M wie Möhnen heißt es heute in der närrischen Rubrik der Westdeutschen Zeitung.

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Die Feuerwehr übernahm eine der Lkw-Sperren an der Kreuzung St. Töniser Straße/Donkring.

Die Feuerwehr übernahm eine der Lkw-Sperren an der Kreuzung St. Töniser Straße/Donkring.

Kerstin Reemen arbeitet in der WZ-Redaktion Niederrhein in Kempen.

Sabine Hänisch aus Willich war früher Redakteurin bei der WZ.

Kerstin Reemen begleitete Kollegin Hänisch als Möhne „Tring“.

Sabine Hänisch, 1995, als Möhne „Klara“. Archiv-

Friedhelm Reimann, Bild 1 von 5

Die Feuerwehr übernahm eine der Lkw-Sperren an der Kreuzung St. Töniser Straße/Donkring.

M wie Möhnen – an diese Erfahrung erinnern wir uns gut, die Willicherin Sabine Hänisch und ich. Es war Altweiber im Februar 1995, als wir beide, damals Kolleginnen, jung und neugierig, die Mönchengladbacher WZ-Redaktionsräume verließen, um uns unerkannt im Ortsteil Giesenkirchen als „Klara“ und „Tring“ unter die Möhnen zu mischen und das Rathaus zu stürmen.

Über unseren Spaß unter scheußlich-schönen Masken haben wir damals ein Zwiegespräch veröffentlicht. Wir haben beide das Zeitungsoriginal bis heute aufgehoben.

Sabine hatte aus dem Kleiderschrank ihrer Eltern eine komplette Ausrüstung gezogen, mit der ihre Mutter schon 36 Jahre zuvor losgezogen war. Sie trug Hut, ich Kopftuch. Ich hatte eine Maske gekauft, einen langen Rock von meiner Schwester geliehen und von einer Freundin meiner Mutter ein gehäkeltes Jäckchen bekommen. Von einer Figur war bei uns beiden nichts zu erahnen.

Wir sparten damals aber nicht mit gegenseitigen Komplimenten: Ich erklärte Sabine, sie sähe gut aus, ich hätte sie nicht wiedererkannt, wenn wir nicht gemeinsam losgezogen wären. Sie entgegnete, dass sie das von mir nicht sagen könne: „Du sahst dir zumindest im Profil ziemlich ähnlich.“

Amüsiert haben wir uns sehr unter den vielen, vielen Möhnen in Giesenkirchen , die „selten schön, aber gut gelaunt“ waren. An die Maske musste ich mich sehr gewöhnen und an das sehr eingeschränkte Gesichtsfeld. Sabine ist damals auch ständig über irgendetwas gestolpert und angeeckt: „Denkt denn keiner daran, dass Möhnen nur geradeaus schauen können?“

Gesehen haben wir also nicht viel – aber die Männerwelt an jenem Vormittag mit ganz neuen Augen: Egal, wie groß die Nase oder wie zahlreich die Warzen waren, an dem Tag nahm kein Mann Reißaus. Das haben sie auch nicht gewagt, denn es hätte sonst womöglich eins mit dem Besen gegeben. Beim Schunkeln hat man gemerkt, dass die Mannsbilder nicht so locker waren. „Herrlich, die verkniffenen Gesichter. Fast wie unsere“, schrieben wir damals.

Aber nett waren sie zu uns Weibern. Gaben Getränke aus und halfen sogar, die Strohhalme durch die schmalen Mundöffnungen zu bugsieren. Die Erfrischung tat damals gut, denn unter solchen Masken ist es furchtbar warm. Schunkeln, singen, grölen und atmen mitten in der Konfettischlacht ums Rathaus – das war sehr anstrengend.

Eine große Hilfe waren wir unerfahrenen Möhnen der damaligen Prinzessin Helga jedenfalls nicht. Aber den Spaß, den wir hatten, wünschen wir allen, die Jahr für Jahr den Möhnen-Brauch hochhalten oder es auch einmal ausprobieren wollen. Einen Tipp noch: Die Maske besser anbehalten. Jedenfalls nicht ohne eine Make-up-Korrektur das Gesichtsgeheimnis lüften. Ree

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