Der Nettetaler Heiko Lammertz war schon im Kosovo und in Afghanistan. Jetzt geht er in den Südsudan.

Heiko Lammertz
Der Abteilungsleiter Josef Twickler hat Heiko Lammertz (rechts) bereits vor Weihnachten verabschiedet, denn ursprünglich war seine Ausreise noch für Dezember 2013 geplant gewesen, hatte sich jedoch kurzfristig verschoben.

Der Abteilungsleiter Josef Twickler hat Heiko Lammertz (rechts) bereits vor Weihnachten verabschiedet, denn ursprünglich war seine Ausreise noch für Dezember 2013 geplant gewesen, hatte sich jedoch kurzfristig verschoben.

Südsudanesische Soldaten auf Patrouille in der Hauptstadt Juba. Seit Dezember toben schwere Kämpfe.

Polizei, Bild 1 von 2

Der Abteilungsleiter Josef Twickler hat Heiko Lammertz (rechts) bereits vor Weihnachten verabschiedet, denn ursprünglich war seine Ausreise noch für Dezember 2013 geplant gewesen, hatte sich jedoch kurzfristig verschoben.

Nettetal. Eine Schlagzeile, die betroffen machte: „Fast 122 000 Menschen im Südsudan auf der Flucht“ hieß es an den letzten Tagen des vergangenen Jahres. Nach dem Jahreswechsel keimte ein wenig Hoffnung auf Frieden auf.

Doch zunächst gab es eine weitere Hiobsbotschaft: „Friedensgespräche blockiert“. Gestern dann bestätigte ein Rebellensprecher der Nachrichtenagentur dpa, dass sich – drei Wochen nach Beginn der Kämpfe – die Konfliktparteien am Nachmittag erstmals zu direkten Verhandlungen getroffen haben.

„Die eigentliche Mission übernimmt meine Frau.“
Heiko Lammertz über die Tatsache, dass er nun monatelang nicht bei seiner Familie sein kann

Im afrikanischen Südsudan, dem jüngsten Staat der Erde, waren Mitte Dezember schwere Kämpfe zwischen Anhängern des Präsidenten Salva Kiirs und Getreuen seines ehemaligen Stellvertreters Riek Machar entbrannt. In diese Krisenregion wird sich vermutlich schon morgen ein Polizist aus dem Kreis Viersen aufmachen: Heiko Lammertz soll eine Friedensmission unterstützen. Eigentlich war seine Abreise schon vor Weihnachten terminiert gewesen, sie war dann aber kurzfristig verschoben worden.

Für den Mann aus Nettetal-Lobberich, normalerweise in der Viersener Wache beschäftigt, ist es nicht der erste Einsatz dieser Art. 1999 und 2000 war er im Kosovo, 2011 und 2012 in Afghanistan.

Nach Europa und Asien nun also Afrika. Zunächst steht eine Einführungswoche in Uganda auf dem Programm, erst danach wird Lammertz erfahren, mit welchen Aufgaben er in welchem Teil Südsudans betraut werden wird. „Ich vermute, dass ich zunächst im humanitären Bereich eingesetzt werden, also in der Betreuung von Flüchtlingen“, sagt der Polizeioberkommissar im Gespräch mit der WZ. An eine Ausbildung von einheimischen Polizeikräften sei dagegen wohl noch nicht zu denken.

Der Südsudan erlangte im Sommer 2011 die Unabhängigkeit vom Sudan. Nachbarländer sind unter anderem Kenia und Äthiopien. Der aktuelle Konflikt hat auch ethnische Hintergründe: Präsident Kiir gehört zum Volk der Dinka. Er hatte Machar, einen Angehörigen der Nuer, im Juli als Stellvertreter entlassen. Seit Mitte Dezember toben schwere Kämpfe. Viele hundert Menschen kamen ums Leben.

Heiko Lammertz wird zusammen mit weiteren Kollegen aus Deutschland die UN-Mission unterstützen (auch die Bundeswehr ist vor Ort). Eine seiner Aufgaben ist die Zusammenarbeit zwischen Polizei und Bevölkerung.

Der Lobbericher ist sich der Situation vor Ort bewusst, und das betrifft nicht nur die Gefahren durch die bewaffneten Auseinandersetzungen. Im Südsudan sind unter anderem Malaria und Cholera weit verbreitete Krankheiten.

Doch darauf sei er vorbereitet, so Lammertz. „Ich habe alle erforderlichen Impfungen erhalten und kenne auch die entsprechenden Verhaltensempfehlungen. Für eine eventuelle Erkrankung bin ich außerdem medizinisch und sogar intensivmedizinisch ausgebildet und mit einer Vielzahl von Medikamenten ausgerüstet.“

Insgesamt könnte er ein Jahr im Ausland sein

In Deutschland zurück bleiben die Ehefrau, auch sie bei der Polizei tätig, und die beiden Söhne im Alter von zehn und sieben Jahren. Während seiner Mission will der Polizist den Kontakt über Internet und Telefon halten. Außerdem plant er, nach drei Monaten im Einsatz für drei Wochen die Heimat zu besuchen. Insgesamt könnte er ein ganzes Jahr in der Ferne sein.

„Meine Familie kennt das schon“, sagt er. War er während des Kosovo-Einsatzes noch Junggeselle, musste er sich vor der Zeit in Afghanistan schon einmal von seinen Liebsten verabschieden. „Die eigentliche Mission übernimmt meine Frau“, betont er mit Blick auf die kommenden Monate. „Außerdem bekommen wir Unterstützung durch Verwandte und Freunde – ohne sie würde es nicht gehen.“

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