Die Krankenhäuser im Kreis setzen auf Spezialisierung. Daher drohen auch kleinen Häusern keine Schließungen.

Kreis Viersen. Allen politischen Unkenrufen zum Trotz: Im Kreis Viersen sind Schließungen von Krankenhäusern vorerst nicht zu erwarten, obwohl von den fünf Häusern drei unter der vom Patientenbeauftragten der Bundesregierung Laumann genannten kritischen Grenze von 200 Betten liegen. Die Kliniken im Kreis haben zum Teil schon vor Jahren begonnen, mit Spezialisierungen und Kooperationen Strategien zu entwickeln, die ihr Profil schärfen und die Überlebenschancen erhöhen.

Städtisches Krankenhaus Nettetal

Das Krankenhaus liegt knapp unter 200 Betten. Aber es gilt als Musterbeispiel für ein wirtschaftlich gut geführtes Haus mit klarem Profil. „Wir haben einen gastroenterologischen Schwerpunkt. In dem Bereich sind wir mit Geräten ausgestattet wie eine Großklinik“, sagt Pflegedienstleister Norbert Peffer. Gelenkchirurgie und Palliativmedizin seien zwei weitere Spezialisierungen. Außerdem sei das Krankenhaus mit den niedergelassenen Ärzten sehr gut vernetzt.

Allgemeines Krankenhaus Viersen

Das AKH ist mit 325 Betten das größte Krankenhaus im Kreis. „Wir liegen über der kritischen Größe. Trotzdem haben wir vor Jahren begonnen, unsere Schwerpunkte aufzubauen. Dazu gehören die Kardiologie, die Pneumologie und Bronchialheilkunde und die Bauchchirurgie“, sagt Geschäftsführer Kim-Holger Kreft. In die Krankenhausreform setzt der AKH-Geschäftsführer keine großen Hoffnungen. „Ehrlich gesagt ist das eine Mogelpackung: Auf der einen Seite wird Geld für Pflegekräfte bereit gestellt. Auf der anderen Seite wird den Krankenhäusern aber zukünftig Geld entzogen, beispielsweise über den Wegfall des Versorgungszuschlags.“

St. Irmgardis-Krankenhaus Süchteln

St. Irmgardis ist das zweitkleinste Haus im Kreis. Falls die Geriatrie wie geplant kommt, ist auch die Süchtelner Klinik gut aufgestellt. „Dann wird auch unsere Bettenzahl von derzeit 144 noch einmal aufgestockt“, sagt Sprecherin Sigrid Baum. Mit der altersmedizinischen Fachabteilung richte man das Haus am zukünftigen Bedarf aus. Das katholische Krankenhaus gehört zu 51 Prozent der St.-Franziskus-Stiftung in Münster, die 13 Krankenhäuser führt. „Das ist ein starker Verbund, in dem wir von dem Know-How-Transfer profitieren“, sagt Baum. Süchteln sei außerdem für seine Handchirurgie über die Region hinaus bekannt.

Hospital zum Heiligen Geist Kempen

Außerhalb der kritischen Bettenzahl liegt auch das Hospital zum Heiligen Geist in Kempen. Es gehört zur Artemed-Gruppe, der zehn Kliniken in Deutschland angehören. „Neben der Grund- und Regelversorgung erbringen wir Spitzenleistungen in der Wirbelsäulen-, der Unfall- und orthopädische Chirurgie sowie in der Gefäßmedizin“, sagt Klinikleiter Thomas Paßers. Die Krankenhausreform sieht er ähnlich kritisch wie der AKH-Geschäftsführer.

Krankenhaus Maria Hilf Tönisvorst

Das Krankenhaus Maria Hilf-in Tönisvorst ist mit 82 Betten das kleinste im Kreis. Allerdings steht es nicht allein im Wettbewerb. Es gehört zu den Alexianern, die wiederum in Krefeld das große Maria-Hilf-Krankenhaus mit 554 Betten betreiben. Es werde eine Verbundlösung beider Häuser angestrebt, sagt Michael Wilke, Geschäftsführer der Alexianer. Dann könnte man beispielsweise eine weniger akute Fachrichtung in Tönisvorst unterbringen. Wilke verspricht sich von der Krankenhausreform wenig. „Es ist hübsch, dass die Bundesregierung 660 Millionen Euro über drei Jahre für Pflegekräfte bereit stellt, aber faktisch sind diese Pflegekräfte nicht vorhanden.“

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