Für Schüler mit hohem Förderbedarf sollen Rückzugsräume an anderen Orten eingerichtet werden. Pädagogen erheben Einwände.

POLITIK
Gemeinsam zu lernen, auch bei der Hausaufgabenhilfe, ist ein Wesenszug zeitgemäßer Pädagogik.

Gemeinsam zu lernen, auch bei der Hausaufgabenhilfe, ist ein Wesenszug zeitgemäßer Pädagogik.

Burghardt

Gemeinsam zu lernen, auch bei der Hausaufgabenhilfe, ist ein Wesenszug zeitgemäßer Pädagogik.

Nettetal. Irritationen gibt es derzeit über einen Vorstoß der Nettetaler Stadtverwaltung, Inklusion an den Schulen durch eine Neuerung zu verbessern. So sollen Rückzugsräume für sogenannte auffällige Kinder geschaffen werden – und zwar an anderen Standorten. „Hier werden wieder Kinder ausgegrenzt“, warnte Karin Banck (SPD) im Schulausschuss.

Und darum geht es: Ein Antrag der CDU sieht vor, „für Kinder und Jugendliche mit besonders komplexen Verhaltensschwierigkeiten“ soll es in einer Klasse oder Stufe einen „Time-out-Ort“ geben. Vereinfacht gesagt, verhaltensauffällige Schüler, die den Unterrichtsablauf über die Maßen gefährden, sollen zeitweise in einem anderen Raum betreut werden – der nicht an derselben Schule sein soll.

Genau solche Rückzugsmöglichkeiten mit dem Ziel, betroffene Kinder wieder in ihrer Schule eingliedern zu können, habe die Comeniusschule geboten, kritisierte Sonderpädagogin Nicole Appenrodt; im Zuge der Inklusion jedoch wurde die Förderschule aufgelöst: „Dieser Raum ist uns entzogen worden“, bedauerte Appenrodt. Nun aber werde für Schüler wieder genau solch ein Schonraum gefordert.

Die Verwaltung machte sich einen CDU-Antrag zu eigen, ein Gutachter entwickelte daraus ein Konzept – und zwar der CDU-Bildungsexperte Hans-Ulrich Baumgarten. Beim Kreis Viersen scheint alles längst in die Wege geleitet. Laut Nettetals Schuldezernent Armin Schönfelder könnten im Sinne des CDU-Antrags drei „Unterstützungszentren“ im Kreis eingerichtet werden.

Der Aufreger dabei: Kommt es zur Schaffung dieser Schonräume, müssten betroffene Kinder aus Nettetal – etwa 20 – möglicherweise zu einem anderen Standort. Dagegen stellte Angelika Eller-Hofmann von der Gesamtschule klar, gerade Schüler mit emotionalem und sozialem Förderbedarf bräuchten die „Vernetzung in ihrer Gemeinschaft“.

Zwar gibt es durchaus Befürworter der Maßnahme, und der Ausschuss will zunächst die Beratungen von Verwaltung, Gutachter und Schulamt abwarten. Aber Appenrodt verhehlte nicht, dass sie ob der Initiative „wütend“ sei.

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