Zahlreiche Grefrather gedachten am Sonntag in einem Schweigemarsch des entführten Jungen. Die Polizei geht unterdessen neuen Spuren nach.

Niederrhein. Während etwa 600 Menschen am Sonntag in Grefrath an einem Schweigemarsch für den seit drei Wochen vermissten Mirco teilgenommen haben und sich die Eltern in einem emotionalen Appell an die Entführer gewandt haben, hat die Polizei die Suche mit einer Hundertschaft wieder aufgenommen. Laut Polizei wurde dabei neuen Hinweisen nachgegangen.

Der Schweigemarsch begann am Clubheim eines Sportvereins und führte zur Laurentiuskirche, wo ein Gottesdienst stattfand. Bei einer Kranzniederlegung erklärte Regionaldekan Johannes Quadflieg, in Ruhe solle jeder über die Bedeutung der Verantwortung füreinander nachdenken. Viele Blicke waren auf den Boden gerichtet, einige Teilnehmer tragen Trauer, sind in Schwarz gekleidet.

"Das ist unsere Pflicht als Grefrather, hier teilzunehmen", hatte Rainer Bertges vor Beginn des Schweigemarsches gesagt und damit vielen Grefrathern aus der Seele gesprochen. Nach etwa einer halben Stunde hat der Tross sein Ziel erreicht. "Es war ein ruhiger Marsch, es haben erfreulicherweise sehr viele Menschen daran teilgenommen", sagt Bürgermeister Manfred Lommetz.

Auf das große Festprogramm, das der Sportverein Grefrath zum Abschluss seines 100-jährigen Jubiläums eigentlich ausrichten wollte, wurde verzichtet, das Herbstfest deutlich abgespeckt. Der Schweigemarsch setzt ein klares Zeichen: Ganz Grefrath fühlt mit Mircos Familie, ein Ort rückt demonstrativ zusammen.

400 Beamte und zehn Suchhunde durchkämmen bis zum Einbruch der Dunkelheit die Maisfelder nördlich und östlich von Mariendonk, suchen im Wald und auf den Weiden. Denn die Polizei hatte am Samstagnachmittag noch einen Hinweis bekommen, ungefähr den 2400.

"Aber das war einer, bei dem sofort alle Alarmglocken angingen", erklärte Pressesprecher Willy Theveßen. Das Wort "heiße Spur" will er trotzdem nicht in den Mund nehmen. Zumindest sei er so "viel versprechend", dass man sofort eine erneute Suchaktion anberaumt habe.

Über die Hintergründe des Hinweises schweigen die Ermittler eisern

Rund um Mariendonk hatte man bisher noch nicht gesucht. Nachdem es bis Sonntagabend bei Einbruch der Dämmerung kein Ergebnis gibt, will man heute weitersuchen, vielleicht auch noch morgen. "Das neue Suchgebiet ist so groß, dass wir bestimmt noch zwei Tage suchen können", sagt Theveßen Sonntagmittag.

Die Zeugin, die sich gemeldet habe, habe erst am Samstag den Zusammenhang herstellen können, zwischen einer Beobachtung, die sie gemacht habe und dem 3. September, jenem Freitag, an dem Mirco verschwunden war. Weil sie sich erinnerte, zu dieser Zeit eine Kurznachricht verschickt zu haben, ließ sich schlussendlich die Beobachtung leicht dem Tattag zuordnen.

Die Ermittler aber schweigen eisern über weitere Erkenntnisse. "Worum es bei dem Hinweis geht, dazu sagen wir nichts", erklärt Pressesprecherin Antje Heymanns. Die wenigen Anwohner in dem weitläufigen Suchgebiet konnten bislang nichts zur Klärung beitragen. Für Spaziergänger und Freizeit-Radler ist dieser Sonntag ein ganz normaler Ausflugstag. Sie fahren und gehen Slalom zwischen Polizeieinheiten.

Am Samstag, kurz nachdem die Polizei jenen Hinweis erhalten hatte, an den sich jetzt alle klammern, hatten sich Mircos Eltern in einem dramatischen Appell nicht nur an die Bevölkerung, sondern auch an den Täter direkt gewandt. Am Freitagabend bereits hatten die Ermittler wieder einmal zu ungewöhnlichen Maßnahmen gegriffen.

Mit mehreren Radarwagen wurden vier Stunden lang im Bereich Grefrath etwa 600 Fahrzeuge erfasst. Der Hintergrund: Wer an diesem Freitag in der Nähe der Orte war, die für die Tat eine Rolle spielen, war es vielleicht auch am 3. September, dem Tatfreitag.

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