Weil die Tonschichten im Boden durchlöchert sind, ist die Qualität des Wassers nicht gesichert. Der Investor zieht sich zurück.

MEG-Brunnen
Seit Jahren wurden auf dem Gelände nahe der A 61 Vorbereitungen für den Brunnen getroffen. Nun kann doch nicht gebaut werden.

Seit Jahren wurden auf dem Gelände nahe der A 61 Vorbereitungen für den Brunnen getroffen. Nun kann doch nicht gebaut werden.

Reimann

Seit Jahren wurden auf dem Gelände nahe der A 61 Vorbereitungen für den Brunnen getroffen. Nun kann doch nicht gebaut werden.

Breyell. Das Wasser in Speckerfeld is joot – aber trotzdem wird die Mitteldeutsche Erfrischungsgetränke GmbH (MEG) dort kein Mineralwasserwerk bauen. Das gab die Tochter-Firma des Discounters Lidl am Dienstag bekannt.

Damit sind die Pläne gestorben, Belgien, Luxemburg, die Niederlande und Westdeutschland mit Wasser und Limonaden „Made in Nettetal“ zu versorgen. Geplatzt ist auch der Traum von bis zu 200 neuen Arbeitsplätzen. Und die vage Hoffnung, die MEG könnte vielleicht eines fernen Tages ihre Zentrale aus Weißenfels (Sachsen-Anhalt) nach Nettetal verlegen . . .

„Die löchrige Tonschicht ist ein klares K.-o.-Kriterium“

Jörg Aldenkott, Geschäftsführer

In den vergangenen sechs Wochen hat die MEG einen so genannten Mengen-Pumpversuch auf dem Acker zwischen Bundesstraße 7 und Autobahn 61 südlich der AJL-Tankstelle durchgeführt. Damit sollte der Ernstfall simuliert werden: Ob die drei ins Auge gefassten Quellen genügend Wasser für die spätere Produktion hergeben. Und ob die Qualität einwandfrei ist.

Dass das Wasser im ersten Grundwasserstock (zehn bis 15 Meter Tiefe) in Speckerfeld Nitrate enthält, war allen Beteiligten bekannt. Auch, dass der zweite Grundwasserstock (36-40 Meter) nicht lupenrein ist. Aber nach bisherigen Untersuchungen waren die Experten davon ausgegangen, dass Tonschichten ein Durchsickern verhindern.

Doch nun wurde an den drei Entnahmestellen im dritten Grundwasserstock in 100 Metern Tiefe festgestellt, dass die Tonschichten durchlöchert sind. Damit ist nicht mehr gewährleistet, was die Mineral- und Tafelwasser-Verordnung zwingend vorschreibt: eine geschützte Lage des Mineralwasser-Vorkommens.

„Die Untersuchungen standen ja noch am Anfang. Wir hatten mehrere Ampeln installiert, die nacheinander grünes Licht für die Durchführung des Projekts hätten geben müssen. Dass es nun schon an der ersten Ampel gescheitert ist, überrascht mich auch.“

„Ich bin angenehm überrascht, dass diese Sache nun vom Tisch ist. Der Aufwand und die Risiken, etwa durch den Schwerlastverkehr, standen in keiner Relation zu dem eventuellen Nutzen und den versprochenen Arbeitsplätzen. Wir als Fraktion haben das Projekt von Anfang an kritisch gesehen.“

„Diese Entwicklung ist zutiefst bedauerlich. Nettetal entgeht damit eine moderne, emissionsfreie Industrieanlage, die für viele Arbeitsplätze gesorgt hätte. Wir wussten, dass es ein schwieriges Projekt mit vielen Hürden ist. Dass es an einer nun gescheitert ist, ist sehr schade. Problematisch ist auch, wie es auf dem Gelände jetzt weitergeht.“

„Ich bin total überrascht, dass es jetzt ausgerechnet an der Wasserqualität gescheitert ist. Immer hieß es, dass das Mineralwasservorkommen sehr geschützt liegt und die Qualität außer Frage steht. Dass das nun offenbar doch nicht so ist, wirft viele Fragen auf, die geklärt werden müssen. Schließlich geht es ja auch um die Güte unseres Trinkwassers.“

„Es ist sehr schade, dass das Projekt geplatzt ist und die vielen Arbeitsplätze nun doch nicht zustande kommen. Auch an Gewerbesteuer entgeht der Stadt einiges. Es ist zu hoffen, dass die Rückabwicklung kostenneutral gestaltet werden kann.“

„Ich sehe die Entwicklung mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Für die Wirtschaftsförderung ist die Sache natürlich sehr problematisch, und es ist schade um die Arbeitsplätze – auch wenn 200 wohl ein wenig zu hoch gegriffen war. Andererseits bin ich aber auch erleichtert, dass nun nicht täglich bis zu 200 Lkw durch Lötsch rollen werden, und auch der Gedanke an den riesigen Betonklotz, das Hochregallager, hat mir immer etwas Bauchschmerzen bereitet.“

„Das ist ein absolutes K.-o.-Kriterium, welches den Bau und Betrieb eines Mineralwasserwerkes in Nettetal ausschließt“, sagte MEG-Geschäftsführer Jörg Aldenkott. Langfristig sei die nötige Qualität nicht gewährleistet.

„Das Nettetaler Trinkwasser wird laufend überprüft.“

Christian Wagner, Bürgermeister

Damit ist sechs Jahre nach den ersten Gesprächen ein Projekt gestorben, das große Teile der Politik stets mit Skepsis begleitet hatten (siehe Kasten). Und in das Bürgermeister Christian Wagner große Hoffnungen gesetzt hatte.

Entsprechend betroffen äußerte er sich am Dienstag: „Leider entgeht uns hier eine große Chance, für Nettetal als Industriestandort ein positives Signal zu setzen. Die vergangenen Jahre waren für den Wirtschaftsstandort Nettetal wegen der Verzögerung beim grenzüberschreitenden Gewerbegebiet Venete nicht einfach, so dass wir nun deutlich Nachholbedarf haben.“

Die Stadtwerke fördern das Trinkwasser in drei Werken in Kaldenkirchen (Grenzwald), Lobberich (Marfeld) und Breyell (Speckerfeld). Auswirkungen durch die MEG-Erkenntnisse sieht Wagner nicht: „Das Nettetaler Trinkwasser wird laufend überprüft.“

Zudem gebe es einen grundlegenden Unterschied: Mineralwasser dürfe nicht behandelt, Trinkwasser hingegen aufbereitet werden. Wagner: „Stoffe, die für Mineralwasser ein K.-o.-Kriterium sind, sind kein Problem für Trinkwasser.“

Über die weitere Nutzung des Geländes wird noch entschieden

Kosten sind der Stadt und den Stadtwerken nach Angaben des Bürgermeisters durch das Lidl-Projekt bisher nicht entstanden, „wenn man von der Arbeitszeit der Mitarbeiter und mir absieht“. Alle Verträge, Untersuchungen und Planungen habe MEG bezahlt – insgesamt wohl ein sechsstelliger Betrag.

Wie im Vertrag festgelegt, wird MEG das Grundstück in Speckerfeld wieder an die Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Viersen zurückverkaufen. „Über die weiteren Perspektiven des Geländes werden in den kommenden Wochen unter Einbeziehung der Landesplanung Gespräche geführt werden“, sagt Wagner.

Sprich: Düsseldorf muss zustimmen, wenn das MEG-Areal als Erweiterung des Industriegebiets Speckerfeld genutzt werden soll.

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