Der Chef des Mönchengladbacher Karnevals-Verbandes, Bernd Gothe, zur Absage der Narrenzüge im Jahr 1991.

WZ: Herr Gothe, wie haben Sie die Absage der Karnevalszüge vor 20 Jahren erlebt?

Bernd Gothe: Wir im Mönchengladbacher Karnevals-Verband waren Anfang 1991 der Meinung, dass es nicht angemessen sei, hier ausgelassen Karneval und unseren Veilchendienstagszug zu feiern, wenn gleichzeitig unsere englischen Mitbürger im Headquarter von Rheindahlen um ihre Angehörigen bangen, die im Golfkrieg kämpften. Aus Mönchengladbach war ja ein Kontingent in die Golfregion verlegt worden.

Wann ist die Absage der Züge beschlossen worden?

Gothe: Mitte Januar auf der Tagung des Bundes Deutscher Karneval in Mainz. Dort ist das Thema bundesweit beleuchtet worden. Jede Region hatte eine Meinung dazu. Die Mainzer verwiesen etwa auf die Amerikaner in Wiesbaden und Frankfurt. Auch sie meinten, man könne nicht Karneval feiern. Schließlich wurde beschlossen, alle großen Züge im Februar ausfallen zu lassen.

„Die Amerikaner haben eine andere Auffassung vertreten als wir.“

Wie ging es Ihnen mit dieser Entscheidung?

Gothe: Persönlich war ich stark involviert. Ich war noch im Dezember 1990 geschäftlich in Bagdad und hatte Einblick in die Situation vor Ort. Das war eine heiße Zeit für mich. Wir haben zu dem Zeitpunkt „Ja“ zu der Entscheidung gesagt und sie mitgetragen.

Kamen Ihnen später Zweifel?

Gothe: Ja, schon Ende Januar 1991 – nachdem die Amerikaner ihren Super Bowl, diese Riesenveranstaltung, trotz des Golfkriegs durchgezogen hatten. Die Amerikaner haben damals eine andere Auffassung als wir vertreten. Das liegt daran, dass ihre Soldaten Berufssoldaten sind. Auch in Gesprächen mit englischen Militärs im Headquarter in Rheindahlen habe ich zwar ein „Danke für eure Solidarität“ gehört, aber wirklich verstanden haben sie die Entscheidung in Deutschland nicht.

Würden Sie die Entscheidung von 1991 aus heutiger Sicht noch einmal so treffen?

Gothe: Nein.

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