Patricia Meyer entschied sich in jungen Jahren für ein Leben im Orden. Bereut hat sie das nie.

Schwester Patricia in ihrer Wohnung am Kempener Möhlenring. Die Ordensfrau lebt seit vielen Jahren am Niederrhein.
Schwester Patricia in ihrer Wohnung am Kempener Möhlenring. Die Ordensfrau lebt seit vielen Jahren am Niederrhein.

Schwester Patricia in ihrer Wohnung am Kempener Möhlenring. Die Ordensfrau lebt seit vielen Jahren am Niederrhein.

Schwester Patricia in ihrer Wohnung am Kempener Möhlenring. Die Ordensfrau lebt seit vielen Jahren am Niederrhein.

Kurt Lübke, Bild 1 von 2

Schwester Patricia in ihrer Wohnung am Kempener Möhlenring. Die Ordensfrau lebt seit vielen Jahren am Niederrhein.

Kempen/Tönisvorst. Im Wohnzimmerschrank von Schwester Patricia Meyer am Kempener Möhlenring steht eine Postkarte mit einem Spruch: „Heiligenschein hatte ich schon – steht mir nicht.“ Schwester Patricia lächelt. Die Karte hat ihr eine gute Bekannte zum 50. Ordensjubiläum in diesem Jahr geschickt. 1962 war die damals 19-Jährige bei den Salvatorianerinnen eingetreten und hatte vier Jahre später die sogenannte Profess auf Lebenszeit abgelegt.

„Ich komme aus einer sehr religiösen Familie“, erzählt die gebürtige Eifelerin, die im Saarland aufgewachsen ist. Das Ordensgelübde umfasst Armut, Keuschheit und Gehorsam. Mit nicht ganz Mitte 20 entschied sie sich damals also für ein Leben ohne Ehemann, ohne Kinder. Für die meisten jungen Menschen im Deutschland des Jahres 2016 dürfte ein solcher Schritt unvorstellbar sein.

Was kann einen Menschen dazu bewegen, freiwillig auf so Vieles zu verzichten? Nicht zuletzt auch auf Liebesbeziehungen mit allem, was dazugehört. „Es war schon immer in mir“, versucht die Ordensfrau eine Erklärung. Sie habe sich von Anfang an von Gott getragen und geführt gefühlt. „Gott liebt bedingungslos. Seine Liebe ist ein Geschenk.“ Sie könne machen, was sie wolle – Gott bleibe ihr immer treu.

Das heißt nicht, dass sie nicht Momente der Verzweiflung, des Verlassenseins kennt. Die Salvatorianerin berichtet von einer besonders schwarzen Stunde, die noch nicht lange zurückliegt. Am Tag nach ihrem Ordensjubiläum musste sie einen ihrer besten Freunde beerdigen. „Das war schrecklich. Ich kannte ihn seit einer Ewigkeit.“ Zwei Stunden lang sei sie auf dem Friedhof herumgegangen und habe immer wieder ein Stoßgebet in die Stille gesprochen: „Gott hilf mir!“ Und sie wurde erhört, davon ist sie fest überzeugt. „Gott hat mir geholfen, denn er gab mir die Kraft, die Beerdigung durchzuführen.“

Patricia Meyer hat das Elend der Welt kennengelernt

Patricia Meyer kennt das Elend der Welt. Sie hat lange in der Abschiebehaft gearbeitet und Menschen beim Sterben begleitet, unter anderem 14 Jahre lang im Rahmen der Krankenhausseelsorge in Lobberich. Als Ansprechpartnerin des Bistums Aachen für soziale Angelegenheiten in Tönisvorst arbeitet sie in der Suppenküche im Marienheim mit und kümmert sich um Flüchtlinge.

Krieg, Krankheit, Armut – wie kann ein liebender Gott das nur zulassen? Natürlich kennt die Ordensfrau diese Frage und kann verstehen, dass sie gestellt wird. Doch sie findet auch, dass Gott es heute nicht schwerer habe, eine Beziehung zu den Menschen zu bekommen, als in früheren, vermeintlich gläubigeren Zeiten. „Die Beziehung hat sich aber verändert. Die Menschen lassen sich nicht mehr von der Kirche einengen.“

Mit einem menschlichen Gegenüber kann man in Kontakt treten (sprechen, mailen, whatsappen etc.). Aber mit einem himmlischen Wesen? Um mit Gott kommunizieren zu können, sei Stille von wesentlicher Bedeutung, sagt Schwester Patricia. „Man muss zur Ruhe kommen.“ Ihr offenes Angebot „Exerzitien im Alltag“ findet daher in einem abgedunkelten Raum statt. Eine Kerze in der Mitte dient als Lichtquelle.

Doch können Gebete einen Partner aus Fleisch und Blut, ja eine eigene Familie ersetzen? Bereut habe sie ihre Entscheidung vor vielen Jahren nie, betont die Kempenerin. Eine „gewisse Traurigkeit“ beim Anblick von Kindern dann und wann könne sie aber nicht leugnen. „Das hätte man ja auch haben können.“ Dafür habe sie engen Kontakt zu ihren Patenkindern, besonders zu ihrer Nichte. „Und Weihnachten verbringe ich mit meinen Mitschwestern im Kloster Neuwerk. Die sind inzwischen meine Familie.“

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