Viersen. Der Entschluss der Clique sei im Herbst 1990 am Kneipentisch gereift, sagt Axel Tweer: „Das nächste Mal ziehen wir Karneval mit.“ Der Viersener Freundeskreis Flattermann hatte Tulpensonntags am Zugweg stets seinen Spaß gehabt. Aber als Fußgruppe einmal mit Wagen im Stadtzug dabei zu sein – das wäre doch was Großes. Möglicherweise wurden die ersten Ideen gleich auf Bierdeckel gekritzelt. Spätestens mit der Anmeldung wurde aus der Schnapsidee ein offizieller Spaß und „ein Haufen Arbeit lag vor uns“, sagt Tweer.

„Ich weiß noch, wie ich gebannt die Fernsehbilder verfolgt habe.“

Axel Tweer, Wagenbauer

In einer offenen Feldscheune wurde ein Rübenanhänger zum Karnevalswagen umgebaut. Tweer: „Es sollte eine fahrbare Bierkiste mit dem Schriftzug „Wer soll das bezahlen?“ werden.“ Damals war gerade der Bierpreis erhöht worden. Die Freunde zeichneten Skizzen und fertigten erste Holzteile an, die wie ein Puzzle zum Wagen zusammengesetzt werden sollten.

Während in Viersen am rheinischen Frohsinn gewerkelt wurde, spitzte sich die Lage am Persischen Golf zu. Am 17. Januar 1991 begann der Luftkrieg, erste irakische Scud-Raketen-Angriffe auf Israel folgten. Axel Tweer: „Ich weiß noch, wie ich gebannt die Fernsehbilder auf NTV verfolgt habe.“ Gerade am Niederrhein sei das Thema ganz nah gewesen. „Man erinnere sich nur an die Tornados, die in Elmpt stationiert waren, oder an das britische Hauptquartier in Rheindahlen.“

Konflikt, Krise, Krieg – Politik und viele Bürger hielten angesichts der Gefechte den Atem an. In dieser Situation erschien der Mehrheit der Bevölkerung Frohsinn mit Helau und Alaaf nicht angemessen. Zwei Wochen vor dem Karnevalswochenende wurden die Züge gestrichen, in den Hochburgen Köln, Düsseldorf, überall.

Ein Karnevalsorden aus der Nicht-Session als Erinnerungsstück

Den Viersener Freundeskreis erreichte die Absage telefonisch. Bei aller Enttäuschung überwog das Verständnis für die Entscheidung. Der fast fertige Wagen der Viersener wurde mit Planen eingepackt und bis zu seinem ersten Einsatz in die offene Scheune geschoben.

August 1990 Irakische Einheiten marschieren in Kuwait ein. Der Irak erklärt das annektierte Gebiet zu seiner Provinz. Der UN-Weltsicherheitsrat beschließt ein Wirtschaftsembargo. 21 Staaten entsenden Militär in die Region.

Dem Irak werden militärische Vergeltungsmaßnahmen angedroht, wenn er sich nicht bis Mitte Januar 1991 aus Kuwait zurückzieht. Das Ultimatum verstreicht, die Operation „Wüstensturm“ beginnt.

 

1991 Der Luftkrieg beginnt.

 

Die Landoffensive der Alliierten startet. Ende des Monats verkündet Präsident Bush das Ende der Kampfhandlungen.


Der Waffenstillstand tritt in Kraft.

Ein Karnevalsorden der Nicht-Session ist Axel Tweers Erinnerungsstück. „Der Orden des Prinzenpaares wurde allen Gruppen verliehen!“ Und noch etwas weiß er genau: „Das Karnevalswochenende vom 10. und 11. Februar 1991 ist im Schnee versunken.“

16 Grad plus waren es, als ein Jahr später die verpasste Zugteilnehmer-Premiere nachgeholt wurde. Axel Tweer hat die „Massen an Menschen am Zugweg 1992“ noch genau vor Augen: „Die Leute waren ausgehungert nach Karneval.“

Zurzeit arbeitet er mit seinen Freunden am Karnevalswagen. Es wird der Zwanzigste.

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