Reptilien und Spinnentiere beeindrucken hunderte Besucher in Haus Seerose. Tierschützer loben vorbildliche Haltung.

AUSSTELLUNG
Tierpfleger Heino Weber mit riesigen Schildkröten bei der Ausstellung in Lobberich.

Tierpfleger Heino Weber mit riesigen Schildkröten bei der Ausstellung in Lobberich.

Joachim Burghardt

Tierpfleger Heino Weber mit riesigen Schildkröten bei der Ausstellung in Lobberich.

Lobberich. Wie hübsch: Die bunte Regenbogen-Boa lag ruhig in der Ecke ihres Terrariums. Die Schlange gehörte mit über 250 anderen Reptilien, Spinnentieren oder Insekten zu den Attraktionen in Haus Seerose an der Steegerstraße.

Hunderte Besucher staunten über die Ausstellung mit exotischen Tieren, die auch skeptische Experten überzeugte.

„Die Besucher sollen zwar staunen, aber wir möchten sie in erster Linie aufklären.“

Heino Weber, Tierpfleger

„Guckt mal die Riesenraupe“, rief ein kleiner Junge seinen Eltern zu und drückte sein Gesicht staunend an die Scheibe. Die Raupe erwies sich als fast bleistiftlanger Schnurfüßer, mit den Tausendfüßern verwandt – gut erklärt auf der Schautafel am Terrarium. „Darum geht es uns ja, die Besucher sollen zwar staunen, aber wir möchten sie in erster Linie aufklären“, sagte Tierpfleger Heino Weber.

Einer Urwaldhalle glich der große Saal: viel Grün, exotische Gewächse, von irgendwo her Tiergeräusche, Vogelgezwitscher. Mittendrin verteilt über 100 Terrarien, größere für Reptilien, kleinere für wirbellose Tiere.

„Beeindruckend, alles artgerecht, der Tierschutz ist berücksichtigt, ordentlich ausgestattet die Terrarien und nur von einer Seite mit Glas offen“, lobte Rene Liedtke aus Lobberich. Der Berater für Artenschutz beim Bundesamt für Naturschutz in Bonn war „angenehm überrascht“.

Kreis-Veterinäramt verbietet das Anfassen der Tiere

Die „Spinnen- und Reptilien-Ausstellung“ ist eine Art Wanderzoo; auf einer Tournee werden in Sälen und Hallen exotische Tiere in Terrarien gezeigt. In Haus Seerose waren 250 Tiere in rund 100 Terrarien zu sehen, darunter Netzpythons, Riesenschildkröten und Vogelspinnen. Dazu wurden Tierfilme gezeigt.

Betreiber der Ausstellung ist Familie Hein aus Lützow in Mecklenburg-Vorpommern; die Familie ist seit Generationen im Schausteller-Gewerbe. Neben der Ausstellung bieten die Heins Vorführungen in Schulen an, haben ein Auffanglager für ausgesetzte oder abgegebene Reptilien.

Das jeweils zuständige Veterinäramt überprüft, meist in Zusammenarbeit mit Reptilienexperten, die artgerechte Haltung und die Einhaltung des Artenschutzgesetzes, kann eine solche Ausstellung verbieten oder Teilverbote aussprechen. In Lobberich wurde laut Veranstalter durchs Kreisveterinäramt das Anfassen von Tieren untersagt.

Auskünfte über die nächsten Ausstellungsorte gibt es bei Familie Hein: Tel. 0177/3412 591, E-Mail: spinnen-ausstellung@gmx.de

Weniger angenehm war den Veranstaltern eine Einschränkung durchs Kreis-Veterinäramt: „Wir dürfen die Tiere hier nicht herausnehmen und anfassen lassen“, sagte Heino Weber. Genau das aber gehört eigentlich zum Konzept der Familie Hein, die den Reptilien-Wanderzoo betreibt. Mitarbeiter Weber: „Manche Leute sind enttäuscht, aber wir können die Entscheidung auch verstehen.“

Riesige Schildkröten im Gehege unter wärmenden Lampen und Geckos in Terrarien lockten besonders Kinder an. „Geckos sind als Terrarientiere beliebt, doch wer jetzt zuhause so ein Tier halten will, der sollte sich erst mal sachkundig machen“, mahnte Weber.

„Ich könnte stundenlang die Regenbogen-Boa beobachten.“

Besucherin

Sachkundig lobten die Lobbericher Experten Sabine und Olaf Helle vom Fachgeschäft „SOS-Spiderworld“ die „sinnvolle Auswahl der Tiere“ und die „vorbildliche Haltung“. Wie Rene Liedtke begrüßten sie das Anfass-Verbot, es vermeide „Stress für die Tiere“. Auch eine junge Besucherin zeigte Verständnis: „Schade, aber auch so spannend. Ich könnte stundenlang die Regenbogen-Boa beobachten.“

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