Unterstützung in Zeiten des Priestermangels: Mehrere ausländische Seelsorger wie Oliverdom Osinachim Oguadiuru sind im Bistum Aachen tätig.

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Weit entfernt von der Heimat: Oliverdom Osinachim Oguadiuru aus Nigeria vor St. Cornelius in St. Tönis.

Weit entfernt von der Heimat: Oliverdom Osinachim Oguadiuru aus Nigeria vor St. Cornelius in St. Tönis.

Lübke

Weit entfernt von der Heimat: Oliverdom Osinachim Oguadiuru aus Nigeria vor St. Cornelius in St. Tönis.

Niederrhein. Eigentlich müsste es ihm doch furchtbar auf den Keks gehen. Dass er immer und immer wieder seinen Namen wiederholen muss, am besten langsam buchstabierend. Doch Oliverdom Osinachim Oguadiuru, der dieses nervige Prozedere seit Jahren kennt, erträgt es mit einem Lächeln. Seine Geduld ist so ausgeprägt wie seine Höflichkeit: „Sorry“, sagt er oft, auch wenn nicht der geringste Grund für eine Entschuldigung ersichtlich ist.

„Bei uns ist der Glaube noch sehr stark und sehr lebendig.“
Oliverdom Osinachim Oguadiuru über seine Heimat Nigeria

Der 43-Jährige hat einen weiten Weg hinter sich, der ihn zuletzt an den Niederrhein geführt hat. Rund 5000 Kilometer Luftlinie trennen ihn von seiner Heimat Nigeria. Am Sonntag wird der katholische Priester offiziell als neuer Mitarbeiter für die Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) Kempen-Tönisvorst eingeführt. Zuvor war er einige Monate in Maria Frieden in Krefeld-Fischeln als Seelsorger tätig. Eingesetzt wird er als Pfarrvikar, das ist die Bezeichnung für ein Hilfsamt.

Der Geistliche aus Nigeria promoviert an der Uni Bochum

Nach offiziellen Angaben aus Aachen ist der Nigerianer einer von derzeit acht ausländischen Priestern im Bistum, die meisten von ihnen kommen aus Nigeria und Ghana. Für sie gibt es seit einiger Zeit ein besonderes Programm (siehe Info-Kasten).

Nicht immer ist die Arbeit in einer bestimmten deutschen Gemeinde von langer Hand geplant, wie das Beispiel von Oguadiuru zeigt: Sein Heimatbischof hatte Kontakt zum Erzbischof von Salzburg, und so kam der 1995 geweihte Priester für eine Doktorarbeit nach Österreich.

Erst vor Ort lernte er Deutsch. „Österreichisches Deutsch“, wie er betont. Nach einiger Zeit zeichnete sich allerdings ab, dass er in Salzburg für seine wissenschaftliche Arbeit im Bereich Altes Testament viele Jahre brauchen würde – „das war mir zu lang.“ Doch wie sollte es weitergehen?

Oliverdom Osinachim Oguadiuru stammt aus einem Dorf im Süden Nigerias („dem ehemaligen Biafra“, wie er sagt). Es handelt sich um eine christlich geprägte Region. Der Norden des bevölkerungsreichsten afrikanischen Landes ist muslimisch geprägt. Immer wieder kommt es in Nigeria zu Spannungen und gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen den Religionsgruppen.

Seit einiger Zeit gibt es im Bistum Aachen ein Programm für ausländische Priester, die „eingeschränkte seelsorgerische Aufgaben“ übernehmen. Sie werden vom Bistum bezahlt und bekommen bei Bedarf auch finanzielle Unterstützung für Sprachkurse. Außerdem gibt es Fortbildungen in deutscher Pastoral (Predigen etc.).

Ihr Einsatz ist zeitlich befristet und nur in Gemeinden vorgesehen, in denen es andere Geistliche als Ansprechpartner gibt. Nach Angaben des Bistums Aachen gibt es für das Programm viele Anfragen, 90 Prozent werden abgelehnt.

Eine Urlaubsvertretung in einer Gemeinde in Baesweiler bei Aachen – zu der es wieder durch Kontakte gekommen war – brachte die Lösung. Ein Vertreter des Bistums besuchte den Nigerianer in Baesweiler und erfuhr von der schwierigen Situation in Salzburg. „Ich habe ihn gefragt, ob es möglich sei, im Bistum Aachen tätig zu sein und meine Promotion weiterzuführen“, erzählt der Geistliche.

Sein Bischof und Aachens Oberhirte Heinrich Mussinghoff einigten sich, und seit dem 1. April 2011 ist Oliverdom Osinachim Oguadiuru, der nun an der Uni Bochum promoviert, offiziell im Dienst des deutschen Bistums. Eine Unterstützung, die in Zeiten des massiven Priestermangels hierzulande besonders willkommen sein dürfte.

In Deutschland gibt es eine andere Kirchen-Situation als in der Heimat

Für die Zeit seiner Promotion, etwa drei bis vier Jahre, wird er nun eine Wohnung direkt an der Kirche St. Cornelius in St. Tönis bewohnen und sich mit um die Mitglieder der großen GdG Kempen-Tönisvorst kümmern. In Deutschland ist er mit einer völlig anderen Kirchen-Situation konfrontiert, als er sie aus seiner afrikanischen Heimat kennt: „Bei uns zuhause sind die Kirchen nicht voll – sie sind übervoll.“ Der Glaube in seiner Heimat sei noch sehr stark und sehr lebendig.

Ein äußeres Zeichen dafür ist der Vorname des Geistlichen: Oliverdom setzt sich aus den Heiligennamen Oliver und Dominikus zusammen. Der heilige Oliver wird vor allem in Irland verehrt. „Meine Heimatregion ist von den Iren missioniert worden“, erklärt der nigerianische Pfarrvikar am Niederrhein.

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