Die Schulleiter sehen den Anstieg gelassen.

Kreis Viersen. In einer Sonderauswertung hat die Kreispolizei ihre jährliche Statistik auf den „Tatort Schule im Kreis Viersen“ hin analysiert. Darin erfasst sind Vergehen, die in den Schulgebäuden und auf den Schulgeländen stattgefunden haben und der Polizei gemeldet wurden. Auffällig: Nachdem die Gesamtzahl von 2015 auf 2016 um 27 Fälle sank, stieg sie im Jahr 2017 wieder deutlich an – von 408 auf 497. Die Gründe dafür seien vielfältig, sagt Polizeisprecherin Antje Heymanns: „Es kann sich dabei um natürliche statistische Schwankungen oder ein verändertes Anzeigeverhalten handeln.“

Eine Umfrage bei den Schulen in der Region zeigt, dass die Situation trotz der steigenden Deliktzahlen noch nicht alarmiert. „Wenn ein Schüler einen Stift aus dem Federmäppchen eines anderen klaut, landet das natürlich nicht beim Schulleiter“, sagt Heiko Glade, stellvertretender Schulleiter der Gesamtschule Brüggen. Für die Gemeinde zählte die Polizei 2017 ebenso wie für Niederkrüchten insgesamt zwölf Delikte. Damit liegen die Kommunen im Westkreis am niedrigsten.

Es gebe im Schnitt einen Diebstahlsfall im Jahr, den die Schule aber meist innerschulisch regeln könne, sagt Glade. Auch Vandalismus gebe es kaum. „Unsere Schulgebäude sind sehr gepflegt und eigentlich immer in einem Topzustand“, sagt Glade. Dadurch sei die Hemmschwelle, das Gebäude zu beschädigen, für die Schüler größer. Das Schulgelände sei zudem videoüberwacht.

Auch mit Körperverletzung habe die Schule keine Probleme. Der Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“, den die Gesamtschule Brüggen seit einigen Jahren hat, trage dazu bei, dass die Schüler freundlich miteinander umgehen. Dies sei eine sehr gute Präventionsmaßnahme, sagt Glade.

An der Anne-Frank-Gesamtschule Viersen ist es ähnlich. „Kriminalität hält sich bei uns stark in Grenzen“, berichtet Schulleiter Martin Landman. Er sei sich aber bewusst, dass er nicht jede Handlung mitbekommt: „Wir wissen natürlich nicht, wie die Dunkelziffer aussieht.“ Für „Raufereien“ zwischen Schülern gebe es Sozialpädagogen und Beratungslehrkräfte, die schlichten. Landman habe in knapp sechs Jahren als Leiter keine deutliche Entwicklung der Kriminalität erkennen können – weder ins Positive noch ins Negative. Doch durch die technische Entwicklung müsse die Schule Themen wie Cybermobbing mehr Beachtung schenken, meint er. Neben Medien-scouts, die ihre Mitschüler über Probleme mit digitalen Medien informieren, arbeite die Schule mit der Polizei zusammen. In Viersen ist die Gesamtfallzahl in der Statistik am höchsten: 145 im Jahr 2017.

„Auf dem Land ist die Welt noch in Ordnung.“

Dirk Göbels, stellvertretender Schulleiter des Gymnasiums St. Wolfhelm

„Auf dem Land ist die Welt noch in Ordnung“ – so erklärt sich Dirk Göbels, stellvertretender Schulleiter des Gymnasiums St. Wolfhelm in Schwalmtal-Waldniel, die geringe Kriminalität an seiner Schule. „Klar nimmt mal ein Schüler dem anderen das Pausenbrot weg. Aber das ist nichts, was wir nicht intern regeln können“, sagt er. Viele Schüler kämen aus Familien, die in Waldniel die Ruhe suchen und das übertrage sich auch auf die Kinder und Jugendlichen.

Ähnlich sieht es am Werner-Jaeger-Gymnasium in Nettetal-Lobberich aus. „Alle zwei Jahre wird vielleicht mal ein Fahrrad geklaut“, berichtet Schulleiter Hartmut Esser. Auch von Vandalismus bliebe die Schule weitestgehend verschont. In Nettetal gab es 2017 77 Delikte an Schulen.

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