Ein Vlies wurde am Mittwoch auf dem Seeboden versenkt. Das Pilotprojekt soll zeigen, ob so der Algenwuchs gestoppt werden kann.

WASSERSCHUTZ
Ein mit Sand gefülltes Vlies soll helfen, die Wasserpest im De-Witt-See einzudämmen. Kosten: 2500 Euro.

Ein mit Sand gefülltes Vlies soll helfen, die Wasserpest im De-Witt-See einzudämmen. Kosten: 2500 Euro.

Kurt Lübke

Ein mit Sand gefülltes Vlies soll helfen, die Wasserpest im De-Witt-See einzudämmen. Kosten: 2500 Euro.

Leuth. Nötig war’s nicht: „Aus biologischer und ökologischer Sicht ist die so genannte Wasserpest fürs Gewässer sogar gut“, meinte Christian Wagner.

„So wird dem Freizeitwert des Sees Rechnung getragen.“

Christian Wagner, Bürgermeister

Und trotzdem befürwortete der Bürgermeister und Vorsteher des Netteverbandes das Pilotprojekt am De-Witt-See, das er am Mittwochmittag offiziell startete: Ein Bodenvlies wurde ins Wasser eingebracht und soll den Algenwuchs verhindern. „So wird dem Freizeitwert des Sees Rechnung getragen“, sagte Wagner.

Schweres Gerät hatte der Netteverband angefahren: Am Seeufer standen Bagger, Trecker, dazu Seilwinde, große Ketten und etliche Werkzeuge. Wie ein Teppich von der Rolle wurde das beigefarbene Vlies übers Wasser bis zum Steg gezogen, losgelassen – und langsam senkte es sich auf den Grund des Sees. „Das Vlies ist schwer, liegt von selbst unten, verhindert Sonneneinstrahlung auf den Boden, ermöglicht den Gasaustausch, lässt aber keine Wurzeln durch“, erklärte Netteverbands-Geschäftsführer Volker Dietl.

Zwei Jahre lang wird das Vlies jeden Monat überprüft

Lange hatten der Verband und die Stadt, die Fischereigenossenschaft, Wassersport- und Anglerverbände zusammen mit Biologen beraten und getüftelt, um der Wasserpest Herr zu werden. Die nämlich nervte Ausflügler, Angler und Sportler. Die bisher übliche Mahd erwies sich langfristig als zu aufwändig und zu teuer. Im Frühjahr dann die Entscheidung, es auf einer Versuchsfläche mit dem Vlies zu probieren – ein Pilotprojekt, weil es kaum Erfahrungen mit der Methode gibt (die WZ berichtete).

Schwierig dabei, das Vlies ins Wasser zu lassen, ohne dass es knickt oder verrutscht. „Wir haben das Vlies um eine Eisenstange gespannt, ziehen es dann mit Ketten und einer Seilwinde von der Rolle“, erläuterte Gaietano Gagliano das Verfahren. Der Werkstattleiter des Netteverbandes hatte mit seinen Kollegen die Methode entwickelt.

Am Steg des Liegeplatzes hinterm Restaurant am De-Witt-See wurde auf knapp 500 Quadratmetern das Vlies versenkt. Jede der vier Vlies-Rollen wiegt rund eine Tonne, wird durch Aufsaugen des Wassers noch schwerer.

Das so genannte Sandvlies besteht aus einer in Silikon eingeschweißten Sandschicht, die von weichem Vliesstoff umhüllt ist: es ist rund rund einen Zentimeter dick.

 

Das Vlies kostet rund 2500 Euro, die sich Stadt, Netteverband und Sportvereine teilen. Eine mehrmals jährlich durchgeführte Mahd der Wasserpest kostet jeweils 3000 bis 5000 Euro.

 

Das massenhafte Auftreten von Wasserpflanzen wie der so genannten Wasserpest in den Nette-Seen hemmt die Fließgeschwindigkeit der Nette, stört Angler und Wassersportler, vor allem beim Kanupolo.

 

www.netteverband.de

Über zwei Jahre soll laut Dietl das Pilotprojekt laufen. Das Vlies werde monatlich überprüft. Erste Wirkung zeigte es schon am Mittwoch: Der hell schimmernde Teppich sorgte für freie Sicht durchs trübe Wasser, die vielen Fische über dem Grund waren wieder gut zu erkennen.

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