Die Ermittler haben am Freitag auf der Pressekonferenz Näheres zu den Tatumständen bekannt gegeben. Das Fahrzeug war nicht der entscheidende Hinweis: Die Beamten waren schon vorher Olaf H. auf der Spur. Er hat die Tat gestanden.

Fall Mirco - Pressekonferenz Polizei
Der Leiter der SoKo "Mirco" Ingo Thiel und Staatsanwältin Silke Naumann äußern sich am Freitag (28.01.2011) in Mönchengladbach zur Festnahme eines Tatverdächtigen im Fall des verschwundenen Mirco aus Grefrath.

Der Leiter der SoKo "Mirco" Ingo Thiel und Staatsanwältin Silke Naumann äußern sich am Freitag (28.01.2011) in Mönchengladbach zur Festnahme eines Tatverdächtigen im Fall des verschwundenen Mirco aus Grefrath.

Die "Soko Mirco" war erfolgreich: Mircos Schicksal ist geklärt, der Täter gefasst.

Oliver Berg, Bild 1 von 2

Der Leiter der SoKo "Mirco" Ingo Thiel und Staatsanwältin Silke Naumann äußern sich am Freitag (28.01.2011) in Mönchengladbach zur Festnahme eines Tatverdächtigen im Fall des verschwundenen Mirco aus Grefrath.

Mönchengladbach. Die Ermittler haben am Freitag auf der Pressekonferenz Näheres zu den Tatumständen bekannt gegeben. Fünf Monate haben sie ermittelt, nun haben sie den mutmaßlichen Mörder von Mirco aus Grefrath gefasst.

Ein Zeuge hatte die Mordkommission auf die Spur des mutmaßlichen Täters gebracht. Der Zeuge hatte einen dunklen Kombi gesehen und ein Licht eines Fahrrads, das weggeschoben wurde. Der Täter hatte Mirco zufällig gesehen, ihn angehalten und aufgefordert, sich ins Fahrzeug zu setzen. Der Beobachter habe zunächst nichts dabei gedacht, sich später aber bei der Polizei gemeldet. Der geschockte Junge setzte sich vermutlich ohne Gegenwehr in den Wagen.

Bei Geldern sei er in ein Waldstück gefahren. Dort habe der Täter den Jungen ausgezogen. Die Polizei geht von einem Sexualdelikt aus. Ingo Thiel, Leiter der Sonderkommission: "Er hat den Jungen entführt, er hat den Jungen entkleidet und versucht sexuelle Handlungen an dem Jungen vorzunehmen." Thiel: "Dann wurde ihm klar: Den kannst Du nicht mehr nach Hause lassen."

Die Ermittler vermuten, dass die Tat ein Ventil für beruflichen Stress war

"Es ist vermutlich so gewesen, dass da an diesem Tag eine tickende Zeitbombe unterwegs war." Die Tat habe als Ventil für großen beruflichen Stress gedient. Der Tatverdächtige habe jemanden gebraucht, den er kontrollieren konnte. Zum beruflichen Konflikt, der als Auslöser für die Tat gilt: "Offenbar gab es ein problematisches Verhältnis zum Vorgesetzten." Am Tag der Tat habe ihn sein Vorgesetzter "zusammengefaltet". Daher hat er sich das Kind gesucht. Mirco war ein Zufallsopfer, so die Beamten. Auf dem Rückweg habe er Mircos Kleidung entsorgt.

Der Fundort von Mircos Leiche liegt nördlich der A40. Dort ist Mirco auch getötet worden. Die Leiche des Jungen lag außerhalb des Gebiets, das auch mit Tornados abgesucht wurde.

Ingo Thiel zum mutmaßlichen Täter: "Er gilt in seinem Umfeld als treusorgender Familienvater." Der Tatverdächtige habe sich in seinem Umfeld unauffällig verhalten, aber stets mit seiner Festnahme gerechnet. Morgens um sechs Uhr stand die Polizei am vergangenen Mittwoch mit einem großen Aufgebot vor dem Haus von Olaf H. in Schwalmtal. Seine Familie sei völlig überrascht, er selbst erleichtert gewesen, sagt Thiel. Ohne Widerstand ließ er sich abführen. Er gestand die Tat und führte die Beamten zur Leiche des Jungen.

Es handelt sich bei dem mutmaßlichen Täter um einen 45-jährigen Familienvater. Er lebt in dritter Ehe und hat drei leibliche Kinder (17, 14 und 2 Jahre alt). Olaf H. stammt aus Korschenbroich und lebte lange in Gladbach. Seit 2006 wohnt er in Schwalmtal. Er arbeitet in der Controllingabteilung eines großen Telekommunikationsanbieters. Er ist nicht vorbestraft.

Seiner Frau hatte Olaf H. gesagt, er sei zur Tatzeit mit Kollegen unterwegs gewesen. Sie habe keinen Verdacht geschöpft.

Die Beamten hatten erst Hinweise auf Olaf H. - dann rückte auch sein Auto in den Fokus der Ermittlungen

Der Hinweis auf den dunklen Passat war wichtig für die Aufklärung der Tat. 150000 VW Passat kamen als Tatfahrzeug in Frage. Es war ein Firmenwagen. Der Tatverdächtige hatte nicht aktiv versucht, das Fahrzeug verschwinden zu lassen. Der Leasingvertrag lief aus.  Als die Polizei veröffentlichte, dass das Tatfahrzeug vermutlich ein Passat war, hatte Olaf H. den Wagen schon gar nicht mehr.

Allerdings hatten die Ermittler erst einige Hinweise auf Olaf H. und dann erst haben sie seinen Wagen überprüft. Spuren in dem VW bestätigten die Vermutungen der Polizei. Wie die Ermittler Olaf H. letztendlich als mutmaßlichen Täter ausmachten, will die Polizei aus taktischen Gründen nicht sagen. Nur soviel: "Es waren technische Methoden."

Silke Naumann zur rechtlichen Bewertung: Die Staatsanwaltschaft geht von einem Mord aus. Das Mordmerkmal ist die Absicht der Verdeckung anderer Straftaten. Das Amtsgericht Krefeld hat am Donnerstag Strafbefehl erlassen gegen den Familienvater. Der mutmaßlich Täter habe Reue gezeigt, so Ingo Thiel.

Die Polizei geht nicht davon aus, dass der Täter in der Region zuvor schonmal zugeschlagen hat.

Mirco wird nun obduziert. Zum Zustand des Jungen macht Thiel keine Angaben.

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