Seit einer Woche ist der zehnjährige Mirco wie vom Erdboden verschluckt. In einem bewegenden Gottesdienst haben in Grefrath rund 400 Menschen, darunter viele Kinder, für den Jungen gebetet.

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Grefrather betreten die Pfarrkirche St. Laurentius um in einem Gottesdienst für das Wohl des vermissten Mirco zu beten.

Grefrather betreten die Pfarrkirche St. Laurentius um in einem Gottesdienst für das Wohl des vermissten Mirco zu beten.

dpa

Grefrather betreten die Pfarrkirche St. Laurentius um in einem Gottesdienst für das Wohl des vermissten Mirco zu beten.

Grefrath. Ein Schluchzen bricht die Stille in der St. Laurentius-Kirche. Die Sitzreihen in der katholischen Pfarrkirche von Grefrath sind dicht gefüllt.

Zahlreiche Menschen drängen noch in das Gotteshaus hinein, als die Kirchenglocken am Donnerstagabend den ökumenischen Gottesdienst einläuten. "Wir haben uns heute aus einem sehr traurigen Anlass zusammengefunden", begrüßt Bürgermeister Manfred Lommetz die Besucher.

Seit einer Woche wird mit einer der größten Suchaktionen in der Geschichte Nordrhein-Westfalens nach Mirco gesucht. Der Sechstklässler war vergangenen Freitag auf dem Nachhauseweg verschwunden. Mit jeder Stunde schwindet die Hoffnung, dass der Schüler noch lebend gefunden wird.

Auch am Freitag sollte wieder eine Hundertschaft Polizisten ausschwärmen, um nach Mirco zu suchen. "Wir machen auch in den kommenden Tagen weiter", kündigte ein Polizeisprecher an.Allerdings schränkt die Polizei damit die Suche deutlich ein. Zuletzt suchten noch tausend Beamte nach dem Zehnjährigen. 

Eine heiße Spur habe man noch nicht gefunden, sagte ein Polizeisprecher. Falls es neue Hinweise gebe, stünden weitere Hundertschaften zur Verfügung.

Viele Eltern sind mit ihren Kindern zum Gottesdienst gekommen. Keiner will die Hoffnung aufgeben. Ihre Gebete sollen Mirco und seiner Familie Kraft geben. "Wir wollen zeigen, dass die Familie nicht allein da steht, sondern dass wir alle Anteil an ihrem schlimmen Schicksal nehmen", sagt der Bürgermeister.

Die Familie mit ihren vier Kindern habe bis vor kurzem nur einige hundert Meter von der Kirche entfernt glücklich zusammengelebt - bis Mirco aus der Gemeinde gerissen wurde. Während der Bürgermeister spricht, zücken einige Kirchgänger ein Taschentuch hervor, wischen sich die Tränen von den Wangen.

Vor dem Altar lehnt ein Bild für Mirco, das Kinder gemalt haben. "Wir lieben Dich", "Warum Du?" steht da, umrahmt von roten Herzchen. "Wir sind erschüttert und erschrocken und ratlos", sagt der evangelische Gemeindepfarrer Hartmut Boecker. "Wie kann es sein, dass Mirco so leidet und wir nicht wissen, was wir tun sollen?"

Pastor Norbert Selent von der Christengemeinde Krefeld, der die Familie angehört, berichtet, dass alle Mitglieder seiner Kirche stündlich für den Jungen beten. "Die Not um Mirco hat uns zusammengebracht", sagt der Pastor. "Die Ungewissheit über den Ausgang der Geschichte zermürbt nicht nur Familie, sondern hinterlässt Spuren in unser aller Leben."

Als fünf Jugendliche nach vorn treten, wird es ganz still. Eltern nehmen ihre Kinder fest in den Arm. Die Jugendlichen bitten um Kraft für Mircos Eltern, seine drei Geschwister und die Helfer. Um Kraft, dass sie alle in dieser schweren Zeit nicht verzweifeln. Als der Gottesdienst beendet ist, bleiben die Besucher noch eine Weile ruhig sitzen.

Viele stellen brennende Teelichter auf die Stufen vor dem Altar. "Ich habe selbst Kinder und immer gehofft, dass mir so etwas nicht passiert", sagte eine ältere Frau mit Tränen in den Augen. Sie sei froh über den Gottesdienst. "Wir sind zu einer Gemeinschaft zusammengewachsen in Grefrath", sagt sie.

Unterdessen ist die Zahl der Hinweise aus der Bevölkerung auf knapp 400 gestiegen. Entscheidende Hinweise, auch etwa auf das verdächtige Auto, seien aber noch nicht darunter gewesen.

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