In den Nettetaler Ortsteilen gibt es keine öffentlichen Toiletten – die Stadt sieht keinen Bedarf. Die Geschäftsleute helfen aber aus.

Nettetal. Ein dringendes Bedürfnis? Das kann zum Problem werden in Kaldenkirchen. „Öffentliche Toiletten haben wir hier leider nicht“, stellt Claudia Willers vom Werbering Kaldenkirchen-aktiv fest und regt an, ob man „bei der Stadt nicht zumindest mal darüber nachdenken könnte“. Doch im Rathaus winkt man ab: „Das ist derzeit kein Thema“, erklärt Stadtsprecher Jan van der Velden.

Diese Aussage bewerten die Kaldenkirchener unterschiedlich. „Benutzung für Nicht-Gäste 50 Cent“, prangt auf einem Schildchen zur Toilette im Eiscafe am Kirchendreieck – eine Möglichkeit also, ein WC zu benutzen, wenn auch gegen Gebühr. Doch das Café hat im Winter geschlossen. Geöffnet hingegen ist das Cafe Terstappen gegenüber. Zwei Mitarbeiterinnen berichten, dass immer wieder mal Passanten nachfragen, ob sie zum stillen Örtchen dürften. Manche legten dann „freiwillig ein paar Münzen auf die Theke“. Einen dringenden Bedarf für öffentliche Toiletten könnten die Mitarbeiterinnen nicht feststellen.

Marktbesucher stört es nicht, dass es kein stilles Örtchen gibt

Ähnlich sehen das Besucher, die am Markttag in die Innenstadt kommen. „Wir Einheimischen können ja zuhause aufs Klo gehen“, meint Inge Müllers. Ein Problem könne es „höchstens mal für auswärtige Besucher geben“, sagt Stefanie Ruf.

Eine Niederländerin allerdings verweist auf Brüggen und Kempen: „Die haben doch auch öffentliche Toiletten im Zentrum.“ Dass solch ein Vergleich hinke, weil Nettetal als Flächenkommune keine zentrale Innenstadt habe, stellt van der Velden klar: „Kaldenkirchen ist einer von sechs Stadtteilen, da gibt es nirgendwo ein öffentliches WC.“ Während der Öffnungszeiten könne man ja auch „in Lobberich die Toiletten im Rathaus und in Kaldenkirchen im Bürgerservice benutzen“.

Der dritte Stadtteil mit einer, wenn auch kleineren Fußgängerzone im Zentrum ist Breyell – ebenfalls ohne öffentliche Toilette. Weshalb man sich bei offiziellen Veranstaltungen zu arrangieren weiß, etwa bei Trauungen im historischen Lambertiturm. „Für den Fall, dass Hochzeitsgäste zur Toilette müssen, haben wir uns mit dem Café nebenan abgestimmt, dass man dort das WC benutzen kann“, erläutert Reinhard Rankers vom Förderverein Alter Kirchturm. Und wenn das Café geschlossen habe, bliebe noch die Stadtbücherei auf der anderen Straßenseite, die ja eine städtische Einrichtung sei.

Bei Großveranstaltungen werden mobile Toiletten angemietet

Bei Großveranstaltungen wie Volksfesten in den Stadtteilen werden ohnehin üblicherweise Toilettenwagen angemietet, etwa beim Lichterfest in Kaldenkirchen oder bei der Karibischen Nacht. Und zur Not springen ansonsten die Geschäftsleute in der Kaldenkirchener Innenstadt ein. „Bei Beerdigungen kommen schon mal Leute aus der Kirche St. Clemens und fragen, ob sie hier aufs Klo können“, berichtet Frisörin Vera Laakmann.

Auch in einer Zahnarztpraxis fragten gelegentlich Leute mit einem dringenden Bedürfnis nach, erzählt eine Mitarbeiterin. Man helfe zwar gern, aber es störe auch.

„Das ist eine Frage des Umgangs miteinander. Wenn von draußen jemand kommt und höflich nach der Toilette fragt, den schicke ich doch nicht weg“, sagt Hans Küppers vom Alten Brauhaus. Eine Gebühr nehme er „selbstverständlich nicht“.

Den Standpunkt vertritt auch Heiner Schummers vom Schmuckgeschäft Klunker, Perlen, Kronjuwelen. So sei „die Höflichkeit der Händler ein Gradmesser für die Attraktivität der City“. Höflich allerdings sind nicht alle Besucher der City, wie Frisörin Laakmann beobachtet: „Da pinkeln immer wieder mal Männer hinterm Zigarrenmacher-Denkmal gegen die Mauer“.

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