Das Drama vom Sonntag hat die 15 000-Einwohner-Gemeinde bis ins Mark erschüttert. Bürger können sich in ein Kondolenzbuch eintragen. Heute werden die Obduktionsergebnisse erwartet.

Das Drama vom Sonntag hat die 15 000-Einwohner-Gemeinde bis ins Mark erschüttert. Bürger können sich in ein Kondolenzbuch eintragen. Heute werden die Obduktionsergebnisse erwartet.
Anwohner haben Lichter vor dem Haus aufgestellt, an dem am Sonntag drei Menschen gestorben sind.

Anwohner haben Lichter vor dem Haus aufgestellt, an dem am Sonntag drei Menschen gestorben sind.

Paul Offermanns

Anwohner haben Lichter vor dem Haus aufgestellt, an dem am Sonntag drei Menschen gestorben sind.

Niederkrüchten/Mönchengladbach. Nachdem die Nachricht vom blutigen Familiendrama mit drei Toten wie ein Lauffeuer durch den Ort Niederkrüchten gelaufen ist, macht die Gemeinde einen Tag später den Eindruck, als sei sie zu Asche zerfallen. „Es fühlt sich fast so an, als sei die Zeit stehen geblieben“, sagt der parteilose Bürgermeister Kalle Wassong.

Er wohnt unweit des Zweifamilienhauses, in dem nach ersten Ermittlungen der Mordkommission am Nachmittag des zweiten Advent ein 43-jähriger Mönchengladbacher seine 45-jährige ehemalige Lebensgefährtin und ihren 17-jährigen Sohn erschossen hat und anschließend die mitgebrachte Pistole gegen sich selbst richtete.

„Der Täter hatte einen Waffenschein. Die Waffen bewahrte er vorschriftsmäßig auf.“
Angaben der Polizei

Wassong hat eine unruhige Nacht hinter sich. Die große Hilflosigkeit, die hohe Betroffenheit, die er bei den Einwohnern spürt, die fühlt er selbst auch. Der Bürgermeister kam gerade von einer Awo-Veranstaltung, war auf dem Weg zu einem Konzert, als er von dem Familiendrama in seiner Gemeinde erfuhr. Während Notfallseelsorger im Feuerwehrhaus, fernab vom Tatort, mit den Angehörigen sprachen, kam er dazu. „Ich habe meine Anteilnahme ausgesprochen und die Hilfe der Gemeinde angeboten.“ Zwei minderjährige Kinder hinterlässt die 45-Jährige, sie befanden sich zum Zeitpunkt der Tat bei ihrem leiblichen Vater.

Blumen und Kerzen haben Nachbarn und Freunde aber auch Wildfremde vor dem Haus niedergelegt; gestern Abend war vieles abgeräumt. Wenig später standen neue Kerzen vor dem Haus.

Die Polizei machte gestern keine weiteren Angaben zu der Beziehungstat, will sich erst heute äußern, wenn die Obduktionsergebnisse vorliegen. „Wir können am Dienstag wahrscheinlich mehr sagen“, erklärte Polizeisprecher Jürgen Lützen. So viel ist sicher: Nach bisherigen Erkenntnissen war der 43-Jährige begeisterter Sportschütze. Er war im Besitz eines Waffenscheins und durfte legal Kurz- und Langwaffen besitzen. Er bewahrte die Waffen „vorschriftsmäßig“, wie es vonseiten der Polizei hieß, zu Hause in einem separaten Waffenschrank auf, Waffen und Munition getrennt voneinander. In Mönchengladbach war der 43-Jährige in einem Sportschützen-Klub aktiv. Zeitweise gingen die Mitglieder dem Schießsport in Wegberg und zuletzt in Aldenhoven bei Düren nach. Demnächst will der Verein in Mönchengladbach trainieren. Die 45-Jährige hatte die Beziehung mit dem Mann vor wenigen Wochen beendet. Die gemeinsame Wohnung in Niederkrüchten hatte der ehemalige Lebensgefährte – seit Mai 2013 waren die beiden ein Paar – verlassen. Nachbarn hatten sich am Tattag noch gewundert, dass sie sein Auto vor dem Haus gesehen hatten.

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