Die Hans Brocker KG hat sich in rund 50 Jahren zu einem der größten Lieferanten im Land entwickelt.

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Orange auf Blau: Hier werden Mini-Möhren in Handarbeit sortiert.

Orange auf Blau: Hier werden Mini-Möhren in Handarbeit sortiert.

Dohmen

Orange auf Blau: Hier werden Mini-Möhren in Handarbeit sortiert.

Niederrhein. Mario Brocker (35) ist ein vielbeschäftigter Mann. Der Sohn des Schiefbahner Möhrenproduzenten Hans Brocker ist als gelernter Landwirt für den Anbau und die Ernte des Gemüses zuständig. Was im gerade zu Ende gegangenen Jahr angesichts der ständig wechselnden Witterung mit ziemlich viel Stress verbunden war. Mal mussten Erntetermine wegen einsetzenden Regens verschoben werden, mal machte Hitze eine plötzliche Nachtschicht mit den sechs modernen Erntemaschinen notwendig. Schließlich soll das Gemüse immer schön knackig vom Feld kommen. „Dafür ist ein enormer logistischer Aufwand notwendig“, sagt Mario Brocker.

„Wir arbeiten hier in Schichten von zweimal zehn Stunden.“
Josef Deselaers, einer der Geschäftsführer der Hans Brocker KG

Bei Josef Deselaers laufen nach der Ernte die Fäden zusammen. Der 52-jährige Familienvater (drei Kinder) ist einer von vier Geschäftsführern der Hans Brocker KG, die sich seit ihrer Gründung vor 49 Jahren zu einem der größten Möhrenlieferanten Deutschlands entwickelt hat. Pausen kann man sich im Betrieb nicht leisten. „Wir arbeiten hier in Schichten von zweimal zehn Stunden“, sagt Deselaers.

Das Herz der KG schlägt in Schiefbahn-Niederheide. Rund 40 Landwirte aus dem gesamten Rheinland liefern hier ab Juni in zehn Erntemonaten ihre konventionell erzeugten Möhren ab. Mario Brocker ist nur einer von ihnen. Allerdings der Größte: Knapp die Hälfte des Anbaus, der in der KG verarbeitet wird, kommt von seinen Feldern.

Rechts die „normalen“, links die Bio-Möhren

Die Fahrer der riesigen Schlepper, die in die überdachte Anlieferungsstraße zwischen den Hallen einbiegen, müssen genau auf die Produktionslinien achten: Denn auf der rechten Seite werden ausschließlich die „normalen“ (also konventionell angebauten) Möhren verarbeitet, auf der linken Seite die Bio-Möhren. „Das wird streng getrennt“, hebt Deselaers hervor. Was schon für die Produzenten gilt: Die rund 40 Bio-Landwirte, die bei Brocker ihre Möhren anliefern, sind andere als ihre 40 konventionell arbeitenden Kollegen.

In die Hallen hinein rattern die Transportbänder: Schier endlos ergießt sich der Möhrenstrom in drei riesige Waschmaschinen. „Jeweils drei Tonnen passen da rein“, verrät Deselaers, während er beiläufig eine auf den Boden gefallene Möhre aufhebt und entsorgt.

Matthias Brocker hatte mit dem Möhrenanbau in Schiefbahn begonnen. Sohn Hans übernahm den Betrieb 1962 und baute ihn immer weiter aus. Mittlerweile hat sich der 69-Jährige aus der aktiven Firmenleitung zurückgezogen, schaut aber immer wieder nach dem Rechten. Die Geschäftsführung liegt heute in den Händen von Hans-Jürgen und Mario Brocker, Josef Deselaers und Johannes Blum.

Die Hans Brocker KG arbeitet mit einem Verbund von rund 40 Landwirten zusammen, die auf etwa 1000 Hektar Fläche jährlich zirka 80 000 Tonnen Möhren produzieren. Etwa die Hälfte der konventionellen Produktion stammt von den eigenen Flächen, die Mario Brocker bewirtschaftet. Rund zehn Monate im Jahr wird Ware aus eigener Produktion angeboten, im April/Mai muss aus dem Ausland zugekauft werden.

Seit 1998 ist der Betrieb in einen konventionellen und einen Bio-Bereich unterteilt. Verpackt werden die Möhren in Beutel, die von einem bis zu 20 Kilo reichen. Weitere rund 40 Landwirte bauen für die KG auf rund 350 Hektar Bio-Möhren an – Tendenz steigend. Die Bio-Bauern kommen aus einem Umkreis von rund 600 Kilometern.

Das Wasser aus der Möhren-Waschanlage wird aufgefangen, in vier Becken gereinigt und zu 98 Prozent wieder verwendet. Auf 13 Hallendächern sind Photovoltaikanlagen zur Stromerzeugung montiert.

Die Zentrale der Hans Brocker KG ist in Schiefbahn (in einem neuen Komplex arbeiten 25 Verwaltungsmitarbeiter). Auch die Produktion ist in dem Willicher Stadtteil. Für die Logistik (24 eigene Lkw) hat das Unternehmen einen neuen Standort in Korschenbroich-Glehn gekauft.

Der Lärm in den Hallen ist nochmals deutlich stärker als draußen. Eine verwirrende Kette aus Transportbändern bringt das Gemüse nach der Wäsche weiter zur maschinellen Sortierung. Danach werden die Möhren gebürstet, anschließend noch einmal von Hand sortiert. Die Mitarbeiter an den Bändern – insgesamt beschäftigt die Hans Brocker KG 250 Frauen und Männer – arbeiten konzentriert und stumm. Da sie alle einen Gehörschutz tragen, sind Unterhaltungen ohnehin schwierig.

Am Ende der Kette werden die Möhren verpackt, auf Paletten geladen und in Kühlhäuser gebracht. Dort hat die Firma viel Platz: „Etwa 35 000 Quadratmeter stehen zur Verfügung“, sagt Deselaers, der zwischendrin übers Handy immer wieder Probleme lösen muss. Bei drei bis sieben Grad und einer Luftfeuchtigkeit von 97 Prozent bleibt die Ware frisch. Gewaschen und verpackt wird sie ohnehin erst kurz vor der Auslieferung. Was nicht sofort in den Handel gehen soll, wird ungewaschen zwischengelagert.

In den Kühlhäusern stehen Bio-Möhren und konventionelle Möhren einträchtig nebeneinander. Große Schilder an der Wand und kleine Aufkleber auf den Kisten lassen aber keine Verwechslungen aufkommen: Gelb bedeutet Bio, Weiß bedeutet konventionell.

Die Verpackungen verraten, wie vielfältig der Kundenstamm ist: Ob Aldi, Netto, Penny oder die Metro-Gruppe – sie alle beziehen die Möhren aus Schiefbahn. An Rewe und Edeka liefert die Firma auch Spezialitäten wie Mini-Möhren.

24 eigene Kühl-Lastwagen sind mit dem orangeroten Gemüse ständig in ganz Deutschland unterwegs. Dafür ist Hans-Jürgen Brocker (40) zuständig, ein weiterer Sohn des Firmengründers – und ein weiterer, vielbeschäftigter Mann.

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