.
Bei der Brüggener Tafel – hier Mitarbeiterin Susanne Nagy – werden mittlerweile Abholzeiten vergeben.

Bei der Brüggener Tafel – hier Mitarbeiterin Susanne Nagy – werden mittlerweile Abholzeiten vergeben.

Knappe

Bei der Brüggener Tafel – hier Mitarbeiterin Susanne Nagy – werden mittlerweile Abholzeiten vergeben.

Kreis Viersen. Salat, Bananen, manchmal auch Milch oder Wurst gehen über die Theke der Brüggener Tafel. Nicht immer verläuft es reibungslos: „Hiesige Bedürftige fielen damals weg, es wurde sehr eng“, erinnert sich Vorsitzender Michael Köller-Thomas an die Zeit vor rund drei Jahren, als zum ersten Mal viele Flüchtlinge zur Tafel kamen. „Die Menschen hatten Angst.“ Im Januar hatte die Essener Tafel einen Aufnahmestopp für ausländische Bedürftige verkündet. Diesen will sie zwar nun aufheben – die Debatte hat aber die Aufmerksamkeit vieler Menschen auf die Tafeln in eigenen Städten und Kommunen gelenkt. In Brüggen ließen sich Gedrängel und Unruhen durch die Vergabe von Nummern mit Abholzeiten vermeiden. Außerdem machte das Gebäude mit zwei Eingängen getrennte Wartebereiche möglich. So erfolgt die Ausgabe auch heute – und es klappt. „Es ist natürlich eine andere Größenordnung“, sagt Köller-Thomas und tut sich bei einem Vergleich mit der Essener Tafel schwer.

„Das schadet den Tafeln und das schadet den Menschen.“

Ursula Schneider, Vorsitzende der Nettetaler Tafel, zum Essener Aufnahmestopp für Migranten

Bernd Zenner, Vorsitzender der Tafel Schwalmtal, sieht es ähnlich. Aber: „Man darf den Fehler nicht nur bei den ausländischen Bedürftigen suchen“, sagt Zenner. Etwa eins zu eins ist das Verhältnis der Migranten und deutscher Bedürftiger, die von der Schwalmtaler Tafel unterstützt werden. „Probleme haben wir nie gehabt“, sagt Zenner. Aber das liege auch daran, dass die Kundschaft in der Gemeinde überschaubar ist, gibt er zu. Rund 250 Personen versorgt das ehrenamtliche Team jeden Donnerstag. „Wir haben einen guten Kontakt zu den Ausländern“, sagt Zenner.

„Das schadet den Tafeln, und das schadet den Menschen“, sagt Ursula Schneider, Vorsitzende der Nettetaler Tafel, zum Essener Aufnahmestopp. Im Grunde sei die Versorgung von Flüchtlingen bei der Tafel in Nettetal gut verlaufen. „Aber wir kennen auch die Probleme aus Essen“, sagt Schneider. Einzelne Leute werden manchmal laut und „sind der Meinung, dass sie das Recht haben, als erste etwas zu bekommen“. Genau diesen Leuten klarzumachen, dass „sie sich einen anderen Ton zulegen müssen“, sei wichtig, findet die 70-Jährige. „Aber eine Gruppe auszuschließen, nur weil sich einer nicht benimmt, finde ich nicht richtig.“ Im Gegensatz zu anderen Tafeln in der nahen Umgebung hat die Nettetaler Tafel keine zentrale Ausgabestelle, sondern fährt mit zwei Kühlwagen zu festgelegten Zeiten Haltepunkte an. So werden die Nahrungsmittel an insgesamt etwa 1200 Bedürftige ausgegeben. Schneider: „Auf der Strecke gibt es auch Orte, wo Flüchtlinge untergebracht sind.“ Grund für die mobile Ausgabe ist vor allem die schlechte Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu einzelnen Ortschaften.

System mit Nummernvergabe sorgt für mehr Ruhe

Die Viersener Tafel versorgt auch Bedürftige in Dülken und Süchteln mit Lebensmitteln. Insgesamt 1800 Menschen können für geringes Geld Lebensmittel bekommen. Den Flüchtlingsandrang vor zwei, drei Jahren hat Luzia Witthake, Vorsitzende der Viersener Tafel, als dramatisch empfunden. „Es gab viele Unruhen im Wartebereich.“ Mit einem System aus Nummernvergabe und festgelegten Ausgabezeiten ließ sich die Lage jedoch entschärfen. Senioren über 65 Jahren erhielten eine Karte, mit der sie die Lebensmittel schon vor der offiziellen Ausgabezeit abholen konnten. „Wir haben Plakate mit Abbildungen aufgehangen, um die Leute besser zu verstehen“, berichtet Witthake. „Und wir stellten einen Syrer im Bundesfreiwilligendienst ein, der schon etwas Deutsch konnte.“ Seitdem laufe die Versorgung sehr gut.

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