Moderne Werke und Stücke für Kinder sind das Erfolgsrezept des Niederrheintheaters.

Brüggen. Wenn jemand aus der Kulturszene eine Prognose hätte wagen sollen, wohin es mit dem Niederrheintheater so geht, dann wäre sie sicher vorsichtiger ausgefallen, als das, was jetzt die Bilanz der Spielzeit 2010 war. Denn erst im Januar hatte das Theater Schloss Dilborn in Brüggen als feste Spielstätte bezogen. Von den insgesamt 115 Aufführungen in diesem Jahr fanden 21 im Schloss statt. Insgesamt kamen 12 500 Zuschauer.

„Freilicht-Theater ist ein Zugpferd.“

Michael Koenen, Theatermacher

Allein die Schlossfestspiele im Sommer zogen 700 Besucher an – Regisseurin Verena Bill hatte nur halb so viele erwartet. „Freilicht-Theater ist ein Zugpferd“, sagt Michael Koenen, der gemeinsam mit Verena Bill das Theater gegründet hat. Die Mischung der Szenen, Lesungen und Stücke kam gut beim Publikum an.

Besondere Beachtung fand das Jugend-Theaterprojekt. Hier hatten Brüggener Geschäftsleute Geld gegeben, um jungen Menschen für zwei Wochen ein Stück Theaterausbildung zu ermöglichen. Dieses Projekt soll auch 2011 wieder stattfinden, bewerben kann man sich ab März.

Kinder mit Geschichten aus alten Büchern versorgen

Besonderer Ansporn für diejenigen, die das Theaterspiel kennenlernen möchten: Florian Tröger, einer der Teilnehmer, ist inzwischen Schauspielschüler am Theater, gehört zum jungen Ensemble. Gemeinsam mit Scarlett Albrecht (25) steht der 20-Jährige in der kommenden Spielzeit in „Elisabeth und ihr Pirat“ auf der Bühne. Das moderne Stück von Luigi Lunari entstand 2002, nach einem Theater in der Schweiz ist das Niederrheintheater das zweite überhaupt, das diesen Stoff um Elisabeth I. von England und Francis Drake überhaupt auf die Bühne bringt.

Für die Kinder gibt es im kommenden Jahr „Neues vom Räuber Hotzenplotz“. Mit der Geschichte von Otfried Preußler verbindet Verena Bill Kindheitserinnerungen. Sie kann sich noch genau erinnern, wie sie im zweiten Schuljahr alle Geschichten des Räubers regelrecht verschlungen hat. Im Augenblick wird ihre kleine Tochter mit genau diesen Geschichten aus den alten Büchern „versorgt“.

Der Räuber Hotzenplotz kommt auf die Bühne

Die Verbindung zwischen der Neugierde auf Geschichten, die beim Zuschauen entsteht, und dem Lesen der entsprechenden Bücher ist für die Macher des Theaters sehr wichtig. „Wir wollen die Kinder zum Lesen ermutigen“, sagt Verena Bill. Damit die Kinder bald auch zuschauen können, schreibt sie gerade an der eigenen Version der Hotzenplotz-Geschichte.

Michael Koenen übt derweil schon fleißig Bayrisch, denn er wird sowohl den Räuber als auch den Wachtmeister Dimpflmoser spielen. Die dritte Premiere wird das Psycho-Drama Fräulein Julie von August Strindberg sein.

Grusel-Atmosphäre im staubigen Gewölbekeller

Aber das Niederrhein-Theater hat noch mehr für das kommende Jahr parat. So soll Stephen Kings Misery wieder auf die Bühne kommen – genauer gesagt: in den Keller. Im staubigen Gewölbekeller unter dem Schloss Dilborn sollen die Zuschauer die Grusel-Atmosphäre noch dichter erleben können.

Auch die Schlossfestspiele mit Sommer-Theater vor der Burg sind schon terminiert. Sie werden vom 9. Juli bis 7. August stattfinden. Zum Auftakt gibt es im Innenhof der Burg die Premiere von Fräulein Julie, ansonsten sind Aufführungen von Rumpelstilzchen für die Kleinen und Molière für die Großen geplant.

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