Gezeter prägt die Diskussion im Ausschuss um die neue Doppelsporthalle an der Revansstraße in Kaldenkirchen. Für 100 000 Euro wird nun doch ein Aufzug eingebaut. Unklar sind die Gesamtkosten.

NETTE-BETRIEB
In sechs Wochen soll die Zweifachturnhalle in Kaldenkirchen fertig sein. Im Ausschuss wurde über das Projekt heftig gestritten.

In sechs Wochen soll die Zweifachturnhalle in Kaldenkirchen fertig sein. Im Ausschuss wurde über das Projekt heftig gestritten.

Kurt Lübke

In sechs Wochen soll die Zweifachturnhalle in Kaldenkirchen fertig sein. Im Ausschuss wurde über das Projekt heftig gestritten.

Kaldenkirchen. Ungelöst blieben etliche Fragen um die Finanzierung der neuen Doppelturnhalle an der Ravensstraße nach der peinlichen Sitzung des Ausschusses Nette-Betrieb am Dienstagabend. Hitzige Wortgefechte und niveauloses Gezeter prägten die Diskussion, die zeitweise an persönliche Beleidigungen grenzte.

„Die politische Verant- wortung übernimmt die Verwaltung.“

Armin Schönfelder, Beigeordneter, zum Vorwurf von Politikern, der Aufzug sei gestrichen worden, ohne den Ausschuss zu informieren

Das Ende vom Lied: Die Finanzierung des behindertengerechten Aufzugs scheint gesichert, aber kaum einer blickt durch, wie es um die Gesamtfinanzierung der Halle und um Zahlungen des Fördervereins steht.

Der Gipfel waren die Schimpfkanonaden: „Das treibt einen in den Wahnsinn“, klagte Hajo Siemes (WIN) über die langatmige Debatte. Und „Blödsinn“ nannte er Ingo Heymanns (CDU) ausufernde Ausführungen. Das brachte ihm eine Rüge des Ausschussvorsitzenden Günter Werner (CDU) ein, der selbst kurz zuvor laut vernehmlich gezischt hatte: „So ein Quatsch!“. Kommentar Hans-Willy Troost (FDP): „Eine Schande!“

2,5 oder 3,5 Millionen Euro – was kostet die neue Turnhalle wirklich?

Und darum ging’s: Die Verwaltung bekam ihr Fett weg, weil sie, so die vielfache Kritik, eigenmächtig in der Hallenplanung den behindertenfreundlichen Aufzug gestrichen habe, ohne den Ausschuss zu informieren. Der Erste Beigeordnete Armin Schönfelder: „Die politische Verantwortung übernimmt die Verwaltung.“

2008 beschloss der Stadtrat den Bau der Zweifachturnhalle in Kaldenkirchen, um dem Bedarf des Schul- und Vereinssports zu entsprechen.

Im Frühsommer 2010 wurde an der Ravensstraße am Schulzentrum mit den Arbeiten begonnen. Noch vor Ende dieses Jahres soll die Halle fertig sein.

Im Wirtschaftsplan 2010 wurden für den Bau rund 2,8 Millionen Euro und für 2011 noch einmal 400 000 Euro veranschlagt. Der 2004 gegründete Förderverein Doppelturnhalle Kaldenkirchen wollte 500 000 Euro beisteuern, unter anderem durch Spenden und Aktionen.

In der Öffentlichkeit viel diskutiert wird seit langem der Vorwurf der Kungelei im Umfeld des Fördervereins. Zu den strittigen Fragen gehört, ob die Aufträge etwa für den Architekten hätten ausgeschrieben werden müssen.

Auch auf öffentlichen Druck hin soll der Aufzug nun doch kommen. Als „grobe Zahl“ nannte Schönfelder Kosten von 100 000 Euro, dazu kämen die Auflagen des Brandschutzes. Der Ausschuss stimmte bei nur einer Gegenstimme zu, die Gesamtfinanzierung des Aufzugs nach dem endgültigen Kostenvoranschlag in einer Dringlichkeitsentscheidung schnell zu bewilligen. Auch für aktuell entstandene Mehrkosten – etwa bei der Überdachung – gab es ein Okay.

Die Gesamtkosten für die Halle freilich blieben im Dunkeln; Zahlen von 2,5 bis 3,5 Millionen Euro wurden genannt, je nach Sichtweise. Auf die Kritik von Hans Overhage (ABK), dem Ausschuss lägen eben keine Angaben über die Gesamtfinanzierung vor, lenkte Harald Rothen vom Nette-Betrieb ein, das solle umgehend erfolgen.

Unklar blieb zudem, ob Zahlungen des Fördervereins Doppelturnhalle Kaldenkirchen eingeplant werden können. Er hatte eine Spende von 500 000 Euro zugesagt, woraufhin der Stadtrat 2008 dem Projekt zustimmte. Der Verein wollte, so teilte er schriftlich mit, auch Kosten etwa für Pflasterarbeiten übernehmen.

Bisher ist vom Förderverein noch kein Geld bei der Stadt eingegangen

Laut Schönfelder sind jedoch bei der Stadt Zahlungen „noch nicht verbucht“, Versprechungen aus ehrenamtlichem Engagement seien „nicht einklagbar“. Fazit Hans-Willi Dröttboom (SPD): „Wenn das so weitergeht, dann gute Nacht!“

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