Die WZ hat sich umgehört: Kritisch sieht mancher Brauchtumspfleger den Auftritt homosexueller Paare.

Die WZ hat sich umgehört: Kritisch sieht mancher Brauchtumspfleger den Auftritt homosexueller Paare.
Über dieses Paar diskutieren die Schützen: Udo Figge und sein Ehemann Dirk Jehle (l.).

Über dieses Paar diskutieren die Schützen: Udo Figge und sein Ehemann Dirk Jehle (l.).

Beim WZ-Mobil wurden fleißig Panini-Sticker getauscht und geklebt.

dpa, Bild 1 von 2

Über dieses Paar diskutieren die Schützen: Udo Figge und sein Ehemann Dirk Jehle (l.).

Kreis Viersen. Das katholisch geprägte Schützenwesen sorgt derzeit erneut für Diskussionen. Der Grund: Bei den Schützen in Düsseldorf-Bilk regiert ein schwules Königspaar. SPD-Ratsherr Udo Figge hatte den Vogel abgeschossen und seinen Lebenspartner zum Prinzgemahl erkoren. Na, und? Im 21. Jahrhundert doch kein Problem, dürften viele denken. Doch beim Dachverband seiner Kompanie stößt Figges Verhalten auf Unmut (die WZ berichtete): Es entspreche nicht der Tradition, dass ein Königspaar aus „Männlein und Männlein oder Weiblein und Weiblein“ bestehe, hieß es vom Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften (BHDS). Wie sehen das die Schützen im Kreis Viersen? Die WZ hat sich umgehört.

Er habe „absolut keine Schwierigkeiten“ mit einem homosexuellen König, sagt Karl-Heinz Bäumges. Als Bezirksbundesmeister des Verbandes Nettetal-Grefrath repräsentiert er unter anderem die St. Antonius Schützenbruderschaft Grefrath und die St. Laurentius Schützengesellschaft Vinkrath. Allerdings vertritt Bäumges die Meinung, dass ein schwuler Regent eine Bekannte bitten sollte, mit ihm den Königstanz zu tanzen und sonstige repräsentative Aufgaben zu übernehmen. „Es würde auch gehen, wenn der König allein auftritt – dann müsste man nur beim Galaball umdenken.“

Das große Tauschfieber hat Klein und Groß am WZ-Mobil gepackt.
Über dieses Paar diskutieren die Schützen: Udo Figge und sein Ehemann Dirk Jehle (l.).

Über dieses Paar diskutieren die Schützen: Udo Figge und sein Ehemann Dirk Jehle (l.).

Beim WZ-Mobil wurden fleißig Panini-Sticker getauscht und geklebt.

Friedhelm Reimann, Bild 1 von 2

Beim WZ-Mobil wurden fleißig Panini-Sticker getauscht und geklebt.

Etwas anders sieht er die Sache bei Muslimen oder Leuten, die aus der Kirche ausgetreten sind. Hier lautet seine Auffassung: „Mitgliedschaft ja, aber nicht zwingend ein repräsentatives Amt.“ Schließlich sei man ein kirchlicher Verein. „Auch wenn das nach außen nicht immer so gezeigt wird, wie man es sich wünscht.“

Mit Blick auf das Thema Homosexualität ist auch Georg Lange gelassen. „Unsere Bruderschaft steht dem sicherlich offen gegenüber“, sagt der Brudermeister der St. Stefanus-Schützen aus Kempen-Schmalbroich. Wie die Pfleger des Brauchtums generell mit dem Thema umgehen werden, dazu sollte nach Ansicht von Lange der BHDS eine einheitliche Lösung finden.

Kirchlicher Hintergrund der Vereine spielt eine Rolle

Sascha Stieger, Vorsitzender der St. Sebastianus Schützenbruderschaft Vorst, zieht die Satzung heran: Bei den Sebastianern müsse man verheiratet und Kirchenmitglied sein und den christlichen Glauben vertreten, um König zu werden. Über die sexuelle Ausrichtung steht dort offenbar nichts. „Wir haben uns mit diesem Thema speziell noch nicht befasst“, so Stieger. Er betont aber: „Wir sind weltoffen.“

Ein schwuler König bei den Schützen – wie stehen Sie zu diesem Thema? Die WZ ist an Ihrer Meinung interessiert. Sind die Schützenvereine in Kempen, Grefrath, Willich und Tönisvorst weltoffen genug für einen homosexuellen Regenten? Oder hätten die Vereine ein Problem damit?

Das WZ-Mobil steht am Donnerstag in der Stadt im Kreis Viersen mit der wohl größten Schützentradition. Von 10.30 bis 11.30 Uhr ist die Rollende Redaktion zu Gast auf dem Willicher Markt. Kommen Sie vorbei und sagen Sie Ihre Meinung.

Sollten Sie am Donnerstag verhindert sein, können Sie Ihre Meinung auch per E-Mail an die Redaktion senden: redaktion.kempen@wz.de oder redaktion.willich@wz.de.

Auch Thomas Reinke betont, dass er persönlich dem Thema offen gegenüberstehe. „Ich hätte keine Probleme mit einem schwulen König“, sagt der 1. Brudermeister der St. Vitus-Schützen in Oedt. Allerdings ist es für ihn eine zwiespältige Angelegenheit aufgrund des kirchlichen Hintergrunds seines Vereins. Denn: „Die Kirche sieht die Sache bekanntermaßen anders.“

Auch der Bezirksbundesmeister für den Verband Krefeld-Willich-Meerbusch (unter anderem Sebastianer in Neersen, Anrath, Schiefbahn und Willich) äußerte sich gegenüber der WZ: „Das Statut des BHDS erlaubt einen homosexuellen König, aber nicht ein homosexuelles Königspaar“, so Mike Kunze. „Daran halte ich mich solange, bis das Statut geändert wird.“ Er betont: Schwule würden im Verband nicht diskriminiert. Es gehe bei diesem Thema nur um oberste Repräsentanten dieser katholischen Vereinigung.

Kunzes Kollege im Kempener Verband ist Uli Loyen, unter anderem zuständig für Kehner Junggesellen, Blaue Husaren (Kempen) und Sebastianer in Vorst. „Als Verantwortlicher im Verband stehe ich hinter den Beschlüssen unseres Dachverbandes BHDS“, teilt er mit. 2013 habe der BHDS einen Mehrheitsbeschluss gefasst, dass wenn ein homosexueller König mit Königin auftreten möchte, er sich eine Frau an die Seite nehmen könne.

„Uns Bruderschaften ist allen bekannt, dass der neue Bundesschützenmeister Emil Vogt einen Diskussionsprozess zu Veränderungen eines Leitbildes angestoßen hat. Da ist jede und jeder mit seinen Gedanken und Ideen gefordert und meiner Auffassung nach gibt es kein Tabu, über welches nicht gesprochen werden kann.“

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