Der Umwelt-Ausschuss wehrt sich gegen die Kritik von Naturschützern wegen der in Lobberich geplanten Baumfällungen.

POLITIK
24 Pappeln sollen am Nettebruch in Lobberich gefällt werden – darin sind sich Politik und Verwaltung einig. Doch vom BUND und von einer Bürger-Initiative gibt es heftige Kritik an diesem Vorhaben.

24 Pappeln sollen am Nettebruch in Lobberich gefällt werden – darin sind sich Politik und Verwaltung einig. Doch vom BUND und von einer Bürger-Initiative gibt es heftige Kritik an diesem Vorhaben.

Kurt Lübke

24 Pappeln sollen am Nettebruch in Lobberich gefällt werden – darin sind sich Politik und Verwaltung einig. Doch vom BUND und von einer Bürger-Initiative gibt es heftige Kritik an diesem Vorhaben.

Lobberich. Ihr Ende scheint besiegelt, die Pappeln am Nettebruch werden wohl gefällt: „Wir finden keine neuen Aspekte, um das Thema noch mal aufzurollen“, verteidigte Guido Gahlings (Grüne) den Beschluss des Stadtrats, die Bäume zu beseitigen. Diese Entscheidung hatte der Ausschuss für Umwelt- und Klimaschutz mitgetragen. Seitdem laufen Naturschützer Sturm dagegen, zuletzt mit einem Offenen Brief an den Bürgermeister. Ohne Erfolg.

BUND: Fachlich fundierten und unanhängigen Rat suchen

„Dieser Offene Brief hat eine Vorgeschichte“, erinnerte Ausschuss-Vorsitzender Gahlings. Damit am Strandweg am Nettebruch eine kleine Wohnsiedlung gebaut werden kann, sollen „kranke Hybrid-Pappeln“ gefällt werden. Zwar scheint das Bauvorhaben derzeit zu ruhen, aber die 24 Pappeln, von denen zwei akut erkrankt sind, sollen trotzdem alle weg und durch neue Bäume ersetzt werden.

Das rief die „Bürger-Initiative für den Erhalt der Pappeln“ im Kreis Viersen und den BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz) im Kreis Viersen auf den Plan. Dessen Vorsitzende Almut Grytzmann-Meister hatte angemahnt, Nettetaler Politiker sollten „fachlich fundierten und vor allem unabhängigen Rat suchen“ und „nicht so leicht der Verwaltung Glauben schenken“. Denn die Stadt hatte die Fällung befürwortet.

„Die Fällung der hiebreifen Pappeln ist aus ökologischer Sicht kein Problem.“

Stellungnahme Biologische Station Krickenbecker Seen

Den Vorwurf wiesen die Ausschussmitglieder durchweg zurück: „Den Sachverstand haben wir in der Verwaltung“, sagte Ingo Heymann (CDU). Gahlings hatte sich in der ganzen Diskussion „schützend vor Ausschuss und Verwaltung“ gestellt. Er habe in über 20 Jahren in der Politik „hier sehr viel Baum-Sachverstand erfahren“.

Ausschussmitglieder hatten mit Gegnern der Fällung diskutiert. Ergebnis: „Keine neuen Argumente“, so Gahlings. Stattdessen Polemik, gegen die man sich verwahre. Grytzmann-Meister hatte als Beispiel für unabhängigen Rat die Biologische Station Krickenbecker Seen empfohlen. Florian Witter (WIN) indes berichtete, es gebe von der Biostation keine Einwände.

Weil die Fördermittel jetzt erst fließen, konnte das Klimaschutzkonzept für die Stadt Nettetal noch nicht in Angriff genommen werden. Ursprünglich sollte es zusammen mit dem Stadtentwicklungskonzept am Jahresende stehen, nun wird der Prozess wohl bis Ende 2014 dauern. Das Konzept zur erstellen kostet insgesamt 51 000 Euro, dafür gibt es 31 000 Euro Zuschüsse.

Laut Thomas Gieselmann vom Forstbetriebsbezirk müssen am Poelvensee langfristig 200 Eichen entfernt werden. Die meisten sind vom Prachtkäfer befallen und geschädigt. In Abstimmung mit der Biologischen Station werden im Laufe der nächsten zwei Jahre die erkrankten Bäume gefällt und dann der Restbestand neu untersucht.

Der sogenannte Alleen-Radweg auf der alten Bahntrasse zwischen Kaldenkirchen und Grefrath ist an den Rändern durch natürlichen Wuchs schon großenteils dicht begrünt. Zusätzlich werden in den nächsten Wochen rund 400 Sträucher sowie 74 Bäume, davon 33 Ostbäume westlich der Autobahnbrücke, gepflanzt.

Mehrheitlich stimmte der Ausschuss dagegen, die Korbacher Resolution gegen das sogenannte Fracking zu unterzeichnen. Bei diesem umstrittenen Verfahren werden Chemikalien ins Erdreich gepresst, um Erdgas oder -öl zu gewinnen. Statt der Korbacher Resolution soll eine eigene Nettetaler Erklärung gegen etwaiges Fracking im Stadtgebiet erarbeitet werden.

Die Erfassung von Bäumen auf städtischen Flächen außer in Wäldern dauert an. Wie Ewald Meier, beim Nette-Betrieb für Baumschutz zuständig, erklärte, verzögerten teilweise ungeklärte Besitzverhältnisse oder Altersangaben bei Bäumen die Auflistung. Als erstes wurde das Baumkataster für Schaag erstellt, die anderen Stadtteile sollen folgen.

Tatsächlich hieß es von den Experten in Hombergen, man sehe in der Fällung der „hiebreifen Pappeln aus ökologischer Sicht kein Problem“. Für Biologen und Ökologen gehörten Pappeln eh nicht in Feuchtgebiete, Bruchwälder oder an Gewässerufer. Der Strandweg verläuft teils am Ufer des Nettebruchs.

Dass die Seenstadt trotz der geplanten Fällung am Nettebruch eine Pappel-freundliche Stadt sei, hob Gahlings abschließend hervor: Laut Verwaltung hat „Nettetal mehr Pappeln als alle anderen Kommunen im Kreis“.

Die Fällung scheint dringend zu sein: Schon am Mittwoch am späten Nachmittag traf sich Förster Thomas Gieselmann mit einem Unternehmer zwecks Kostenvorschlag für das Abholzen.

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