Stadt und Verein gehen an der Berliner Allee in die Bauphase. Beim Material herrscht allerdings Uneinigkeit.

Einigkeit an der Schaufel: Franz-Josef Schmitz (l.) und Bürgermeister Volker Rübo. Beobachtet wurden sie von Vertretern von Stadt und Verein.
Einigkeit an der Schaufel: Franz-Josef Schmitz (l.) und Bürgermeister Volker Rübo. Beobachtet wurden sie von Vertretern von Stadt und Verein.

Einigkeit an der Schaufel: Franz-Josef Schmitz (l.) und Bürgermeister Volker Rübo. Beobachtet wurden sie von Vertretern von Stadt und Verein.

Kurt Lübke

Einigkeit an der Schaufel: Franz-Josef Schmitz (l.) und Bürgermeister Volker Rübo. Beobachtet wurden sie von Vertretern von Stadt und Verein.

Kempen. Was für ein Symbol: Bürgermeister Volker Rübo und SV-Thomasstadt-Legende Franz-Josef „Schmiko“ Schmitz demonstrierten am Mittwoch Nachmittag Geschlossenheit. Beim Fototermin zum Start des Kunstrasen-Baus an der Berliner Allee teilten sie sich eine Schaufel. Und das nach jahrelangen, oft emotionalen Diskussionen um den Kunstrasenplatz. „Auf diesen Tag haben wir lange gewartet. Dass Herr Schmitz und ich nun Seite an Seite beim Start dabei sind, ist schon eine schöne Geschichte“, sagte Rübo. Gemeinsam wollen Stadt und Fußballer das 620 000 Euro teure Projekt nun ins Ziel bringen.

SV-Legende Schmitz warnt vor Verletzungsgefahr

In allen Punkten herrscht zwischen Verwaltung und Sportlern aber keineswegs Einigkeit. Das wurde beim Pressegespräch am Mittwoch deutlich. Vor den anwesenden Journalisten diskutierten die Beteiligten eifrig über die Material-Auswahl. „Wir werden hier einen mit Sand verfüllten Kunstrasenplatz bauen“, erklärte der beauftragte Landschaftsarchitekt Florian Stanka aus Krefeld. Und genau das schmeckt den Fußballern des SV nicht: Diese hätten lieber einen Platz mit Granulat. „Diese Plätze gibt es hier überall in der Region. Ein Platz mit Sand ist meiner Meinung nach zu gefährlich“, warnte „Schmiko“ Schmitz vor Verletzungen.

SV-Geschäftsführerin Michaela Stiels ergänzte, dass der Verein die Spielqualität in Gefahr sieht: „Ich möchte hier noch einmal sagen, dass wir von der Sandlösung nicht überzeugt sind.“ In den Gesprächen mit der Stadt sei deutlich geworden, dass es zum Sand nur die Alternative gebe, „gar keinen Platz zu bauen“.

Stephan Kahl, Technischer Beigeordneter, sah das anders: „Nach einer sachlichen Abwägung mit dem Verein ist es zu dieser Lösung gekommen.“ Für den Sand spricht aus Sicht von Florian Stanka der Westwind. Der habe nämlich auf dem Platz an der Berliner Allee freie Bahn und würde so das Granulat verwehen. Die Folge: höhere Kosten in der Pflege.

Um die Spielqualität des neuen Platzes zu sichern, wird es eine Beregnungsanlage geben. „Diese Kombination mit einem mit Sand verfüllten Platz ist ideal“, so Stanka, der unter anderem in Uerdingen und Hüls Kunstrasenplätze geplant hat – dort allerdings mit Granulat. Bei trockener Witterung müsse der Platz im Spielbetrieb alle 90 Minuten eine Viertelstunde lang gewässert werden – „im Prinzip zwischen den einzelnen Spielen oder in der Halbzeit“, ergänzte Sportamtsleiterin Elfi Böhm.

Ende Oktober soll der Kunstrasen fertig sein

Das Budget von 620 000 Euro wird nach Angaben der Stadt eingehalten. „Wir liegen im Plan“, so Grünflächenamtsleiterin Patricia Schürmann. Vor der Kommunalwahl war die Diskussion aufgekommen, dass das Projekt 50 000 Euro teurer werden könnte. Unter anderem wegen der Flutlichtmasten. „Die Ausschreibungsergebnisse waren aber zufriedenstellend“, sagt Schürmann.

Die Stadt Kempen steuert 470 000 Euro bei. 300 000 Euro davon standen ohnehin im Haushaltsplan, weil beim jetzt abgerissenen Aschenplatz eine Grundsanierung anstand. Der Verein stellt 150 000 Euro bereit. 55 000 Euro davon sind eine sogenannte „Muskelhypothek“. Bedeutet, dass sich die Mitglieder bei Abriss- und Pflasterarbeiten einbringen.

Die neuen Masten sind 16 Meter hoch, die alten maßen nur 13,50 Meter.

Die Ballfangzäune hinter den beiden Toren werden eine Höhe von sechs Metern haben.

Der Kunstrasenbelag kommt von der süddeutschen Firma Polytan, die auch eine Produktionsstätte in Grefrath, Vinkrather Straße, hat.

Den Platz baut die Firma Rathert aus Höxter. Um die Flutlichtanlage kümmert sich die Elektrofirma Horlemann aus Uedem.

In der Diskussion warf Grünflächenamtsleiterin Patricia Schürmann schließlich ein, dass der Sand noch keine endgültige Lösung ist: „Es ist kein Problem, den Platz später auf Granulat umzurüsten.“ Und das will die Stadt auch tun, sollte sich die Sandlösung nicht bewähren. „Wenn die Spielqualität nicht gewährleistet ist, müssen wir über Alternativen nachdenken“, versprach Bürgermeister Rübo. Er sei aber sicher, dass die Verantwortlichen die richtige Entscheidung getroffen haben: „Das wird eine gute Anlage.“

Einig waren sich die Beteiligten darin, dass der Platz so schnell wie möglich fertig werden muss. Vereinsmitglieder haben bereits den Abriss des Aschenplatzes vollendet. Vor dem Abschluss stehen die Arbeiten an der Tragschicht. Es folgen Leitungsgräben für die Entwässerung, die Beregnungsanlage, eine Drainage, neue Ballzäune und Flutlichtmasten. „Die Arbeiten laufen alle parallel und Hand in Hand“, so Florian Stanka. Er rechnet damit, dass der Platz Ende Oktober bespielbar ist.

Das will der Club dann feiern. „Wir lassen unsere Saisoneröffnung jetzt ausfallen“, sagte Vorsitzender Oliver Wolfgart. „Das holen wir dann im Herbst nach.“ Konkrete Pläne gebe es noch nicht. Zum Beispiel sei noch kein attraktiver Gegner für ein Eröffnungsspiel angefragt. „Das machen wir erst dann, wenn ein Termin feststeht.“

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