Anwohner der Venloer Straße protestieren mit Spruchbändern und Unterschriften gegen die geplante Fällung der Eschen.

POLITIK
An der Venloer Straße sollen Eschen gefällt werden – gegen den Willen der Anlieger.

An der Venloer Straße sollen Eschen gefällt werden – gegen den Willen der Anlieger.

Joachim Burghardt

An der Venloer Straße sollen Eschen gefällt werden – gegen den Willen der Anlieger.

Kaldenkirchen. Angst ist ein Fremdwort für Eric Loll: „Zur Rettung der Eschen riskiere ich gern was, ich wohne schließlich hier.“ Mit seinem Kollegen Joachim Hambücher klettert er am Sonntagmorgen auf Bäume an der Venloer Straße in Kaldenkirchen, um in acht Metern Höhe über der Straße zwei Transparente anzubringen. Helme auf, Seile geprüft, und hoch steigen die Baumkletterer. Gebannt schauen rund 60 Anwohner zu, sie setzen viel Hoffnung in die vorher geheim gehaltene Aktion.

„Wir fühlen uns übergangen.“

Manfred Schmitz, Anwohner

„Das ist eine prächtige Allee, die Stadt darf die Bäume nicht fällen lassen, die meisten sind gesund“, erklärt Pitronella Dammer. Ihre Tochter Birgit nickt, sie hat viele Herzen und Spruchbänder um die Stämme gewickelt: „Wir lieben unsere Bäume.“

Was die Kaldenkirchener auf die Palme, besser gesagt: auf die Esche bringt, sind die Pläne der Stadt, die marode Venloer Straße zu sanieren, dabei die Eschen zu fällen und neue Bäume zu pflanzen (die WZ berichtete). „Wir fühlen uns übergangen, bis jetzt hat’s kein Gespräch mit uns Anliegern gegeben“, klagt Manfred Schmitz.

Er diskutiert mit den Politikern Guido Gahlings (Grüne) und Hajo Siemes (WIN). Die geben sich zurückhaltend: „Möglicherweise muss man neu beraten“, meint Gahlings. Siemes mahnt: „Änderungen der Pläne wären auch eine Kostenfrage.“

Genau das fürchten Anwohner ohnehin: Dass sie Anliegerkosten zahlen sollen für Maßnahmen, die sie nicht wollen. Pitronella Dammer: „Und hinterher fließt hier mehr Verkehr zur Autobahn.“ Über 400 Unterschriften gegen die Fällaktion haben die Baumfreunde bereist gesammelt, nun die Spruchband-Aktion gestartet. Schmitz: „Hoffentlich entfernen die Stadtwerke die Transparente nicht.“

Im September 2011 beschloss der Verkehrsausschuss: Die beschädigte Venloer Straße in Kaldenkirchen soll von Grund auf saniert werden. Die 46 Eschen, von denen einige krank seien, sind zu fällen und durch 34 neue Bäume zu ersetzen. Letzte Woche wurde der Beschluss bestätigt, im Oktober sollen die Bürger angehört, noch in diesem Jahr die Bauarbeiten gestartet werden.

Anwohner der Venloer Straße suchten das Gespräch mit der Stadt. Nachdem das nicht zustande kam, sammelten sie bis jetzt über 400 Unterschriften für den Erhalt der Eschen. Ihr Einspruch bei der Bezirksregierung gegen das Fällen ist noch nicht entschieden.

Mittlerweile hängt das erste Banner: „Diese Allee soll sterben“. Die Protestler versammeln sich darunter, bedanken sich bei den Baumkletterern Loll und Hambücher. Die verschnaufen kurz, bevor sie das zweite Banner anbringen: „Gegen Behördenwillkür“.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer