Mehr als 100 Möhnen reißen im Nettetaler Rathaus fast mühelos die Macht an sich.

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Größtenteils schwarz und alle sehr schick maskiert waren die Möhnen (l.) beim Rathaussturm. Das Prinzenpaar nahm den Stadtschlüssel an sich.

Größtenteils schwarz und alle sehr schick maskiert waren die Möhnen (l.) beim Rathaussturm. Das Prinzenpaar nahm den Stadtschlüssel an sich.

Größtenteils schwarz und alle sehr schick maskiert waren die Möhnen (l.) beim Rathaussturm. Das Prinzenpaar nahm den Stadtschlüssel an sich.

Hohnen, Bild 1 von 2

Größtenteils schwarz und alle sehr schick maskiert waren die Möhnen (l.) beim Rathaussturm. Das Prinzenpaar nahm den Stadtschlüssel an sich.

Lobberich. Voller Erfolg für die Möhnen am Doerkesplatz: Um 16.15 Uhr stürmten die wilden Weiber am Donnerstag das Rathaus und rissen die Macht an sich. So gut wie keine Gegenwehr kam von den Beamten, die vorher große Worte gespuckt hatten und danach fast weinerlich das weiße Tuch hissten.

Schon kurz nach 15 Uhr schien Bürgermeister Christian Wagner zu ahnen, was auf ihn zukommt: „Wahrscheinlich lassen mich wieder alle im Stich. Und unsere Verteidigungsstrategie ist ohnehin nicht besonders gut.“

1. Beigeordnete hat nur sechs Zähne, Bürgermeister trägt Fliege

Als der Erste Beigeordneter Armin Schönfelder, Dezernent für öffentliche Ordnung und Sicherheit, dies hörte, drehte er sich verschämt weg. Schönfelder schien Opfer des städtischen Sparzwangs geworden zu sein – er hatte nur noch sechs schiefe gelbe Zähne im Mund. Seine Krawatte hatten „die Weiber“ auch schon abgeschnitten.

Apropos Krawatte: Christian Wagner trug zu diesem Zeitpunkt schon keinen Schlips mehr, sondern eine weiße Fliege. Ganz schön feige, Herr Bürgermeister! Selbst juristische Mittel konnten den ersten Anwalt der Stadt nicht an der Macht halten, wie er offen zugab: „Bei der Machtübernahme handelt es sich um Gewohnheitsrecht. Dafür gibt es keine rechtliche Handhabe.“

Lautstarker Aufmarsch der Weiber mit Staubfeudeln und Schirmen

Derweil strömten immer mehr teils kostümierte Jecke auf den Rathausvorplatz. Sie alle wollten beim Machtwechsel dabei sein. Für die jungen Narren waren Streetworkerin Marie-Luise Hellekamps und Kollegen da. Sie verteilten Kondome und suchten das Gespräch. „Deeskalation ist angesagt. Für Kontrollen sind Jugend-, Ordnungsamt und Polizei zuständig“, sagte Sozialpädagoge Dirk Engels vom Breyeller Jugendzentrum Oase.

Kurz vor 16 Uhr kamen die Möhnen: Maskiert, mit Schirmen, Staubfeudeln und anderem Gerät bewaffnet forderten sie lautstark Einlass ins Rathaus. Schnell war es vollbracht: Laut jubelnd und mit den Händen zum Himmel liefen die Möhnen zur Machtübernahme ins Gebäude.

Dort gab’s Bier, Musik und gute Laune: „Der Kompromiss, den Rathaussturm von 14.11 Uhr auf 16.11 Uhr zu verlegen, ist in Ordnung. Im letzten Jahr war das zu früh und gegen die Tradition“, meinten zwei Maskierte. Ihr Ziel: „Bierchen im Rathaus trinken und dann durch die Kneipen ziehen.“

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