Im Kreis Viersen meldet die Polizei inzwischen mehr Fahrten nach Drogenkonsum als nach dem berühmten „Glas zuviel“.

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Niederrhein. Die Kreispolizei Viersen erwischt immer mehr Autofahrer, die unter Drogeneinfluss unterwegs sind. Ende vergangener Woche erst meldete sie einen 19-Jährigen aus Brüggen, der zum dritten Mal innerhalb der vergangenen vier Monate aufgefallen war. Obwohl ihm in der Nacht zu Freitag bereits einmal die Weiterfahrt ausdrücklich untersagt worden war, geriet er kurze Zeit später wieder in eine Kontrolle. Eine Flucht mit überhöhter Geschwindigkeit brach er nach etwa 300 Metern ab. Auf seine Fahrerlaubnis wird er vermutlich für längere Zeit verzichten müssen.

Örtliche Zahlen lassen sich kaum miteinander vergleichen

Ebenfalls erst vor einigen Tagen mussten gleich vier Männer aus Mönchengladbach, Willich und Viersen zum Bluttest, die alle innerhalb weniger Stunden an verschiedenen Stellen kontrolliert worden waren. Laut der Behörde fallen inzwischen mehr Rauschgift- als Alkoholsünder am Steuer auf – das ist (noch) einzigartig in der Region. „Drogenfahrten sind ein großes Problem im Kreis Viersen“, sagt Holger Jentgen, der Leiter der Viersener Wache, und betont die großen Gefahren im Straßenverkehr, unter anderem durch Beeinträchtigung des Reaktionsvermögens und der Risiko-Einschätzung.

Die konkreten Zahlen: 196 Drogenfahrten im vergangenen Jahr im Kreis Viersen stehen 180 Fahrten nach dem berühmten „Glas zuviel“ gegenüber (2009 waren es noch 80 zu 166 Fälle). Schwerpunkt ist dabei die Stadt Viersen, wo fast ausschließlich Cannabis (konsumiert etwa in Form von „Joints“) und das synthetisch hergestellte Amphetamin im Blut nachgewiesen wird. In Krefeld waren es in 2010 immerhin schon 157 zu 193 Fälle. Hier spricht die Polizei von einer „sprunghaften Zunahme“ von Drogen am Steuer. In Mönchengladbach ist der Abstand mit 32 zu 219 deutlicher.

Allerdings lassen sich diese örtlichen Daten kaum miteinander vergleichen, für eine genauere Aussage bezüglich des Drogenkonsums insgesamt in den jeweiligen Kommunen und im Kreis sind sie praktisch nicht zu gebrauchen. Denn, so betont Jentgen, es handele sich beim Fahren unter Drogeneinfluss um ein „Kontrolldelikt“: Nehmen die Kontrollen zu – und genau das ist in Viersen geschehen –, gehen auch mehr fahrende Konsumenten ins Netz.

Hinzu kommt laut Kreispolizei, dass viele Beamte aus der Behörde zu Spezialisten in Sachen Drogeneinfluss-Erkennung geworden sind, was nicht zuletzt an der Nähe zu den Niederlanden liegt. Jentgen: „Die Trefferquote bei aufgrund von gezielten Verdachtsmomenten angehaltenen Fahrzeugen liegt bei 50 Prozent.“ Meist werden Wagen aus dem fließenden Verkehr herausgepickt. Worauf diese Verdachtsmomente vor dem Anhalten des Fahrzeugs üblicherweise beruhen, will die Polizei nicht verraten.

So viel aber ist bekannt: Im folgenden Gespräch mit dem Fahrer wird auf typische körperliche Reaktionen geachtet, dazu gehören gerötete Bindehäute, starre Pupillen oder Schweißausbrüche auch im tiefsten Winter. Ist ein Vortest mit Schweiß oder Speichel positiv, muss auf der Wache Blut abgenommen werden, um absolut sichere Laborergebnisse zu bekommen.

Die meisten Drogenfahrer sind männlich

Die überwiegende Zahl der geschnappten Drogenfahrer ist männlich, das gilt auch für die Alkoholfahrer. Das Altersspektrum reicht bei Betäubungsmittel-Konsumenten in den meisten Fällen allerdings nur vom Führerscheinanfänger bis zum Mittvierziger, während es im Falle des Alkohols keine Grenze nach oben gibt.

Ein weiterer Unterschied und zugleich vielleicht der wichtigste: „Die Alkoholfahrten passieren zeitnah zum Konsum, während der Abbau von illegalen Drogen im Körper viel länger dauert und nicht spürbar ist“, erklärt der Leiter der Wache. Die Konsequenz: Wer regelmäßig solche Mittel konsumiere, müsse sich darüber klar sein, dass er überhaupt kein Auto mehr fahren dürfe.

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