Die geänderte Politik in den Niederlanden sorgt für sinkende Fall-Zahlen im Kreis Viersen.

Ein Marihuana-Tütchen und ein Joint: Der „Kiffer-Tourismus“ ist zurückgegangen.
Ein Marihuana-Tütchen und ein Joint: Der „Kiffer-Tourismus“ ist zurückgegangen.

Ein Marihuana-Tütchen und ein Joint: Der „Kiffer-Tourismus“ ist zurückgegangen.

Friso Gentsch

Ein Marihuana-Tütchen und ein Joint: Der „Kiffer-Tourismus“ ist zurückgegangen.

Niederrhein. Jahrelang hat die Nähe zu den Niederlanden für hohe Zahlen in der Kriminalitätsstatistik der Kreispolizei gesorgt. Der Grund: Hunderte von vornehmlich jungen Menschen zog es in die Koffieshops jenseits der Grenze.

Sie versorgten sich mit Cannabis und kamen wieder zurück – Drogenschmuggel nennt das die Polizei. Die Fußstrecke von Nettetal-Kaldenkirchen ins nahe Venlo wurde so zum berühmt-berüchtigten „Drogenpfad“.

Doch damit ist Schluss: Durch eine restriktivere Rauschgift-Politik im Nachbarland machten die Koffieshops dicht. „Der Drogenpfad ist verwaist“, sagte Wilhelm Schwerdtfeger, Leiter der Direktion Kriminalität in Viersen, bei der Präsentation der Kriminalitätsstatistik für 2013 (siehe auch Info-Kasten).

„Beim Rückgang sind wir Spitze.“
Wilhelm Schwerdtfeger, Leiter der Direktion Kriminalität

So sorgt die Nähe zu den Niederlanden nun zwar wieder für beachtliche Zahlen – doch diesmal zur Freude der Ermittler: Lag der Anteil der Rauschgiftdelikte an den Gesamtstraftaten noch im Jahr 2011 bei 16,5 Prozent, so sank er bereits im Jahr 2012 auf knapp elf Prozent und im vergangenen Jahr sogar auf fünf Prozent.

Um eine absolute Zahl zu nennen: Es gab zuletzt einen Rückgang um rund 1300 Fälle beim Cannabis-Schmuggel. Der Anteil der Drogenkriminalität im Kreis Viersen (3,8 Prozent) hat damit ein ähnliches Verhältnis wie im NRW-Durchschnitt (3,6 Prozent). Davon konnten die hiesigen Ermittler noch vor wenigen Jahren nur träumen.

Insgesamt zählte die Polizei im Kreis rund 16 500 Straftaten – so wenige wie seit fast einem Vierteljahrhundert nicht mehr. Im Vergleich zum Vorjahr gab es einen Rückgang von mehr als 18 Prozent, in Relation zum Zehn-Jahres-Schnitt sogar um 22,5 Prozent.

Aufklärungsquote hat sich verschlechtert

Auch bei den „Leistungserschleichungen“ – gemeint ist Schwarzfahren – und Ladendiebstählen sanken die Zahlen um mehr als 300 bzw. 191 Fälle. „Beim Rückgang sind wir Spitze“, so Schwerdtfeger.

Einen weiteren Tiefstand verzeichneten die Statistiker bei der sogenannten Kriminalitätshäufigkeitszahl: Wie viele Straftaten gab es auf 100 000 Einwohner? 5500 waren es im Jahr 2013 (2012: 6713). Ganz NRW liegt seit Jahren bei über 8000.

Einen Wermutstropfen bringt diese Entwicklung für die Kreispolizeibehörde allerdings mit sich: Es haben genau die Delikte abgenommen, bei denen die Aufklärungsquote besonders hoch war. Heißt im Umkehrschluss: Die Quote ist schlechter geworden. 50,2 Prozent im vergangenen Jahr stehen 54,3 Prozent im Jahr 2012 gegenüber.

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