Verendete Vögel haben in Viersen für Aufregung gesorgt. Der kuriose Fall – mit womöglich juristischen Folgen – zeigt, dass die Tiere nicht nur angefeindet werden.

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Ein Schwarm Tauben in Freiheit. In Viersen wurde sechs Tieren nun offenbar ein Netz zum Verhängnis.

Ein Schwarm Tauben in Freiheit. In Viersen wurde sechs Tieren nun offenbar ein Netz zum Verhängnis.

Miguel Villagran

Ein Schwarm Tauben in Freiheit. In Viersen wurde sechs Tieren nun offenbar ein Netz zum Verhängnis.

Viersen. Für die einen sind sie ein Symbol des Friedens, für die anderen gelten sie als „Ratten der Lüfte“: die Tauben. In der Viersener Innenstadt haben nun mehrere verendete Tiere über einem Kaffeegeschäft für große Aufregung gesorgt – juristisches Nachspiel womöglich inklusive. Das Geschehene zeigt auf kuriose Weise, dass die allgegenwärtigen Vögel nicht nur wegen ihres Kots und ihres lauten Gurrens angefeindet werden, sondern dass es auch Menschen gibt, die sie mit Vehemenz schützen wollen.

„Es war ganz schrecklich.“

Almut Grytzmann-Meister, Tierschützerin

In der selben Weise, wie Tauben grundsätzlich die Gesellschaft spalten, lassen sie auch im konkreten Fall die Aussagen und Meinungen der Beteiligten teils stark auseinandergehen. Das sind im Wesentlichen Vertreter vom Bund für Umwelt und Natuschutz Deutschland (BUND) und dem Veterinäramt der Viersener Kreisverwaltung.

„Vergrämungsmaßnahmen“ müssen nicht angemeldet werden

Ihnen zufolge hat sich das Viersener Tauben-Drama am Wochenende ungefähr so abgespielt: Ein Passant berichtet der im ganzen Kreis Viersen bekannten Umwelt- und Tierschützerin Almut Grytzmann-Meister von toten Vögeln auf einem Laden-Vordach in der Fußgängerzone: Insgesamt fünf sind hinter einem Netz vor der Fassade zugrunde gegangen. Eine solche „Vergrämungsmaßnahme“ durch Hauseigentümer oder -verwalter muss laut Kreisverwaltungssprecher Axel Küppers nicht offiziell angemeldet werden, auch der BUND hat da eigentlich nichts gegen.

Tumultartige Szenen sollen sich vor dem Gebäude abgespielt haben

Die Kreis-Verwaltung vermutet jedoch, dass die beauftragte Firma (die nicht aus der Region kommt) das Gitter wohl nicht sachgemäß angebracht hat. Sprich: Irgendwie sind die Tauben dahinter gekommen, konnten aber anscheinend nicht mehr wegfliegen. „Die Tiere sind verhungert“, ist sich Grytzmann-Meister sicher.

Mit Hilfe eines Hubwagens der alarmierten Feuerwehr sieht sich die BUND-Kreisvorsitzende das Elend aus nächster Nähe an: „Es war ganz schrecklich, nur eines der Tiere bewegte sich noch.“ Auch der verständigte Amtstierarzt Dr. Andreas Holst ist vor Ort und nimmt die noch lebende sechste Taube an sich.

Der Kreis lässt die Taube nun untersuchen, um die Ursache für ihren elenden Zustand herauszufinden. Gegebenenfalls wird gegen die Firma ermittelt, die das Netz angebracht hat. Außerdem erwägt die Verwaltung laut Sprecher Axel Küppers eine Anzeige gegen Almut Grytzmann-Meister (BUND), weil sie den Amtstierarzt behindert haben soll.

Die Kreisvorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz will ihrerseits Strafanzeige stellen – gegen das Veterinäramt des Kreises. Der Grund: Tierquälerei. Außerdem plant sie eine Dienstaufsichtsbeschwerde.

Almut Grytzmann-Meister aber ist mit dieser „Beschlagnahmung“ nicht einverstanden. Zusammen mit einer befreundeten „Spezialistin für Tauben“, will sie versuchen, das Tier auf eigene Faust noch zu retten. Es sollen sich tumultartige Szenen abgespielt haben.

„Unser Amtstierarzt behandelt jedes Tier mit der gleichen hohen Sorgfalt: Ob es eine geschützte Rohrdommel oder eine Straßentaube ist, spielt da keine Rolle.“

Axel Küppers, Sprecher des Kreises Viersen

Die BUND-Vertreterin sagt: „Wir haben versucht an das Tier heranzukommen, wären aber niemals handgreiflich geworden.“ Der Kreissprecher sagt: „Aus unserer Sicht hat Frau Grytzmann-Meister die Arbeit des Amtstierarztes behindert.“ Und während die Naturschützerin beklagt, dass der Fachmann die Taube an den Füßen gepackt und kopfüber hängend ins Auto geschmissen habe, entgegnet Küppers: „Unser Amtstierarzt behandelt jedes Tier mit der gleichen hohen Sorgfalt: Ob es eine geschützte Rohrdommel oder eine Straßentaube ist, spielt da keine Rolle.“

Fakt ist: In einer Spezialpraxis in Tönisvorst, wohin Holst die Taube schließlich bringt, kann deren Leben nicht mehr gerettet werden – sie wird kurz darauf eingeschläfert.

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