Die Papierbeseitigung ist ein Fiasko. Die beauftragte Firma ist nach Angaben der Stadt „weitgehend ausgefallen“.

Nettetal. Die Papierbeseitigung in der Stadt Nettetal ist ein Fiasko. Vor den noch vorhandenen, seit Tagen hoffnungslos überfüllten Papiercontainern häufen sich Berge aus Papier, Pappe, Karton und allem möglichen anderen Müll. Auch dort, wo Papiercontainer abgebaut wurden, laden Bürger noch unbeeindruckt weiterhin Abfall ab. In der vergangenen Nacht brannten zu allem Überfluss in Kaldenkirchen an der Kanalstraße ein Papiercontainer und an der Bahnhofstraße drei Wertstoffbehälter – nicht zum ersten Mal.

Der Marktplatz in Kaldenkirchen präsentierte sich zu Beginn der Woche wie eine zentrale Müllabladestelle. Ein riesiger Berg aus Papier, Pappe und Karton, durchmischt mit Abfällen aller Art, türmte sich vor der Wertstoffstation. Nach dem Weihnachtsfest war das zu erwarten, zumal Papiercontainer mit dem Jahreswechsel abgebaut werden. Ein Subunternehmer der Firma EGN, der die Papierentsorgung übernommen hat, ist nach Angaben der Stadt weitgehend ausgefallen. Damit blieben an vielen Sammelstellen Berge von Papier und Pappe liegen – wie im Rosental in Lobberich, wo der Gehweg verstopft war.

Verwaltung sieht keine Schuld bei sich

Roswitha Karallus, Leiterin der Nette-Zentrale im Rathaus, glaubt nicht, dass die Umstellung der Papierabfuhr die teils chaotischen Zustände im Stadtgebiet hervorgerufen hat. „Abgebrannte Container sind schon weggeräumt worden. Das gilt für den Parkplatz Biether Straße und Am Kastell in Breyell und auch für den Bereich Weberfeld in Lobberich“, berichtet sie. Etwas „überrascht“ sei man im Rathaus, dass an der Breyeller Straße in Lobberich kein Müll mehr abgelagert wird, seitdem die Container verschwunden sind. Ausgerechnet hier, gegenüber dem Bauhof der Stadt, war der Platz rund um die Container jahrelang in verheerender Weise illegal Müll abgeladen worden. Alle Bemühungen der Stadt dies zu verhindern, blieben ohne Erfolg.

Seitdem bekannt wurde, dass die Stadt die Papiercontainer abschafft, wurden rund 250 blaue Tonnen von Haushalten neu angefordert, weitere 200 baten darum, eine größere blaue Tonne zu bekommen. Das ist nicht mit Kosten für die Bürger verbunden. Bisher waren in der gesamten Stadt rund 12 200 blaue Tonnen an Haushalte ausgegeben worden.

Die Stadt habe früh und umfassend auf die Änderungen hingewiesen, berichtet Roswitha Karallus. „Darüber wurde in den Medien berichtet, außerdem haben alle Haushalte den neuen Abfallkalender erhalten. Schon auf der Titelseite wird auf die Änderungen aufmerksam gemacht. Hinzu kamen Aufkleber an den Papiercontainern, die seit etwa November drauf hinweisen, dass sie verschwinden werden.“ Viele Bürger hätten dies beherzigt. Beschwerden habe es keine gegeben, auch auf der Facebook-Seite der Stadt sei es in dieser Hinsicht sehr ruhig geblieben.

„Wir haben mehrere Bußgeldverfahren in Gang gesetzt.“

Roswitha Karallus, Leiterin der Nette-Zentrale

Beschwerden gab es aus der Bürgerschaft vielmehr wegen der schlimmen Zustände an Wertstoffstationen. Immer wieder meldeten sich Nettetaler, die erbost über die Hinterlassenschaften von Mitbürgern waren. Die Stadt geht nun konsequent vor: „Wir haben mehrere Bußgeldverfahren in Gang gesetzt.“ Zurzeit laufen Anhörungen. Bürger, die im Verdacht stehen, Papier und pappe dort abgeladen zu haben, müssen sich zu den Vorwürfen äußern. In einem Fall ist bereits ein Bußgeldbescheid „über mehrere hundert Euro“ (Karallus) ergangen. Bis zu 500 Euro kann die Stadt geltend machen, das richtet sich nach Menge und Art des illegal abgeladenen Abfalls.

Leicht ist es allerdings nicht, den Nachweis zu erbringen. Ein Adressaufkleber allein reicht nicht. Jeder Karton kann durch mehrere Hände gehen, ehe er auf dem Abfall landet. Inzwischen haben viele Bürger es aber satt. Sie merken sich beispielsweise Kennzeichen von Fahrzeugen und melden dies der Stadt. Auch Mitarbeiter des Ordnungsdienstes achten verstärkt darauf, was an den Containerstandorten geschieht. Denn zwar verschwinden die Papiercontainer, aber die Glasbehälter bleiben im Stadtbild. Ihre Zahl wird allerdings verringert.

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