Immer mehr Tiere und Pflanzen am Niederrhein sind durch Müll, illegale Bejagung und streunende Hunde gefährdet.

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Ornithologe Helmut Klein mit einem ausgestopften Habicht. Die Tiere waren früher am Niederrhein weit verbreitet.

Ornithologe Helmut Klein mit einem ausgestopften Habicht. Die Tiere waren früher am Niederrhein weit verbreitet.

Burghardt

Ornithologe Helmut Klein mit einem ausgestopften Habicht. Die Tiere waren früher am Niederrhein weit verbreitet.

Niederrhein. Wo sind sie geblieben, die Vögel, die Schmetterlinge? „Leider sind bei uns am Niederrhein manche Tier- und Pflanzenarten gefährdet oder ausgestorben“, bedauert Biologe Ansgar Reichmann. Anlässlich des weltweiten Tags des Artenschutzes am vergangenen Wochenende nennen Experten ernüchternde, aber auch erfreuliche Beispiele für die Region zwischen Venlo und Krefeld.

„Autofahrer müssten eigentlich sofort merken, was sich verändert hat“, meint Reichmann. Wenn der Leiter der Biologischen Station Krickenbecker Seen durchs Tal der Narew in Polen fährt, hat er „ruckzuck die Windschutzscheibe voller Insekten“. Anders als noch vor ein paar Jahrzehnten könne man aber am Niederrhein in der warmen Jahreszeit stundenlang fahren und habe „nur ein paar Mücken und Fliegen auf der Scheibe“. Und genau das sei ein „Merkmal für den Rückgang der Artenvielfalt“.

„Viele Hundehalter sind unbelehrbar.“
Ansgar Reichmann, Leiter Biologische Station Krickenbecker Seen

Als typisches Beispiel gilt unter Biologen das Lammkraut, auch Lämmersalat genannt: Früher auf hiesigen Äckern heimisch, lockte das Kraut Insekten wie Schmetterlinge an, von denen sich Vögel wie der Neuntöter ernährten. „Durch intensive Landwirtschaft ohne Hecken ist der Lämmersalat nahezu verschwunden, in der Folge auch manche Insekten- und Vogelart, so der Neuntöter“, bilanziert Reichmann.

Für den Artenschwund am Niederrhein machen Naturschützer neben intensiver Landwirtschaft, Überdüngung, Angelsport und Zerstörung von Lebensräumen vor allem den vielen Müll in der Natur verantwortlich. Der Ornithologe Helmut Klein kritisiert zudem kriminelle und uneinsichtige Zeitgenossen: „Der Habicht ist durch illegale Bejagung, oft durch Fallen, selten geworden, und den Rebhuhn-Bestand gefährden freilaufende Hunde.“

Das sieht auch Reichmann so: „Viele Hundehalter sind unbelehrbar, leinen die Tiere nicht mal im Naturschutzgebiet an.“ So sei der Uhu, gerade erst hier aufgetaucht, schon wieder gefährdet, weil er im Flachland am Boden brüte und die Küken gefundene Fressen auch für streunende Hunde seien.

Manche Schutzmaßnahmen haben sich als erfolgreich erwiesen

Immerhin stößt Markus Heinen vom Nabu Krefeld-Viersen bei seinen Forschungen über den Säugetierbestand auf positive Überraschungen: „Die Kleinwühlmaus hatte ich hier gar nicht erwartet.“

Reichmann nennt als erfreuliche Entwicklungen Sichtungen von Biber, Wels und Rohrdommel im Bereich der Nette: „Manchmal lässt sich eben gegensteuern, indem wir Schutznahmen für Naturräume einrichten, auch mit den Niederländern zusammen.“

So sei im Naturschutzgebiet Lüsekamp ein Vogel beobachtet worden, der viele Jahre hier als ausgestorben galt: der Neuntöter, der seine Beute, etwa große Insekten, auf Dornen aufspießt. Reichmann: „An einem extensiv bewirtschafteten Ackerprojekt mit Hecken wächst wieder der Lämmersalat, viele Insektenarten sind zurückgekommen und schließlich auch der Neuntöter.“

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