Amern Leichenfund
Am 18. Januar wurde in Schwalmtal-Amern die Leiche der 73-jährigen Rentnerin gefunden. (Foto: Archiv)

Am 18. Januar wurde in Schwalmtal-Amern die Leiche der 73-jährigen Rentnerin gefunden. (Foto: Archiv)

Heike Ahlen

Am 18. Januar wurde in Schwalmtal-Amern die Leiche der 73-jährigen Rentnerin gefunden. (Foto: Archiv)

Schwalmtal. Der Mord an der todkranken Rentnerin Margret J. (73) scheint aufgeklärt. „Wir sind uns sehr sicher, dass die Tat so abgelaufen ist“, sagt Michael Götze, der Leiter der Mordkommission. Demnach sind der Stiefenkel der Toten, Marco B. (20) und sein Freund Sascha B. (ebenfalls 20) die Täter. Staatsanwalt Stefan Lingens wertet die Tat als „gemeinschaftlichen Mord“. Die Mordmerkmale seien Habgier, Ermöglichung und Verdeckung einer Straftat. Desweiteren wird die Anklage noch auf Raub mit Todesfolge und versuchten Einbruch lauten.

Die Jugendkammer muss dann die Entscheidung fällen, ob die beiden Heranwachsenden wegen einer möglichen Entwicklungsverzögerung noch nach dem Jugendstrafrecht oder schon wie Erwachsene belangt werden können. Das Jugendstrafrecht sieht als Höchststrafe zehn Jahre vor, das Erwachsenenstrafrecht lebenslänglich, also 25 Jahre.

Auf die Spur von Marco B. Waren die Täter sehr schnell gekommen. „Als wir den Tatort sahen, war uns klar, dass der Täter kein völlig Fremder sein konnte, sondern Ortskenntnis haben musste“, sagt Götze. Marco hatte bis 2006 mit seiner Mutter auf dem gleichen Grundstück gelebt wie sein Opa und die jetzt ermordete Margret J. Eine Tochter des Mordopfers berichtete, man sei dann im Streit auseinander gegangen.

Davon, dass sie Marco B. vergangene Woche Donnerstag am Grundstück gesehen hatte, hatte sie den Ermittlern sofort berichtet. Sie habe ihn gefragt, was er wolle, und er habe geantwortet: „Ooch, mal nach Oma sehen.“ Sie habe ihn dann weggeschickt und gesagt: „Oma ist im Krankenhaus.“ Und trotzdem habe sie ein „ganz komisches Bauchgefühl“ gehabt. Als die Ermittler bei ihm vorstellig wurden, „nannte B. uns ein Alibi, ohne dass wir ihn überhaupt danach gefragt hätten“, erzählt Götze. Er habe bei seinem Freund Sascha B. übernachtet. Sascha B. wiederum bestritt zunächst vehement, Marco – mit dem er schon gemeinsam zur Grundschule ging – überhaupt zu kennen. Als seine Mutter aber bestätigte, beide jungen Männer um 6.30 Uhr in der Wohnung gesehen zu haben, räumte er die Bekanntschaft ein.

Und nannte einen dritten jungen Mann. Mit dem gemeinsam sei man am Dienstagvormittag nach Mönchengladbach gefahren und habe versucht, den erbeuteten Asus-Laptop und den Schmuck der alten Dame zu verkaufen. Für den Laptop erhielten die Männer 50 Euro, für den Schmuck fünfzehn. Weil sich der Verkäufer zur Sicherheit Marcos Ausweis fotokopierte und die drei Männer auch einwandfrei identifizierte, folgten dann Geständnisse.

Der dritte Mann habe nicht gewusst, wie die beiden in den Besitz von Schmuck und Laptop gekommen waren. Geständnisse und Spurenlage stimmten überein, so die Ermittler. Demnach haben sich die beiden über ICQ im Internet verabredet, in das leer geglaubte Häuschen einzubrechen. Marco B. war überzeugt, „Oma“ sei im Krankenhaus. Als sie zwischen 3 und 3.30 Uhr in der Nacht vorsichtshalber am Fenster rappelten, ging Licht an und die alte Dame kam ans Fenster. Die Täter haben sich dann zu einem Schuppen zurückgezogen und beratschlagt.

Sie kamen zu dem Schluss, „die Frau einfach umzuhauen“, so Götze. Warum sie dann aus dem Schuppen noch einen Hammer mitnahmen, dazu machen sie keine Angaben. Sie klingelten, Margret J. öffnete. Marco soll sie dann nach hinten umgeworfen haben. Sein Freund sagt, Marco habe sie dann gewürgt. Später soll Sascha B. die „Bewachung“ der alten Dame übernommen haben.

Mit der Hand auf ihrem Mund wollte er verhindern, dass sie schreit, während Marco das Haus durchsuchte. Ob Margret J. durch Würgen oder Ersticken starb, darüber gibt das vorläufige Obduktionsergebnis noch keinen Aufschluss. Während Sascha B., Hartz-IV-Empfänger, ein völlig unbeschriebenes Blatt ist, bezeichnete Götze Marco als ein Paradebeispiel für eine „misslungene Jugend“: Schulabbruch nach der achten Klasse, aus dem Berufsgrundschuljahr wegen Disziplinlosigkeit geflogen.

Danach Ladendiebstähle und Rollerklau – immer mit sehr schlechten Prognosen durch die Ermittler. „Bei ihm wundert es kaum, dass das einmal so endete“, sagt Götze. Margret J. hätte mit ihrer Krebserkrankung höchstens noch einige Monate zu leben gehabt. Für 65 Euro wurden ihr die nun genommen.

Täter Marco B. und Sascha B. sind beide 20 Jahre alt und wohnen in Schwalmtal. Ermittler Die Mordkommission besteht aus 21 Beamten aus Viersen und Mönchengladbach. Chef-Ermittler Götze lobt die gute Zusammenarbeit Hammer Nach dem Hammer, den die jungen Männer aus dem Schuppen mitnahmen, suchten am Donnerstag Taucher in einem Weiher auf einem Nachbargrundstück.

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