Heute geht es um das T – wie Tandem. Auf einem solchen ist Josef Kothen (87) regelmäßig unterwegs.

Josef Kothen (vorn) ist häufig mit seinem Sohn Wolfgang auf dem Tandem unterwegs.
Josef Kothen (vorn) ist häufig mit seinem Sohn Wolfgang auf dem Tandem unterwegs.

Josef Kothen (vorn) ist häufig mit seinem Sohn Wolfgang auf dem Tandem unterwegs.

Kurt Lübke

Josef Kothen (vorn) ist häufig mit seinem Sohn Wolfgang auf dem Tandem unterwegs.

Schiefbahn. Ehefrau Gertrud (81) kommt gerade mit ihrem alten Mercedes 190, den sie seit über zwei Jahrzehnten unfallfrei fährt, vom Einkauf zurück. Derweil macht sich Ehemann Josef gerade für einen kleinen Ausflug reisefertig.

Mit einem Mobil der besonderen Art: mit einem roten Tandem, das dem 87-jährigen Senior erlaubt, die Tour vorne als „Kapitän“ der zweiköpfigen Besatzung liegend zu erleben. Hinter ihm sitzt sein Sohn und „Steuermann“ Wolfgang im Sattel. Das Sommer ABC ist bei T angelangt. T wie Tandem, das bei den Kothens aus Schiefbahn seit etwa sieben Jahren hoch im Kurs steht.

Vor sieben Jahren schränkte nämlich eine Augenerkrankung die Beweglichkeit von Josef Kothen ein. Hinzu kam, dass er auch sonst nicht mehr so gut zu Fuß war. Was tun? Schnell war sich der Familienrat einig: Ein Tandem musste her. Die Söhne Wolfgang (53) und Norbert (56) standen als Chauffeur zur Verfügung.

Für 200 Euro wurde ein gebrauchtes Tandem gekauft und die ersten Rundfahrten unternommen. Josef saß hinten, wollte natürlich mehr das Kommando übernehmen. So wie er es jahrzehntelang als Landwirt gewohnt war. Josef Kothen bewirtschaftete nämlich mitten in Schiefbahn einen Hof, war Viehwirt, zuletzt Schweinehalter, baute aber auch Kartoffeln, Rüben und Getreide an.

„Ein super Gerät“, sagte der Senior, als dann vor eineinhalb Jahren für 2 400 Euro das gebrauchte flexible rote Hase-Tandem angeschafft wurde. Fortan war Josef in seinem Element: Er hatte von vorne den besten Überblick, konnte treten, wann er wollte, brauchte es aber nicht.

Das erledigt größtenteils Wolfgang, ein begeisterter Moutainbike-Fahrer, der auch für einige kleine aber sehr nützliche Umbauten sorgte. „Anfangs ist mein Vater einige Male mit den Füßen von den Pedalen abgeruscht“, erzählt der Filius, der an den Pedalen per Klick Mountainbike-Schuhe befestigte, die fortan ein Abrutschen unmöglich machten.

Der Schnitt liegt bei 17 Kilometern in der Stunde

„Nee, die fahren mir zu schnell“, meinte Ehefrau Gertrud auf die Frage, ob sie ihren Mann, mit dem sie seit 1953 verheiratet ist, einmal begleiten wolle. Früher sei man im Freundeskreis oft mit dem Rad unterwegs gewesen, erzählt sie. Dabei betrug bei den Spazierfahrten das Stundenmittel etwas über zehn Kilometer. „Jetzt fahren wir aber im Schnitt 17 km/h“, sagt Josef mit Stolz. Er schwärmt noch von der letzten Tour. Als das Duo eine 37 Kilometer lange Etappe der niederrheinischen Radwanderstrecken abfuhr, von Schiefbahn über Neersen, Neuwerk, Korschenbroich, Büttgen, Kaarst und wieder zurück.

An fast jedem Wochenende wird geradelt. „Ich kenn jetzt alle Bauernhöfe auch in der weiteren Umgebung“, berichtet Wolfgang, der die größeren Touren genau vorbereitet, sich Tage vorher die Wetterprognosen im Internet anschaut. Und sein Vater freut sich jedesmal auf die Fahrten, hat noch den Kommentar einer Kindergruppe im Kopf, als die Zwei zuletzt unterwegs waren: „Guck mal, wie cool die das machen.“

Mit der roten „Luxus-Limo“ sind die Kothens bislang unfallsfrei unterwegs gewesen. Und Josef hat noch einen Wunsch: „Ich möchte mit dem Tandem mal die Ahr entlang fahren.“ „Schau´n wir mal“, lässt Wolfgang Zeitpunkt und Dauer der großen Etappe noch offen.

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