Der erste Beigeordnete, Armin Schönfelder, sieht eine „Verschlechterung der Versorgung der Nettetaler“.

Nettetal. Die Ankündigung des Gesundheitsnetzes Viersen (GNV), die Notdienstpraxis im Städtischen Krankenhaus Nettetal Ende März zu schließen, stößt in der Stadt und im Krankenhaus auf Kritik. Erster Beigeordneter Armin Schönfelder ist empört darüber, dass die Schließung lediglich über die Medien mitgeteilt wurde. „Das ist schlechter Stil und im Ergebnis eine Verschlechterung der Versorgung unserer Bürger“, sagte Schönfelder ungehalten. „Das werden wir hausintern ebenso wie politisch diskutieren.“

Auch der Geschäftsführer des Krankenhauses ist verwundert

Verwundert äußerte sich auch der Geschäftsführer der Krankenhaus GmbH, Jörg Schneider. Auch er hatte bisher keinen Hinweis von den niedergelassenen Ärzten erhalten, dass die Notdienstpraxis aufgegeben wird. „Wir hatten im Vorfeld der Entscheidung überhaupt keine Chance, uns zu äußern. Ich finde das sehr bedauerlich“, erklärte Schneider. Die Notfallpraxis sei ein „gutes Modell“, weil damit Bürger in der Stadt und der unmittelbaren Umgebung gut versorgt werden.

Das hat die GNV seinerzeit auch so gesehen. „Mit der Einrichtung der Notdienstpraxis in Nettetal ist die medizinische Versorgung für alle Nettetaler und Grefrather entscheidend verbessert worden. Notfälle können direkt an den zuständigen Bereich im Krankenhaus weitergeleitet werden“, heißt es in einem Pressebericht von Januar 2008, der bis heute auf der Internetseite der GNV steht.

Patienten müssen sich auf längere Wartezeiten einstellen

„Das hat sich im Prinzip nicht geändert, nur die Patienten sind älter und der Bedarf größer geworden als damals“, sagt Schneider mit einem Anflug von Ironie. Nach seiner Einschätzung wird die Notdienstpraxis „halbwegs wirtschaftlich“ betrieben.

Schneider teilt auch die Kritik von Dr. Jochen Post, der auf Kreisebene für die Ärztekammer die Schließung wohl als einziger Mediziner abgelehnt hatte. „Wir werden keinen Patienten abweisen, weil wir das nicht dürfen. Die Notdienstpraxis hat aber einen anderen Auftrag als das Krankenhaus. Sie ist die ärztliche Betreuung für kleinere gesundheitliche Einschränkungen, wir haben den Versorgungsauftrag für die stationäre Betreuung kranker Menschen.“ Schneider rechnet künftig an manchen Tagen mit „längeren Wartezeiten“ an der Zentralen Patientenaufnahme. Die Notdienstpraxis ist in der Regel nur mittwochs und am Wochenende besetzt. „Aber dann ist da vorne häufig auch richtig was los“, sagt er.

Das Krankenhaus steht künftig vor einem Dilemma. Es darf keinen Patienten wegschicken, andererseits darf es aber auch nicht Patienten behandeln, die in die Notdienstpraxis gehören. Und mancher Bürger wird endgültig verärgert sein, wenn er erfährt, dass die Krankenhausärzte keine Rezepte ausstellen dürfen. „Dass wir wirklich überhaupt nicht vorher informiert wurden, finde ich sehr misslich“, sagt Schneider bedauernd.

Armin Schönfelder, der als Vertreter der Stadt Mit-Geschäftsführer der Krankenhaus GmbH ist, wird deutlicher. „Vor einigen Jahren hieß es, der Standort sei hervorragend für eine Notdienstpraxis. Wir wundern uns daher, dass man sich jetzt aus dem Hinterausgang herausschleicht. Für die Bürger ist das auf keinen Fall eine Verbesserung.“

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer